Krefeld: Von der Kunst, zu lieben

Krefeld: Von der Kunst, zu lieben

Die Compagnie Ofen zeigt in "The Vase" ein herausforderndes Stück über die Liebe - zwischen Performance, Tanz und Schauspiel.

Zwei Menschen, die sich lieben. Sie (Gala Moody) ist eine auffallend große, aparte Frau. Ihr blondes Haar trägt sie offen, ihr Leinenkleid umspielt ihren durchtrainierten Körper, sie ist barfuß. Er (Michael Carter) ist groß, dunkelhaarig, seine Gesichtszüge sind fein. Er trägt einen Oberlippenbart, sein Leinenhemd ist aufgeknöpft, sein Oberkörper frei, die Hose leger geschnitten, auch er ist barfuß. Ein attraktives Paar. Doch zunächst treten sie in der Tanzperformance "The Vase" beim Festival "Move" in der Fabrik Heeder nicht zusammen auf, sondern getrennt.

Gala Moody betritt die Bühne, setzt sich an den Tisch am Bühnenrand. Von hier wird ein Teil des Lichtdesigns gesteuert und die Musik, teils vom Computer abgespielt, teils live im Loop aufgenommen. Nach einem Kostümwechsel nimmt Moody auf einem Stuhl in der Mitte der Bühne Platz, mit klarer Stimme beginnt sie zu sprechen. Die englischsprachigen Sätze sind für die Zuschauer leider schlecht verständlich. Mit dem Gesicht zum Publikum gerichtet fragt sie: "Hast du heute schon Worte der Liebe gesagt?" Und liefert sofort die Antwort: "Es gibt heute keine Worte der Liebe.

" Die Musik wird lauter, ihre Stimme auch, bis sie schließlich die Sätze herausschreit. Moody tanzt dazu in schnellen, kraftvollen Bewegungen - aus dem Off tönen in Wiederholungsschleife ihre immergleichen Sätze. Carter kommt dazu. Ihre Blicke treffen sich, doch ihre Körper scheinen einander auszuweichen. Alles wirkt schwer,wie in Zeitlupe. Die nächste Szene schildert die heiteren Momente einer Liebesbeziehung, leicht und beschwingt.

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Die Stimmung kippt bald wieder. Sprachfragmente im Loop werden boshaft. Carter schleudert Moody in schwindelerregender Schnelligkeit durch den Raum, sie befreit sich und steht gelöst von ihm, so verstellt er den Blick auf sie und ihre sinnliche und glasklare Bewegungssprache. Sie tanzen getrennt und doch zusammen. Ein ständiges Ringen um Nähe und Distanz, Zuneigung und Abscheu folgt. Cie.Ofen wagen mit "The Vase" eine tänzerische Interpretation von Ariel Dorfmans Theaterstück "Purgatorio", das wiederum eine Adaption von Euripides' "Medea" ist.

Mal sieht der Zuschauer die Tänzer als Medea und Iason und mal als sie selbst, beschäftigt mit der komplexen Technik aus Licht und Ton. Es hätte den Stoff der griechischen Mythologie gar nicht als Referenz gebraucht, die komplexe Erzählung von "The Vase" besteht nicht zuletzt auch aus der biografischen Geschichte, die die Tänzer miteinander verbindet und von der großartigen Persönlichkeit zweier Künstler lebt, die seit über zwölf Jahren zusammen tanzen.

(RP)
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