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Krefeld: Vor dem Sturm-Kampf: Boxen für Anfänger

Krefeld : Vor dem Sturm-Kampf: Boxen für Anfänger

Am heutigen Samstag steigt gegen 22.30 Uhr im Krefelder Königpalast der Kampf um die Box-Weltmeisterschaft im Mittelgewicht zwischen dem aus Leverkusen stammenden Titelverteidiger Felix Sturm und seinem Herausforderer Sam Soliman aus Australien. Zuvor klettern "Killer-Queen" Susi Kentikian und Dan-Bi Kim in den Ring. Die RP erläutert die wichtigsten Regeln rund um das Geschehen im und am Ring.

Boxen ist eine der ältesten Sportarten. Die ältesten Funde, die darauf hinweisen, dass es Faustkämpfe zur Unterhaltung von Publikum gab, sind rund 3000 Jahre alt und stammen aus dem alten Ägypten. Zum ersten Mal olympisch wurde der Faustkampf bei den 23. Spielen der Antike, im Jahre 688 vor Christus. Auch im antiken Rom war der Faustkampf weit verbreitet, die Kämpfer seinerzeit waren Gladiatoren. Es gibt auch bis zu 7000 Jahre alte Fundstücke, die Kämpfer zeigen, doch mit dem modernen Boxen hatten diese Kämpfe wenig gemein, da es keine Regeln im heutigen Sinne gab. Bei den Olympischen Spielen der Neuzeit hatte das Boxen 1904 in St. Louis Premiere. Zwei Jahre später gründete sich in Köln der erste deutsche Boxclub, der SC Colonia 06. Seit 1920 gibt es deutsche Meisterschaften im Boxen.

Im Boxen gibt es keine zentrale Dachorganisation wie zum Beispiel im Fußball der Weltverband Fifa. Das führt dazu, dass es etwa 20 verschiedene Verbände gibt, die allesamt Kämpfe veranstalten und natürlich auch diverse Titel verleihen. Wladimir Klitschko etwa ist deshalb in vier Verbänden Weltmeister. Die wichtigsten Verbände sind die World Boxing Association (WBA), das World Boxing Council (WBC), die International Boxing Federation (IBF) und die World Boxing Organization (WBO).

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Im Profiboxen der Männer und Frauen gibt es insgesamt 17 verschiedene Gewichtsklassen. Die leichtesten männlichen Boxer treten im Minifliegengewicht an und haben ein Maximalgewicht von 47,627 Kilo (105 Pfund). Die "krumme Zahl" kommt daher, weil der Boxsport aus England stammt, und deshalb sind die Klassen bei den Profis nach englischen Pfund abgegrenzt. Weitere Gewichtsklassen sind unter anderem Fliegengewicht (50,802 Kilo, 112 Pfund), Bantamgewicht (53,525 Kilo, 118 Pfund), Federgewicht (57,153 Kilo, 126 Pfund), Mittelgewicht (72,574 Kilo, 160 Pfund) und Schwergewicht (mehr als 90,718 Kilo, 200 Pfund).

Der Boxring selbst ist nicht rund, sondern quadratisch und hat eine Seitenlänge zwischen 16 und 24 Fuß, also zwischen 4,88 und 7,32 Metern. In der Regel wird er von drei Seilen eingefasst, die in 40, 80 und 130 Zentimetern Höhe hängen. In den vier Ringecken hängen Polster, ein blaues, ein rotes (dort steht jeweils einer der Kämpfer) und zwei weiße, sogenannte neutrale Ecken. Dorthin muss sich ein Boxer begeben, wenn der Ringrichter seinen Kontrahenten anzählt. Das Wort "Ring" im Boxring kommt übrigens aus den Anfängen des Boxens, als die Schaulustigen einen Kreis um die beiden Kämpfer bildeten.

Im Profiboxen kann die Zahl der Runden im Ring frei ausgehandelt werden. Üblich ist aber, dass Kämpfe zwischen vier und zwölf Runden lang sind. Eine Runde dauert drei Minuten; im Frauenboxen können auch zwei Minuten vereinbart werden.

