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Krefeld: Volles Theaterjahr von Brexit bis Zauberflöte

Krefeld : Volles Theaterjahr von Brexit bis Zauberflöte

Klassiker, Experimente und Unterhaltung: Auf diesen Säulen fußt der Spielplan des Gemeinschaftstheaters in der Saison 2018/19. Einige Stücke werden zurzeit noch geschrieben, für andere beginnen in wenigen Tagen schon die Proben.

In der "Zauberflöte" hat Mozart die geheimnisvolle Welt der Freimaurer anklingen lassen. Für Kobie van Rensburg, der Opern gerne in zeitgemäße Bildsprache übersetzt, ist das heutige Pendant die Star-Wars-Serie. Als definitiv letzte Arbeit mit Video und Bluescreen-Technik hat er die Inszenierung des Zauberflöten-Universums nun Operndirektor Andreas Wendholz angekündigt. Mit dem Ergebnis startet die nächste Theaterspielzeit am 23. September im Krefelder Haus. Und auch in Mönchengladbach steht ein "Mammutprojekt", so Schauspieldirektor Matthias Gehrt, am Beginn: "Der Meister und Margarita". Die Bühnenversion von Bulgakows oft als unspielbar bezeichnetem Roman hat am 15. September Premiere, inszeniert von der in Russland lebenden Armenierin Zara Antonyan. So arbeitet erstmals eine Regisseurin aus der Reihe des nichteuropäischen Theaters für die große Bühne. Die Vorproben starten schon bald.

Das sind nicht die einzigen vielversprechenden Aussichten, die Generalintendant Michael Grosse und sein Team gestern dem Aufsichtsrat für die kommende Spielzeit präsentierten. Auch wenn die Finanzabteilung derzeit noch rechnet, wie die höheren Personalkosten der Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst sich auswirken können, bleibe die inhaltliche Kernkompetenz des Theaters, "Geschichten zu erzählen und Fragen zu beantworten, die heute bewegen" - mit Oper aus den 50er Jahren, Stücken aus dem Nord-Irak und getanzten Erinnerungen aus Amerika. "Wir beschäftigen uns in der kommenden Spielzeit sehr mit dem Anderen in uns", sagte Grosse.

Das Andere ist oft ein Experiment: Etwa wenn die Israelin Nava Zukerman Heiner Müllers Echo auf die Spätzeit der DDR - "Die Hamletmaschine" - mit ihrem eigenen politischen Hintergrund für ein deutsches Publikum aufbereitet. Oder wenn die Schweizerin Anina Jendreyko basierend auf Recherchen in Shengal und Kurdistan Schauspielerinnen der ezidischen Minderheit holt für eine Stückentwicklung - in Kooperation mit Volksbühne Basel, Schlosstheater Celle und Goethe-Institut Irak. Zu den großen Klassikern im Schauspiel gehören: Tartuffe, Antigone und Die Räuber sowie Leonce und Lena. Ehekrisen sind ein wichtiges Thema, das in Gladbach mit "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" verhandelt wird, in Krefeld mit Ingmar Bergmanns "Szenen einer Ehe". Und für die Unterhaltung gehen die tollpatschigen Ritter von Spamalot nach Gladbach, und Krefeld bekommt einen "Himmel über Paris" mit Chansons von Piaf und Brel. Am Stück schreibt zurzeit Lothar Kittstein (Autor von "Kein schöner Land").

Schattenspiel: Das Heft zur Theaterspielzeit ist ab heute erhältlich Foto: ped

Überraschungen birgt auch der Musiktheaterspielplan: Die "Faschingsfee" ist aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Andere Raritäten werden erstmals am Haus aufgeführt: Poulencs "Gespräche der Karmeliterinnen" und "Der Goldene Drache" von Eötvös (in Krefeld) oder "Hamlet" von Ambroise Thomas (in Gladbach). Mit "Orpheus in der Unterwelt" läutet das Theater im Rheydter Haus das Offenbach-Jahr ein. Es wird bunt, wenn Hinrich Hortstkotte es mit seinen überbordend fantasievollen Ideen auf die Bühne bringt. Eine satirische Musikrevue nach dem Londoner Erfolgsduo Gilbert & Sullivan heißt "Let's Stop Brexit": Theresa May wird gekidnappt und durch ein Double ersetzt.

Fantasien zu regierenden Personen hat auch Robert North. Sein Ballett "Living in America" erzählt die Geschichte des Westens aus seiner persönlichen Perspektive. Zu Westernhelden, Gangstern und Trump falle ihm da einiges ein. Auch die jungen Choreografen haben wieder Gelegenheit, eigene Produktionen zu kreieren.

Ab heute ist das Spielplanheft erhältlich. Nicht nur die Optik ist neu, sondern auch der Inhalt. Es hat einen 70-seitigen Magazinteil aus dem und über das Theater. "Es gibt einen Moment, den das Publikum niemals miterlebt: die letzten Sekunden unmittelbar vor dem Auftritt", sagt Theaterfotograf Matthias Stutte. Solche Moment hat er mit der Kamera eingefangen: das Warten in der Gasse, die Konzentration, aber auch den Jux in der Probenpause. Karten gibt es ab 2. Mai.

(RP)