Krefeld: Von Krefeld erzählen

Krefeld: Von Krefeld erzählen

Wie lebenswert ist Krefeld? Antworten werden für Unternehmen immer wichtiger, wenn sie Fachkräfte gewinnen wollen. Eine neue Kampagne geht einen verblüffend einfachen Weg: Sie lässt Krefeld-Immigranten erzählen.

Die Gewichte im Verhältnis zwischen Bewerber und Unternehmen haben sich im Zeitalter des Fachkräftemangels verändert: Man begegnet sich auf Augenhöhe. Mussten früher Bewerber einen Personalchef von sich überzeugen, muss heute der Personalchef einen Bewerber auch vom Unternehmen und vom Standort überzeugen. Die Krefelder Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) hat darauf mit einer Kampagne reagiert, die auf ein verblüffend einfaches Grundprinzip setzt: Lass Arbeitnehmer, die sich für Krefeld entschieden haben, von Krefeld erzählen.

Eckart Preen und Katharina Fedder bei der Vorstellung von "krefeldkannwas" Foto: vo

Die harten Faktoren eines Standortes waren früher für den Arbeitsmarkt die allein entscheidenden, berichtet WFG-Geschäftsführer Eckart Preen. "Vor etwa zweieinhalb Jahren haben wir gemerkt, dass wir uns umorientieren müssen." Anlass war die Standortprüfung von Canon. Das Unternehmen stand vor der Frage, ob es in Krefeld bleiben oder seine Deutschlandzentrale anderswo aufbauen wollte. Und dazu wollten die Canon-Strategen auch Argumente für Krefeld als Lebenmittelpunkt hören. Denn ein attraktives Lebensumfeld zählt für junge Leute fast soviel wie der Job an sich. Stichwort auf Neudeutsch: Die Work-life-balance, die Balance zwischen Beruf und Privatleben, spielt eine wichtige Rolle bei der Lebensplanung bei jungen Leuten. Karriere ist nicht mehr alles.

Der letzte Anstoß für eine Kampagne kam aus einem Unternehmen selbst: Ein Personalchef habe den Wunsch geäußert, seinen Bewerbern etwas über Krefeld mit auf den Weg zu geben, berichtet Preen. So ergab sich folgerichtig die Hausaufgabe: Wie und was erzähle ich potenziellen Neu-Krefeldern von Krefeld, die auf dem Sprung in die Stadt sind?

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Preen ließ sich schließlich von der Kernidee der Krefelder Agentur "Montagmorgens" überzeugen: Wenn es um das Leben von Arbeitnehmern in Krefeld geht, lass doch Arbeitnehmer in Krefeld von ihrem Leben berichten. "Uns war schnell klar, dass wir auf eine persönliche Ebene gehen mussten. Es geht um Heimat, und da muss man Menschen auch emotional abholen", erläutert Katharina Fedder von "Montagmorgens" das Konzept. So war das Zentrum der Kampagne "Krefeld kann was" geboren. Auf der gleichnamigen Internetseite sind die Krefeld-Erzählungen von Arbeitnehmern dokumentiert, die nach Krefeld gekommen sind und von ihren Eindrücken berichten - inklusive "Krefeld-Tipps", die vom Lieblings-Café über den Zoo oder schöne Orte zum Heiraten wie die Hülser Burg bis zum "Griechen" seines Vertrauens reichen. Die Kampagne wirkt frisch und authentisch, weil es echte Menschen sind, die nachvollziehbare Dinge über Krefeld berichten. Und als Krefelder schmökert man neugierig, wie "Immis" die eigene Stadt sehen. So wie der Italiener und Globetrotter Gabriele, der aus Chicago an den Niederrhein kam und an Krefeld die Überschaubarkeit der Stadt schätzt. Mittlerweile hat die Seite 1200 Follower in den sozialen Netzwerkern; es beteiligen sich immer mehr Unternehmen an der Kampagne. Und es gibt auch das von jenem Personalchef gewünschte "Handout", eine Mappe mit Informationen über Krefeld, die man Bewerbern mitgeben kann, um ihnen erste Eindrücke der Stadt zu vermitteln.

Für Preen ist diese Art, von Krefeld zu erzählen, auch ein Weg, "Rankings" etwas entgegenzustellen, also den beliebten Rangfolgen. Jüngstes Beispiel ist die Deutschlandstudie des Prognos-Instituts. Dabei wurden 401 Kreise und Städte in Deutschland über statistische Daten miteinander vergleichen. Wie berichtet, sind eine Reihe von NRW-Städten auf hinteren Rängen gelandet: Krefeld auf Rang 375, Mönchengladbach auf Platz 388. Über die Aussagekraft für die Realität in einer Stadt kann man streiten. Zum einen liegen Spitzenreiter München (die Stadt kam auf 207 Punkte) und Letztplatzierter Gelsenkirchen (109 Punkte) nur knapp 100 Punkte auseinander - jede Region konnte maximal 300 Punkte erreichen. Ein Ergebnis der Studie ist also, dass die Lebensverhältnisse in Deutschland sich relativ gesehen gleichen. Zum anderen hat Krefeld bei wichtigen Punkten zur Lebensqualität gute bis sehr gute Werte: "Anteil an der Erholungsfläche an der Gesamtfläche" Rang 16, "Vereine je 1000 Einwohner" Rang 136, "Bar- und Restaurantdichte" Rang 70, "Entleihungen in Bibliotheken" Rang 136, "Besuch klassischer Kulturveranstaltungen" Rang 80. In diesen Zahlen spiegeln sich lebhaftes kulturelles Leben und hoher Freizeitwert wider - und es sind solche Geschichten, die auch Krefeld-Immigranten erzählen.

https://www.krefeldkannwas.de/

(RP)
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