1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld: Verständnis für Verkauf von Franziskuskirche

Krefeld : Verständnis für Verkauf von Franziskuskirche

Die Gemeinde bedauert den Schritt, begrüßen aber die Nutzung durch die Russisch-Orthodoxen.

Pfarrer Norbert Lucht hat anlässlich des Neujahrsempfangs am Samstagabend im Pfarrheim St. Elisabeth an der Florastraße bestätigt, dass die Franziskuskirche an der Wielandstraße an die russisch-orthodoxe Kirche verkauft werden soll. Definitiv fest stehe es aber noch nicht, betonte er. Der endgültige Beschluss erfolge erst gegen Mitte/Ende Februar. Es sieht nun aber ganz so aus, als würde sich die Krefelder Pfarrei Heilig Geist von der Franziskuskirche und dem Pfarrheim an der Wielandstraße trennen.

Wichtig ist Lucht und allen anderen Beteiligten in insgesamt vier relevanten Gremien, dass die Kirche, von der man sich auf Geheiß des Bistums Aachens trennen müsse, da sie zukünftig nicht mehr bezuschusst werden könne, nach der Trennung nicht leer stehe. "Die Idee, sie einer anderen christlichen Gemeinde zu übergeben, gefällt mir daher gut", ergänzte Lucht.

Zum Hintergrund: Für die Instandhaltung aller kirchlich genutzten Gebäude im Bistum Aachen ist derzeit von einem Finanzbedarf in Höhe von rund 18 Millionen Euro auszugehen. Aktuell stehen jedoch nur ca. 12 Millionen Euro zu Verfügung. Daher kann das Bistum zukünftig nicht mehr die Instandhaltung aller kirchlich genutzten Gebäude bezuschussen. Das muss nicht unbedingt den Abbau von Gebäudebestand zur Folge haben, denn: Möglicherweise bieten sich den Kirchengemeinden alternative Finanzierungsmodelle für die Instandhaltung der Gebäude. Aber auch Vermietung, Verpachtung oder Verkauf können eine Option sein.

Auch Ralf Horster, Mitglied im Pfarreirat Heilig Geist, würde es begrüßen, wenn es wieder eine christliche Nutzung gibt: "Natürlich verstehe ich aber auch die Trauer und Enttäuschung vieler Gemeindemitglieder, welche teilweise seit Jahrzehnten regelmäßig die Heilige Messe in der Franziskuskirche besucht haben." Diverse Aktivitäten, darunter die Altenstube oder die Übungseinheiten der Pfarrbläser, werde man aber selbstverständlich nicht aufgeben: "Diese Angebote führen wir an anderer Stelle weiter!"

Der Gemeinde Heilig Geist mit ihren rund 10.000 Mitgliedern verbleiben zukünftig noch die Kirchen St. Stephan, St. Antonius und St. Elisabeth. "Da müssen wir enger zusammenrücken. Was jedoch auch ein Vorteil ist", meinte Horster. Gemeindereferentin Anne Hermanns-Dentges ergänzte: "Wir sind ja nicht die einzige Krefelder Gemeinde, der das passiert. Man muss damit leben und umgehen." Dass nun Gespräche mit der russisch-orthodoxen Gemeinde geführt würden, spreche zudem für die große Religionsoffenheit, die in Krefeld schon seit langer Zeit gepflegt werde.

Hört man sich bei den anderen Gemeindemitgliedern um, wird zwar nicht selten Trauer über die Aufgabe der Franziskuskirche laut, aber daneben auch breite Zustimmung für das Ansinnen, sie in andere, ebenfalls christliche Hände zu geben. "Das ist richtig und gut", sagt Gemeindemitglied Irmgard Schmitz. "Wichtig ist, dass Kirche und Pfarrheim zukünftig genutzt werden."

(RP)