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Krefeld: Vorwurf: Ärzte nennen Kosten nicht

Krefeld : Vorwurf: Ärzte nennen Kosten nicht

Der Krefelder Sozialverband VdK kritisiert die niedergelassenen Ärzte: Immer häufiger würden Kosten für Zusatzleistungen (IGeL), die der Patient alleine tragen muss, nicht transparent benannt.

Beim Krefelder Sozialverband VdK mehren sich Beschwerden über niedergelassene Ärzte, die Kosten für Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) nicht transparent benennen. Friedrich Noth, Vorsitzender des 3000 Mitglieder starken VdK, fordert die Krefelder Ärzte auf, vor Anwendung solcher zusätzlichen Leistungen die Kosten klar zu zu benennen.

"Wenn gesetzlich Krankenversicherte den Eindruck gewinnen, die Kosten einer Untersuchung werden durch die Kasse übernommen, dann aber wenig später eine gepfefferte Rechnung in ihrem Briefkasten vorfinden, untergräbt dies das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient", sagt Noth.

Individuelle Gesundheitsleistungen sind jene ärztlichen Dienste, die zwar medizinisch sinnvoll sein können, die aber von den Krankenkassen als "nicht zwingend geboten" eingestuft und daher nicht finanziert werden: Glaukom-Vorsorge (5,38 Euro), Lungenfunktionsprüfung (14,11 Euro) und vieles mehr (siehe Grafik). Jeder individuellen Gesundheitsleistung ist in der ärztlichen Gebührenordnung ein Betrag zugeordnet. Ärzte können hiervon den einfachen oder den 2,3-fachen Satz berechnen.

Bei vielen Ärzten werden mittlerweile diese Zusatzleistungen auf großen Postern in der Praxis beworben. Der Gewinn, den Deutschlands Ärzte dadurch machen, wird immer größer: 1,5 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2010 für IGe-Leistungen aus eine Steigerung um 50 Prozent seit 2005. Für jede Leistung ist eigentlich ein klarer Kostenrahmen festgelegt, den die Ärzte vor der Maßnahme schriftlich nennen müssen. Darauf verweist auch Dr. Michael Knobloch, stellvertretender Vorsitzender der Krefelder Ärzte: "Der Patient muss eigentlich vorher informiert werden, schriftlich per Quittung. Wenn der Arzt das nicht macht, muss die Leistung nicht bezahlt werden."

Nur die Einnahmen durch IGe-Leistungen halten in Krefeld viele Ärzte finanziell über Wasser. Knobloch sagt: "Viele Kollegen sind auch in Krefeld nicht mehr in der Lage, durch die Einnahmen aus der gesetzlichen Krankenversicherung eine Praxis gewinnbringend zu führen." Doch Verbraucherschützer kritisieren neuerdings, dass der Arzt zunehmend zum Kaufmann wird. Zuletzt hatte der Präsident der Bundes–Ärztekammer (BÄK), Jörg-Dietrich Hoppe, seine Kollegen gewarnt, den Patienten IGe-Leistungen aufzudrängen.

VdK-Vorsitzender Friedrich Noth übt keine generelle Kritik an den IGe-Leistungen. Es sei vielmehr "aus der Perspektive der Solidargemeinschaft ausdrücklich begrüßenswert, wenn nicht notwendige Maßnahmen auch nicht von allen getragen werden" müssten.

(RP)