Der Ringrichter ist der Schiedsrichter, der sich neben den beiden Boxern im Ring bewegt. Er darf unmittelbaren Einfluss auf die beiden Kämpfer nehmen, sie ermahnen und verwarnen, aber sie auch disqualifizieren. Zudem muss er beurteilen, ob sie nach harten Treffern in der Lage sind, weiterzuboxen, also auch einen Knock-out-Entscheid fällen. Außerdem darf er die Boxer auch anzählen bzw auszählen. Dazu zählt er bis zehn. Neben dem normalen K.o. durch einen Niederschlag gibt es auch den technischen K.o. Dieser erfolgt durch den Ringrichter, wenn er einen der beiden Boxer nicht mehr in der Lage sieht, sich zu wehren, oder durch Aufgabe eines der beiden Kontrahenten.

Insgesamt sitzen rund um den Ring drei Kampfrichter, die unabhängig voneinander den Kampf bewerten. Dazu werden in jeder Runde Punkte verteilt, die anschließend addiert werden. Gewertet wird dabei nach dem "Ten-Point-Must"-System. Das bedeutet, dass der Sieger einer Runde zehn Punkte erhält. Der Verlierer bekommt neun Punkte. Muss er dabei zu Boden, ziehen ihm die Kampfrichter einen weiteren Zähler ab, er erhält dann also nur acht. Im Falle eines zweiten Niederschlags sind es nur noch sieben. Endet eine Runde Unentschieden, erhalten beide Boxer zehn Punkte. Erteilt der Ringrichter während eines Kampfes Verwarnungen, so werden sie erst am Ende des Kampfes von der Gesamtpunktzahl abgezogen.

In jedem Boxkampf dürfen die Schläge nur mit der geschlossenen Faust ausgeführt werden. Benutzt ein Boxer andere Körperteile, also etwa den Kopf, den Fuß oder die Innenhand, so wird ein Treffer damit nicht anerkannt. Der Ringrichter wertet einen solchen Treffer als Foul und darf dafür Sanktionen gegen den Boxer bis hin der Disqualifikation aussprechen.

Als Treffer zählen Schläge, die auf der Vorderseite von Kopf, Hals, Körper (bis zur Gürtellinie) und Armen landen. Treffer unterhalb der Gürtellinie gelten als Foul und können zum Punktabzug führen. Landet ein Schlag auf den Handschuhen des Gegners, so zählt er nicht, sondern dann gilt der Schlag als abgeblockt.

Zunächst mal: Jeder Boxer hat eine so genannte Führhand und eine Schlaghand. Mit der Führhand führt er den Kampf, das heißt, die meisten Schläge aus seiner Deckung heraus gibt er mit der Führhand ab und bereitet so den Weg, um mit seiner Schlaghand in der Regel die deutlich wuchtigeren Treffer zu landen. Als wichtigste Schläge gelten der Jab, der Cross, die Haken und die Aufwärtshaken. Der Jab ist ein Schlag, bei dem die Führhand gerade geschlagen wird und in der Regel am Kopf des Gegners landet. Ein Cross ist ähnlich, nur dass er mit der Schlaghand ausgeführt wird. Beim Haken gibt es rechte und linke Haken, die von der Seite in einer halbrunden Bewegung ausgeführt werden. Aufwärtshaken, auch Uppercuts genannt, werden ebenfalls mit der rechten und linken Hand geschlagen und gehen von unten nach oben, so dass sie in der Regel am Kinn des Gegners landen.

Die Boxhandschuhe dienen dem Schutz beider im Ring stehender Boxer. Sie haben eine stoßabsorbierende Füllung, und sie unterscheiden sich durch ihr Gewicht, das in Unzen angegeben wird. Eine Unze wiegt 28,35 Gramm. Im Profiboxen werden in der Regel Handschuhe zwischen acht und zehn Unzen verwendet. Die Handschuhe selbst sind als Fausthandschuhe geschnitten, häufig ist auch der Daumen mit angenäht, um zu vermeiden, dass er bricht oder auch, damit der Boxer seinem Gegner damit nicht ins Auge stechen kann. Zum weiteren Schutz sind die Boxer unterhalb des Handschuhs noch zusätzlich getaped.

(RP)