Vincent van Gogh — Vorbild für den rheinischen Expressionisten Heinrich Nauen aus Krefeld

Ausstellung im Städel-Museum : Vincent van Gogh — Vorbild für Heinrich Nauen

Vincent van Goghs Einfluss auf die deutschen Expressionisten ist unbestritten. Die Rolle als Vorbild für viele Künstler ist konzeptioneller Bestandteil der größten Ausstellung in der Geschichte des Frankfurter Städel-Museums, die derzeit in Vorbereitung ist. Gezeigt werden im kommenden Jahr auch Arbeiten des in Krefeld geborenen Malers Heinrich Nauen.

Der Krefelder Künstler Heinrich Nauen hat sich intensiv mit dem Werk von Vincent van Gogh beschäftigt. Welchen Einfluss der niederländische Exzentriker auf ihn und weitere deutsche Expressionisten hatte, das soll eine Ausstellung des Frankfurter Städel-Museums im kommenden Jahr zeigen. Der Rheinische Expressionist Nauen, der im Oerbroich in Hüls lebte und arbeitete, wird dabei mit einer Auswahl seiner Gemälde zu sehen sein.

Die Ausstellung nimmt das Œuvre van Goghs erstmalig im Kontext seiner Rezeption in Deutschland in den Blick. Den Ausgangspunkt bildet eine Auswahl von Schlüsselwerken aus allen Schaffensphasen des niederländischen Malers. Darauf aufbauend widmet sich die Präsentation der Bedeutung van Goghs für die Entwicklung der deutschen Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Das Künstlerehepaar Heinrich Nauen und Maria von Malachowski lebte von 1911 bis 1931 in Schloss Dilborn in Brüggen. Das Foto entstand ungefähr in den Jahren 1010 oder 1911. Foto: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Wichtiger Referenzpunkt ist hierbei die umfangreiche Städel Sammlung von Werken des Expressionismus. Neben bekannten Beispielen von Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münter oder Max Beckmann werden auch wiederzuentdeckende Positionen präsentiert, für die van Gogh ebenso prägend war, darunter Peter August Böckstiegel, Maria Slavona oder Heinrich Nauen.

„Zum Zeitpunkt seines Todes in Auvers-sur-Oise 1890 war das Werk van Goghs nur wenigen Zeitgenossen vertraut. Als zur Jahrhundertwende in den Kulturmetropolen Europas die ersten Van-Gogh-Ausstellungen stattfanden, stieg die Bekanntheit drastisch an. „Die Sonderausstellung im Städel Museum zeigt auf, dass ohne die Rezeptionsgeschichte in Deutschland diese Entwicklung und die bis heute anhaltende Popularität Vincent van Goghs kaum denkbar gewesen wären“, sagt Städel Direktor Philipp Demandt.

Das um 1909 entstandene Gemälde „Ernte“ zeigt den Einfluss Vincent van Goghs auf Heinrich Nauen. Foto: dpa

Die bis dato größte und aufwendigste Präsentation (vom 23. Oktober 2019 bis zum 16. Februar 2020) in der Geschichte des Museum thematisiert die besondere Rolle, die deutsche Galeristen, Sammler, Kritiker und Museen für die Erfolgsgeschichte des Vorreiters der modernen Malerei spielten.

Der Krefelder Künstler Heinrich Nauen malte das Bild mit dem Titel „Spreelandschaft mit Kraehen“  um das Jahr 1906. (Öl auf Leinwand, 55 x 60 Zentimeter), Bonn, Städtisches Kunstmuseum. Foto: dpa

Für den Krefelder Heinrich Nauen stand früh fest, dass er Künstler werden wolle. Bereits als 16-Jähriger setzt er durch, eine Lehrstelle bei dem Kirchen- und Dekorationsmaler Wilhelm Pastern zu erhalten. Danach ging er die Karriere akademisch an, studierte in Düsseldorf, München und Stuttgart, machte dann Station in der Nähe von Gent, Berlin und Paris. Er beschäftigte sich mit dem Impressionismus und den Bildern Vincent van Goghs’. Er organisierte sich in Vereinen, Gruppen und Verbänden, und er schloss Freundschaften unter anderem mit Emil Nolde. Der Erfolg war zunächst trotz aller Anstrengung bescheiden.

Vincant van Gogh malte „Fischerboote am Strand von Les Saintes-Marie-de-la-Mer“ im Juni 1888. Foto: dpa

Erst zurück am Niederrhein in seinem Atelier in Oerbroich fand er seinen künstlerischen Weg, der ihn in den Rang eines der bedeutendsten Vertreters des Rheinischen Expressionismus führen sollte. Sein großformatiges Bild „Die Ernte“ brachte ihm die Anerkennung von Henri Matisse. Der beließ es nicht nur bei lobenden Worten, sondern schrieb Nauen einen Brief mit lobendem Inhalt. Nauen verließ Berlin jetzt endgültig und zog mit seiner Frau Marie von Malachowski ins Schloss Dilborn nach Brüggen.

Das Van-Gogh-Gemälde „Blühender Obstgarten, von Zypressen umgeben” vom April 1888, befindet sich Rijksmuseum Kröller-Müller. Foto: dpa

Öffentliche Anerkennung ließ nicht lange auf sich warten. 1914 organisierte der führende Avantgarde-Kunsthändler Alfred Flechtheim die erste Einzelausstellung von Nauen in Düsseldorf. Und die gleich mit seinem Hauptwerk – wie sich natürlich erst später herausstellen sollte – dem heute im Besitz des Krefelder Kaiser Wilhelm Museums befindliche Gemäldezyklus aus sechs großformatigen Bildern für die Burg Drove in Düren.

Vincent van Gogh malte „Eingang zum Park in Arles mit Spazier- gängern“ im Oktober 1888. Foto: dpa

Ehe Nauens Bilder in Frankfurt einem internationalen Publikum präsentiert werden, zeigt das Clemens-Sels-Museum im benachbarten Neuss vom 18. November bis zum 10. März 2019 unter dem Titel „Ihrer Zeit voraus! Heinrich Campendonk, Heinrich Nauen, Johann Thorn Prikker“ eine Werkschau anlässlich des 150. Geburtstags von Prikker. Anhand von mehr als 100 ausgesuchten Kunstwerken – darunter prominente Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen im In- und Ausland – veranschaulicht die Ausstellung das vielfältige und damals höchst umstrittene Schaffen der heute arrivierten Künstler Thorn Prikker, Campendonk und Nauen.

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