Volksbank: Ein Stück Stadtreparatur in Krefeld-Fischeln

Stadtreparatur: Ein Stück Stadtreparatur in Fischeln

Fischeln hat an prominenter Stelle an städtebaulicher Qualität gewonnen. Stadtreparatur nennt das der verantwortliche Architekt Jörg Thorissen. An der Kölner- Einmündung Anrather Straße hat ein Projektentwickler die eingeschossige Immobilie umgebaut und erweitert und dabei Anleihen an der lokalen Architekturhistorie genommen — dem Krefelder Dreifensterhaus.

Der Auftrag war eine Herausforderung: An der meistbefahrenen Straße durch den südlichen Stadtteil führt die Anrather Straße im 45-Grad-Winkel ab. Die Immobilie dort — ein eingeschossiger Bau mit der Volksbank Krefeld als Nutzer — wurde der städtebaulichen Situation nicht gerecht. In der vorigen Woche feierten Vertreter des Geldinstituts im aufgestockten und erweiterten Gebäudekomplex. Den prominenten Ort in Fischeln ziert ein dreigeschossiger Bau mit Staffelgeschoss, eine Passage plus Erweiterungsbau mit Café und Terrassenplätzen. Hauptnutzer ist immer noch die Volksbank. In den oberen Etagen sind Praxen und Wohnungen untergebracht. Eine Tiefgarage bietet den Besuchern und Bewohner Platz für ihre Fahrzeuge. Das Ensemble ist von mehreren Seiten erreich- und umgehbar. Ein Zugang von der Clemensstraße sei angedacht, informierte Jörg Thorissen. Der 52-jährige Architekt, der auch einen Sitz im Gestaltungsbeirat der Stadt Krefeld innehat, hat dem Quartier mit seinem Entwurf einen Rahmen gegeben. „Der Ort gab etwas vor, was in ein Konzept gefasst werden sollte“, sagte er.

Bei der Umsetzung nahm er Anleihen aus der lokalen Architekturhistorie. Das berühmte Krefelder Dreifensterhaus findet sich als Zitat in der Fassadengestaltung wieder. Niederrheinischer Klinker und viel Glas bezeugen die regionale Verbundenheit des Büros Thorissen, des Bauherrn, Bauträgers Henrik Hambloch und Generalunternehmers Derichs und Konertz. Details fassen die Fensterpartien zu einer Einheit zusammen. 13 Meter ist das Gebäude hoch. Breite Bürgersteige vor dem Haus und ein begrünter Parkplatz, der unter anderem für den Clemensmarkt als Festplatz genutzt werden kann, dienen als Verkehrsflächen. Nach 18 Monaten Bauzeit konnte die H&D Projektentwicklungs GmbH die geschätzt vier Millionen Euro teure Investition eröffnen.

Für Thorissen ist das Objekt ein gelungenes Beispiel für Stadtreparatur. Das ist ein Thema, mit dem der Planer sich intensiv und gerne beschäftigt. Die Stadt hat an vielen Stellen Wunden noch aus Kriegszeiten, Bausünden, Planungsfehlern und Schrottimmobilien. Statt abzureißen und neu zu bauen, reichten bisweilen nuancenreiche Änderungen. Sanierungen, Erweiterungen. „Architektur ist auch unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit zu betrachten“, sagte Thorissen. Eine Halbwertzeit von wenigen Jahren, Jahrzehnten werde dem Anspruch nicht gerecht. Den Architekten und Planern böten sich in Krefeld an vielen Stellen Gelegenheiten, ihre Ästhetik und ihr Fachwissen einzubringen. Krefeld verfüge über ein großes Potenzial für Stadtreparatur.

Das Foto zeigt die Situation vor der Neugestaltung: Das Gebäude war eingeschossig und ließ den Blick von der Straße auf den rückseitigen Parkplatz frei. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Für den 52-Jährigen sei es stets eine tolle Bestätigung, wenn das Nutzerverhalten die architektonische Idee bestätige. Dann sei der Planungsgedanke ein Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität der Menschen. Vor allem innerhalb der vier Wälle gebe es in Krefeld unter diesem Aspekt noch eine Menge zu tun. Thorissen weiß, wovon er redet. Nach der Eröffnung des Architekturbüros durch seinen Vater Ludwig im Jahr 1976 firmierte es viele Jahrzehnte an der Adresse Südwall. Seit rund zehn Jahren tüfteln zwei Bauzeichner und zwei Architekten des Büros Thorissen an der Gutenbergstraße.

Architekt Jorg Thorissen ist Mitglied des Gestaltungsbeirats. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Stadtreparatur ist ein Begriff aus der Stadtplanung, Stadterneuerung und Planungstheorie. Anknüpfend an den Begriff Reparatur bezeichnet er städtebauliche und architektonische Maßnahmen, die darauf gerichtet sind, beschädigte oder untergegangene Stadtstrukturen in Funktionsgefüge, Figuration, Proportion, Raumwirkung und äußerem Erscheinungsbild (Stadtbild) „behutsam“ zu ergänzen bzw. „kritisch“ wiederherzustellen.

Der Stellenwert der Architektur in der Gesellschaft und in Krefeld sei noch ausbaufähig. Thorissen denkt dabei an skandinavische Verhältnisse. Nichts mache die Rolle der Architektur in Schweden und Dänemark deutlicher als der Standort des Kopenhagener Architekturmuseums. Das sei direkt gegenüber dem Königspalast angesiedelt, sagte der 52-Jährige.