Ende einer Ära: Verkehrskadetten stellen nach 40 Jahren ihre Arbeit ein

Ende einer Ära: Verkehrskadetten stellen nach 40 Jahren ihre Arbeit ein

Die gestiegene Ansprüche an Organisation und Sicherheit bei Großveranstaltungen können die Verkehrskadetten nicht mehr erfüllen. Der Nachwuchs fehlt zudem.

Überall dort, wo in den zurückliegenden Jahrzehnten in Krefeld etwas los war, waren sie in ihren orangefarbenen Warnwesten zu sehen - die Verkehrskadetten der Krefelder Verkehrswacht. Keine Großveranstaltung ging ohne die Helfer im Straßenverkehr über die Bühne. "Die Kadetten sind lebende Verkehrszeichen. Zwei bis drei von ihnen ersetzen einen Polizeibeamten", beschrieb der frühere Geschäftsführer Rolf Rönsch die Bedeutung ihres Einsatzes. "Keine Ampel und kein Zebrastreifen ist so sicher wie ein Überweg mit Lotse."

Im Jahr 2018 geht nun eine Ära zu Ende. Nach fast 40 Jahren stellen die Verkehrskadetten den operativen Teil ihrer Tätigkeit ein. Der Grund: Nachwuchsmangel und immer umfangreicher werdende Anforderungen. Vielleicht auch fehlende Unterstützung und mangelnde Anerkennung für den Einsatz der mitunter rund 200 Verkehrskadetten.

"Veranstaltungen im Königpalast und in der Grotenburg, im Karneval, auf der Rennbahn und rund um die Weihnachtsmärkte und Stadtfeste, waren über viele Jahre ohne unsere Kadetten nicht denkbar. Und doch wurde dies in den vergangenen Jahren, zunächst nur vereinzelt, mittlerweile aber aus unserer Sicht viel zu häufig, gängige Realität", berichteten der Vorsitzende Michael Haas und Geschäftsführer Rainer Behrens.

Die Klage vieler Ehrenamtler, dass es leider am Nachwuchs fehle, müsse nun auch von der Verkehrswacht vorgetragen werden. Lange habe der Verein versucht diesem Trend entgegenzuwirken. Er müsse aber feststellen, dass er den zwischenzeitlich auch ständig ansteigenden Ansprüchen an die Organisatoren solcher Veranstaltungen und den daraus geforderten Sicherheitskonzepten, schlussendlich nicht mehr verantwortungsbewusst gerecht werden könne.

Die Krefelder Verkehrswacht hat aus diesem Grund auf Vorschlag des Vorstands in ihrer Jahreshauptversammlung vor wenigen Tagen entschieden, den operativen Teil der Verkehrswachtkadetten zunächst und bis auf weiteres einzustellen. Dieses Tätigkeitsfeld solle aber nicht gänzlich aufgegeben werden. Die Jugendarbeit bleibe ein wichtiges Element der Verkehrswacht. "Nur leider etwas eingeschränkter als von uns gewohnt", erklärte Behrens.

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Seit dem Gründungsjahr 1950 ist die Krefelder Verkehrswacht ein kompetenter Ansprechpartner im Netzwerk der Verkehrssicherheitsarbeit in Krefeld. Viele ehrenamtlich tätige Helfer haben in dieser Zeit dazu beigetragen, dass auf den Straßen in der Stadt weniger Verkehrsunfälle verzeichnet wurden. Weniger Verkehrsunfälle heißt auch stets: weniger Verletzte im Straßenverkehr - weniger Tote.

"Das menschliche Leid, dass mit solchen Ereignissen verbunden ist, wird aus unserer Sicht kaum wahr- und damit allzu häufig hingenommen", berichtete der Geschäftsführer, der als Polizist arbeitet. Die Arbeit der Verkehrswacht sei dadurch gekennzeichnet, dass der Verein die Gefahren und Risiken des Straßenverkehrs im Blickpunkt der Öffentlichkeit halte und durch seine vielfältigen Aktivitäten dazu beitrage, dass die Bürger alle sicherer dahin gelangen, wo sie hin möchten.

Die Verkehrswachtkadetten seien dabei seit fast 40 Jahren intensiv mit den Gefahren und Risiken des Straßenverkehrs vertraut gemacht worden. Sie seien damit auch wichtige Multiplikatoren für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler, manchmal auch Vorbilder gewesen. Ihr Einsatz im öffentlichen Verkehr habe sie darüber hinaus auch zu einem Markenzeichen für die Seidenstadt gemacht, lobte Behrens.

Eine ganz besondere Aufgabe sieht die Verkehrswacht in der Heranführung von Kindern und Jugendlichen an das Thema Sicherheit im Verkehr. Mit dem Engagement in der Initiative Krefelder FAIRKEHR habe der Verein im Verbund mit seinen Partnern bei der Stadt Krefeld und dem Polizeipräsidium Krefeld in den vergangenen Jahren bundesweit Herausragendes zustande gebracht, urteilte der Vorsitzende. Im Zentrum stand immer wieder das Aufklären über die Gefahr des "Toten Winkels". Wie wichtig die Informationen über das "Nicht-gesehen-werden" beim Abbiegen insbesondere bei Lastwagen sind, zeigt ein Unfall vor einigen Tagen, bei dem ein elfjähriges Mädchen gestorben ist. Nach ersten Erkenntnissen wollte ein 58-jähriger Lkw-Fahrer von der Seyffardstraße nach rechts stadteinwärts in die Gladbacher Straße einbiegen. Dort erfasste der Lkw das Mädchen, das zu diesem Zeitpunkt laut Polizei auf der Gladbacher Straße mit dem Fahrrad geradeaus fahren wollte.

(sti)