Vorschlag: Innenstadtgymnasium in Krefeld nach Hugo Kaufmann benennen, von Norbert Stirken

Jüdisches Schicksal : Schule nach Hugo Kaufmann benennen

Der Poltikwissenschafter Professor Wolfgang Dreßen schlägt den jüdischen Juristen als Namenspatron fürs Innenstadtgymnasium vor.

In wenigen Wochen ist es genau 75 Jahre her, dass der Krefelder Justizrat Dr. Hugo Kaufmann im Konzentrationslager Theresienstadt vermutlich an Erschöpfung starb. Die letzten sieben Monate vor seinem Tod musste der Jurist jüdischen Glaubens hart arbeiten und Steine klopfen. Seine Frau Erna wurde in Auschwitz ermordet.

Der Politikwissenschafter Professor Wolfgang Dreßen von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und Wahlkrefelder bringt mit der Krefelder Ratsfraktion Die Linke den damaligen Stadtverordneten und Rechtsanwalt Kaufmann als Vorschlag für die Benennung des neuen Innenstadtgymnasiums ins Spiel. Der Zusammenschluss des früheren Arndt- und des Fichte-Gymnasiums. „Seine Lebensdaten sprechen für sich, und ich würde mich freuen, wenn der Name Hugo Kaufmann in der Diskussion berücksichtigt würde“, sagte Dreßen.

Hugo Kaufmann wuchs in behüteten Verhältnissen als Sohn des Seidenfabrikanten Isaak Kaufmann in Krefeld auf. Seine Familie lebte bereits seit rund 200 Jahren am Niederrhein. 1891 legte der Junior sein Abitur am Gymnasium zu Crefeld — dem späteren Arndt und heutigem Innenstadtgymnasium ab. Anschließen studierte er Jura in Leipzig, Berlin und Bonn. Susanne Mauss hat über die Biografie des Mannes in ihrer Publikation über „jüdische Rechtsanwälte im Oberlandesgerichtsbezirk Düsseldorf in den Jahren 1933 bis 1945“ einiges zusammengetragen. Demnach promovierte Kaufmann nach bestandenem ersten Staatsexamen zum Thema „Zur Lehre von dem Inhalte einer Geldschuld“. 1899 wurde er als Rechtsanwalt am Krefelder Obergericht (später Königliches Landgericht Crefeld) zugelassen. Hugo Kaufmann wurde als Kaufmann I. eingetragen, weil es seinerzeit noch einen Kollegen gleichen Namens gab. Seine Kanzlei eröffnete er am Nordwall, wo er auch mit seiner 1904 angetrauten Frau Erna wohnte.

Professor Wolfgang Dreßen gibt Anregungen. Foto: Norbert Stirken

Vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg wählten ihn die Krefelder als Vertreter der Liberalen Partei zum Stadtverordneten. Er wurde eingezogen und kämpfte rund fünf Monate lang in Frankreich an der Front. Das war 1917. In diesem Jahr wurde ihm der Titel Justizrat verliehen. 18 Jahre später bekam er „im Namen des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler ... das von dem Reichspräsidenten und Generalfeldmarschall von Hindenburg gestiftete Ehrenkreuz für Frontkämpfer“ verliehen.

Wie bereits erwähnt, sollte ihn dieser Einsatz fürs Vaterland im Ersten Weltkrieg vor einer Deportation und seiner Zwangsarbeit im KZ nicht bewahren. Dass ihn dieses Schicksal erwartet, konnte er sich offenbar nicht vorstellen. „Ich habe doch nie einer Fliege was zu Leide getan“, soll er gesagt und gleichzeitig auf die so genannten Ostjuden geschimpft haben. Neben seinen erfolgreichen Anwalts- und Stadtverordnetentätigkeiten engagierte Kaufmann sich gesellschaftlich. Er gehörte unter anderem zum Vorstand des Vereins für Heimatkunde, war Präsident einer Loge, Mitbegründer des Krefelder Anwaltsvereins und letzter Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Krefeld vor dem Zweiten Weltkrieg. Wie Dreßen recherchierte, waren es der findige Jurist und seine Vorstandskollegen, die für eine Umbettung der Toten auf dem jüdischen Friedhof in Uerdingen sorgten, ehe das Areal durch einen erzwungenen Verkauf an die IG Farben (später Bayer) überging.

Zur Eröffnung des neuen Innenstadtgymnasiums war die Aula mit Schülern und Gästen voll besetzt. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Als jüdische Anwälte mit Vertretungsverboten belegt wurden, wehrte sich Kaufmann zunächst erfolgreich. Positive Stellungsnahmen der Gerichtsdirektoren und seine eigenen Einlassungen waren erfolgreich. „Dass ich mich niemals kommunistisch betätigt habe, bedarf sonach wohl nicht noch der Hervorhebung. Eine Rücknahme meiner Zulassung als Rechtsanwalt kann somit nicht stattfinden.“

Sein Sohn Georg wanderte 1939 nach Großbritannien aus. Hugo Kaufmann sah für sich selbst keine Notwendigkeit zur Emigration. Doch der Zugriff der Nationalsozialisten machte auch vor ihm nicht Halt. Er durfte zunächst nur noch als Konsulent für jüdische Mandanten arbeiten, musste dann seine wertvolle Münzsammlung abgeben. Sie wurde „arisiert“ wie es seinerzeit hieß und befindet sich heute im Bestand des Museums Burg Linn. Sein letzter Weg führte am 25. Juli 1942 mit dem Transport Nummer VII/2, Zug D 71 nach Theresienstadt.

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