Vorwurf des sexuellen Missbrauchs in Krefeld: Waldorf-Kita: Staatsanwalt klagt Erzieherin an

Vorwurf des sexuellen Missbrauchs in Krefeld : Waldorf-Kita: Staatsanwalt klagt Erzieherin an

Die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft gegen eine frühere Erzieherin der Einrichtung Kaiserstraße erhärten die Missbrauchsvorwürfe. Nach knapp zwei Jahren Ermittlung hat die Krefelder Staatsanwaltschaft jetzt die ehemalige Erzieherin der Waldorf-Kindertagesstätte angeklagt.

Die Frau war nach Informationen unserer Redaktion als Heilpädagogin tätig und soll Kinder sexuell belästigt und verletzt haben. Die Polizei hatte im Juni 2012 die Räume der Kita Kaiserstraße durchsucht, die betroffenen Kinder sind durch eine Gutachterin befragt worden, anschließend hat die Staatsanwaltschaft weitere Untersuchungen vorgenommen und weitere Gutachten eingeholt. Oberstaatsanwalt Axel Stahl erklärte gestern: "Für uns haben die Schilderungen zum hinreichenden Tatverdacht gereicht."

Unsere Redaktion hatte im Januar 2013 über die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs und der körperlichen Misshandlung in der Kindertagesstätte Kaiserstraße berichtet. Von den ursprünglichen Vorwürfen sind einige durch die Staatsanwaltschaft nicht in die Anklage eingegangen. Gegenstand sind nun noch Fälle mit zwei Kindern. Der Vorwurf richtet sich auch nur noch gegen eine Erzieherin. Es geht um zwei Fälle von Körperverletzung: In einem Fall ist ein Kind an der Lippe verletzt worden, in einem Fall wurde ein Kind verletzt, indem es gegen ein Möbelstück gedrückt wurde. Weiterhin steht der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs im Raum: Kinder sollen - auch im Intimbereich - mit Öl massiert worden sein.

Die Anklage ist Anfang Mai an das Gericht gegangen - dort liegt der Fall jetzt zur Prüfung vor. Das Gericht muss entscheiden, ob die Anklage zugelassen wird. Joachim Banke, Sprecher des Krefelder Landgerichtes, erklärte gestern: "Wir befinden uns jetzt in der Zwischenprüfung. Die Kammer entscheidet über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens. Die Angeklagte hat die Möglichkeit zur Stellungnahme. Es muss für uns ein hinreichender Tatverdacht vorliegen."

Die Erzieherin hatte zuletzt erklärt, keine Stellungnahme abgeben zu wollen. Der Vorstand der Waldorf-Kita war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er hatte sich im Januar 2013 nach der Berichterstattung vor die angezeigten Erzieherinnen gestellt: Es habe weder sexuellen Missbrauch von Kindern noch brutale Erziehungsmethoden gegeben. Vielmehr seien die Kinder unglaubwürdig, hatte der damalige Vorstand des Rudolf-Steiner-Waldorfkindergartens in einer dreiseitigen Stellungnahme mitteilen lassen. Nach Rücksprache mit einem Arzt und den Erziehungsberechtigten seien aus heilpädagogischen Gedanken heraus "Fußeinreibungen", später Bauchmassagen vorgenommen worden. Beide Maßnahmen seien nach wenigen Anwendungen auf Anraten einer Psychologin wieder eingestellt worden, und zwar "wegen der körperlichen Distanzlosigkeit des Kindes".

Die angezeigten Mitarbeiterinnen sind nicht mehr in der Kindertagesstätte tätig, teilte der Vorstand im Januar 2013 mit: Sie seien nicht suspendiert worden, sondern hätten ihre Arbeitsverhältnisse "aus eigenem Entschluss gekündigt".

(RP)
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