Krefeld: Wahlprojekt am Moltke: Was Jugendliche an Politik interessiert

Krefeld : Wahlprojekt am Moltke: Was Jugendliche an Politik interessiert

Die Rheinische Post hat unter dem Motto "Deine Stimme zählt" Schulen und Schüler eingeladen, das Thema Landtagswahl aufzugreifen. Das Moltke-Gymnasium beteiligt sich.

Die erste Überraschung für Oliver Nimmerjahn war das Thema G8/G9. Die Frage, ob man das Abitur nach acht Gymnasialjahren - im Volksmund Turbo-Abi genannt -wieder abschaffen soll, ist in der Öffentlichkeit über Jahre erbittert diskutiert worden. Die Schüler, die im Sozialwissenschaftskurs der Q1 (Stufe 11) sitzen, sprangen auf das Thema nicht an. "G8/G9 brennt den Schülern offenbar nicht so unter den Nägeln", sagt Nimmerjahn. Er unterrichtet Sozialwissenschaften und hat am Moltke-Gymnasium die Betreuung des Projekts "Deine Stimme zählt" übernommen. Dabei bereiten Schüler in Zusammenarbeit mit der Rheinischen Post ihre Themen für die Landtagswahl auf.

Ziel des Projekts: den Schülern ein Forum für die Fragen zu geben, die sie an die Politik haben. In einer ersten Phase sind die Schüler eingeladen, ihre Themen und dazu Positionen zu erarbeiten. Daraus sollen kurze Wahl-Spots entstehen. Jede Schule bestimmt zwei "Abgeordnete" - je einen Jungen und ein Mädchen, die ihren Wahlspot dann auf eine Internetplattform der RP hochladen. Danach wählen alle "Schul-Abgeordneten" eine Schülerministerin und einen Schülerminister.

Das Finale: Diese beiden Wahlsieger bekommen von der Rheinischen Post die Möglichkeit, Spitzenpolitiker der NRW-Landespolitik im Rahmen einer Wahlarena vor großem Publikum mit ihren Positionen zu konfrontieren. Ein großer Teil der "Schul-Abgeordneten" wird eingeladen sein, diese Live-Veranstaltung im Publikum zu verfolgen. Moderiert wird die Veranstaltung von Redakteuren der Rheinischen Post. Die 21 Moltke-Schüler haben zwei Felder ausgewählt: das Thema Flüchtlinge und die Probleme rund um den Krefelder Theaterplatz mit der Drogenszene, die sich dort angesiedelt hat. "Ich habe nichts vorgegeben", erläutert Lehrer Nimmerjahn. Schmunzelnd berichtet er von dem klassischen Schülerreflex, den Lehrer fragend anzuschauen, ob ein Vorschlag richtig oder falsch war. "Ich hab klarzumachen versucht, dass es richtig und falsch in diesem Fall nicht gibt. Was interessiert euch - das war entscheidend."

Nun ist klar: Zwei Schüler-Teams widmen sich dem Thema Theaterplatz, drei Teams nehmen sich des Themas Flüchtlinge an. Alle erarbeiten Videos - später stimmen dann alle Sozialwissenschaftsschüler am Moltke über die Videos ab. Aus dem Siegerteam werden dann die beiden Schülerabgeordneten gewählt.

Neben der großen Wahlarena ist auch eine Krefelder Veranstaltung in ungewöhnlichem Format mit den Krefelder Landtagskandidaten geplant. In einem "Work Café" können Schülergruppen an unterschiedlichen Tischen mit Kandidaten diskutieren. Nach einer festgesetzten Zeit wechselt die Gruppe zu einem anderen Kandidaten - Vorteil gegenüber dem klassischen Forum, in dem die Kandidaten an einem langen Tisch 300 Zuschauern gegenübersitzen: Die Schüler können sehr direkt mit den Politikern reden.

(RP)
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