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Zum Tage: Verworrenes Chaos

Zum Tage : Verworrenes Chaos

Kaum zu glauben! Als Acht-jähriger bin ich früh morgens im Bett aufgesprungen und habe hüpfend voller Freude den neuen Tag begrüßt.

Wie anders heute! Bleischwer tapse ich in die Küche, brühe meinen Kaffee auf und falle erst einmal wieder in den Sessel, um langsam zu mir zu kommen. Ich wage nicht zu denken an die Lasten und Sorgen dieses neuen Tages; ich mache den Fehler und öffne auf meinem Tablet die Facebook-Seite: und schon überfallen mich die ersten Schreckensmeldungen. Breaking News, Fake News, Kriege, Krisen, Verwirrung, Untergangsszenarien in der Welt und in der Kirche...

Endlich - viel zu spät - greife ich zu meinem Brevier (kirchliches Stundengebet) und schon während der ersten Zeilen des uralten Morgenhymnus durchströmt mich ein heilvoller Energiefluss, der mein schweres Morgenherz weitet: "Nacht und Gewölk und Finsternis, / verworrenes Chaos dieser Welt, / entweicht und flieht! Das Licht erscheint, / der Tag erhebt sich: Christus naht."

Die Erfahrung des Beters vor 1600 Jahren, dieselbe Wirklichkeit - gestern - heute - morgen. Sie wird mir zum Trost, zum Halt; sie gibt mir wieder Orientierung..

"Jäh reißt der Erde Dunkel auf, / durchstoßen von der Sonne Strahl, / der Farben Fülle kehrt zurück / im hellen Glanz des Taggestirns.

So soll, was in uns dunkel ist, / was schwer uns auf dem Herzen liegt, / aufbrechen unter deinem Licht / und dir sich öffnen, Herr und Gott."

Ja, Herr, Du mein Licht, mein Fels, mein Leben!

JOACHIM SCHWARZMÜLLER, PFARRER AN ST. JOHANN B., KREFELD

(RP)