Krefeld: Verzweifeltes Hupen mit der Mundharmonika

Krefeld: Verzweifeltes Hupen mit der Mundharmonika

Einen richtig schönen Blues wollten sie mal wieder hören, hatten Fans der Go Music ihrem Gastgeber, Produzenten und Bassisten Martin Engelien erzählt. Und der hatte für den Samstag im Jazzkeller eine Besetzung zusammengestellt, die diesen Wunsch erfüllen sollte. Vor allem "Crazy" Chris Kramer, seit 20 Jahren als Sänger, mit seiner Blues-Harp und seiner akustischen Gitarre unterwegs und schon an der Seite von Walter Trout, Jack Bruce und Bernard Allison aktiv, sollte sein Feeling im Keller glühen lassen. Doch dazu kam er zunächst kaum.

Vor allem Engelien und der Kölner Gitarrist Schrader, u.a. bei Guildo Horns "Orthopädischen Strümpfen" zu Hause, schienen den kurz geratenen letzten Karneval noch verlängern zu wollen, griffen sich nur die oberflächlichsten Klischees des Blues heraus und prügelten sie immer wieder gnadenlos über die Schunkel- und Mitklatschlinie. Der hochgelobte Bene Neuner aus Stuttgart drosch in dazu passender Einfallslosigkeit auf sein Schlagzeug ein, und Kramer hupte auf seiner Mundharmonika herum wie ein verzweifelter Autofahrer im Stau.

Der Titel "Sweet Home Chicago" z.B., so wie er dargeboten wurde, hätte dem von dort stammenden Barack Obama garantiert die Präsidentschaftswahl verhagelt. Nur zwischendurch mal, als die Band plötzlich ganz leise spielte, konnte Kramer zeigen, dass er sich u.a. mit der Kunst von Sonny Boy Williamson beschäftigt hatte. Der Rest war indiskutabel.

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Das zweite Set aber begann Kramer solo – mit einer Slide-Nummer auf seiner akustischen Gitarre, und siehe da: Auf einmal kam doch so etwas wie Blues-Feeling auf. Und als hätte der Rest der Band auf einen solchen Kick nur gewartet, fügten sich nun alle Beteiligten in einen manierlich rollenden Boogie à la Canned Heat.

Was folgte, war eine sowohl tanz- als auch genießbare Blues-Rock-Session, die zwar nicht zu den Krönungsabenden der Go Music zählte, ihre Ehre aber weitgehend wieder herstellte.

(RP)