Krefeld: Vorgarten - ein unterschätztes Paradies

Krefeld: Vorgarten - ein unterschätztes Paradies

Die Grünen wollen dem dramatischen Artensterben Einhalt gebieten. Sie werben dafür, auch heimische Grünflächen ökologisch zu gestalten. Das Grünflächenamt der Stadtverwaltung könnte das Projekt unterstützen.

Der Naturschutzbund (Nabu) nennt sie die "Gärten des Grauens": Flächen, die mit Schottersteinen belegt sind und auf denen kaum oder gar keine Pflanzen wachsen. Sie werden als modern und pflegeleicht beworben - und wer sich in Wohngebieten umsieht, stellt schnell fest, dass immer mehr Hauseigentümer das Grün gegen den vermeintlich praktischen Schotterbelag austauschen. "Modern, unkrautfrei und pflegeleicht. Das sind die Schlagwörter, mit denen für einen Steingarten im Vorgarten geworben wird", sagt Grünen-Ratsfrau Anja Cäsar. Und ergänzt: "Anstatt artenreicher Pflanzungen entstehen dabei oft Steinwüsten."

Gemeinsam mit dem Krefelder Nabu will die Partei in diesem Punkt in den kommenden Wochen und Monaten Aufklärungsarbeit leisten. Infostände, ein Faltblatt und Internetauftritte sind geplant, das Grünflächenamt der Stadtverwaltung soll mit ins Boot geholt werden. Für die umweltpolitische Sprecherin der Fraktion wichtig: "Wir wollen hier nicht mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Stadt gehen, wir möchten Aufklärungsarbeit leisten. Jeder kann seinen Garten frei gestalten, doch er soll wissen, was er macht und machen kann. Dabei wollen wir helfen. Bunt kann auch im Garten einfach sein."

Es ist der Traum vom schönen (Vor-)Garten mit geringem Pflegeaufwand, der gerade im Frühjahr bei vielen Bürgern erwacht. "Daneben ist oft das Argument zu hören: Und jünger werde ich ja auch nicht", ergänzt Grünen-Fraktionschefin Heidi Matthias. Ein Schottergarten sei da nur auf den ersten Blick eine Option. "Es gibt nicht nur ökologische Gründe, die einer solchen Anlage widersprechen. Eine Schotterfläche ist keineswegs pflegefrei."

Vor hohem Pflegeaufwand warnt auch die Natur- und Umweltschutzakademie NRW: "Organisches Material wie Pollen, Blüten, Sande, Samen und Blätter fallen zwischen die Steine und verrotten. Es bildet sich eine Humusschicht und erste Wildkräuter keimen. Algen, Moose und Flechten siedeln sich an. Eine Verfärbung tritt ein. Der Garten wird unansehnlich", heißt es im Flyer "Blühende Vielfalt im Vorgarten". Wer da für Ordnung sorgen will, muss von Hand zwischen den Steinen unerwünschtes Grün auszupfen. Der Einsatz von Herbiziden ist verboten, und wer zum Abflämmgerät greift, zerstört die Folie unter den Steinen.

  • Schwalmtal : Schwalmtaler sollen ihre Vorgärten mit Grün statt Schotter gestalten

"Gerade Vorgärten und kleine Grünflächen haben eine besondere Bedeutung für die Artenvielfalt und das Klima in der Stadt", sagt Anja Cäsar. "Sie bilden ökologische Trittsteine für Pflanzenarten, Insekten und Vögel, die auf der Suche nach Nahrung und Nistplätzen von Trittstein zu Trittstein wandern. Grünflächen liefern saubere, frische Luft. Kies- und Steinflächen heizen sich dagegen stärker auf, speichern Wärme und strahlen sie wieder ab."

Dass es auch anders geht, weiß Nabu-Gartenexpertin Marja Rottleb: "Heimische Pflanzen brauchen, im Gegensatz zu standortfremden Pflanzen, weniger Pflege. Außerdem locken sie Schmetterlinge, Hummeln und Vögel in den Garten. Wer seinen Garten standortgerecht plant, schafft ein Stück Natur und trägt zur Artenvielfalt bei." Im Frühjahr spenden beispielsweise heimische Frühblüher den Hummeln erste Nahrung - und einen bunten Garten schon im April. Die "botanischen" Krokusse, wie sie im Fachhandel heißen, sind zwar kleiner als hochgezüchtete Sorten, blühen aber reichlich, samen sich selbst aus und bilden über die Jahre herrlich bunte Teppiche im Frühjahr. Das gilt auch für Wildtulpen, Anemonen und Lerchensporn.

Später gibt's die frühsommerliche Blütenpracht der Obstbäume und Stauden im Garten und locken Falter und andere Insekten an. "Wie bei allen gärtnerischen Maßnahmen steht am Anfang die Frage des Standortes", sagt Anja Cäsar. "Denn davon hängt die Wahl der geeigneten Pflanzen ab." Die Fachfrau rät: Hierbei kann ein Anruf beim Nabu Krefeld helfen. Trocken und sonnig oder schattig und eher feucht? Die meisten Gärten haben das Glück, über ein sonniges Fleckchen zu verfügen. Wie das Beet später aussieht, wird durch die individuelle Kombination der Stauden bestimmt. Die großblütige Königskerze blüht im Juli/August, die Schafgarbe bereits im Juni/Juli, der gelbe Eisenhut ist ein Dauerblüher vom Juni bis August. "Hier können die Nabu-Experten viele hilfreiche Tipps geben", ergänzt Anja Cäsar.

Übrigens: Nicht nur der Garten kann in ein innerstädtisches Blütenparadies verwandelt werden. "Platz ist hierfür auch auf dem kleinsten Balkon", sagt die Politikerin. Eine Kräuterspirale - ein kleiner dreidimensionaler Kräutergarten - ist nicht nur ein optisches Highlight, sondern auch ein idealer Standort für Lavendel, Salbei, Thymian und Co. Hier wachsen Gewürze mit leicht unterschiedlichen Ansprüchen in Sonne und Halbschatten leicht erhöht auf engem Raum. Anja Cäsar: "Und zum Ernten muss man später einfach nur auf den Balkon gehen."

(RP)