Serie Kommunalwahlen: Verkehr - vieles geht nur mit Meerbusch

Serie Kommunalwahlen : Verkehr - vieles geht nur mit Meerbusch

Verkehr ist für die Parteien ein wichtiges Thema: Bei den großen Vorhaben wie Eiserner Rhein, Hafenanbindung, weniger Fluglärm, direkter Messe-Anschluss und A 57-Ausbau ist auch der südliche Nachbar Krefelds betroffen.

Krefeld hat in Sachen Verkehr zahlreiche Baustellen zu bearbeiten - einige liegen auf eigenem Stadtgebiet, andere sind nur mit den Nachbarn fertigzustellen. Kommunalverwaltung und Politik sind zum Beispiel in Fragen Fluglärm, Eiserner Rhein, Hafenerschließung und Anbindung ans Netz der Bahn AG gefordert, Allianzen zu schmieden, um im Interesse der Bürgerschaft Ergebnisse zu erzielen. Andere Verbesserungen können sie alleine beschließen.

Die Diagnosen über den Zustand der Straßen und Radwege in Krefeld fallen gar nicht so unterschiedlich aus. Fast alle politischen Parteien sehen den Bedarf, Mängel im innerörtlichen Straßen- und Radwegenetz zu beseitigen und die Elektromobilität sowie Projekte wie Car-Sharing voranzubringen.

Die CDU sieht einen hohen Investitionsbedarf und möchte zuerst die Erneuerung und den Umbau der Philadelphiastraße und der Kölner Straße sowie diverser Radwege ins Visier nehmen.

Die SPD kündigt einen Pakt an, der über Mittel verfügen soll, um über die kommenden Jahre verteilt Straßen, Radweg und öffentliche Gebäude in der Substanz zu erhalten und zu verbessern. Philadelphiastraße und St.-Anton-Straße stehen ganz vorne auf der Prioritätenliste.

Die FDP möchte den Stadtring wiederherstellen und die Bremer Straße ausbauen sowie die B9n (Westumgehung) verwirklichen.

Die Aufstellung eines Generalverkehrsplans kündigt die UWG an, die sich sowohl für den Bau einer Nord- als auch einer Westumgehungsstraße einsetzt.

Die Grünen bemängeln die einseitige Autopolitik der anderen Parteien und treten mit dem Ziel an, den motorisierten Individualverkehr in der Stadt zu reduzieren. Tempo 30 und der Umbau zur radfahrerfreundlichen Stadt stehen dabei im Fokus. Die Krefelder Promenade spielt eine wichtige Rolle.

Dass der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) mangelhaft und zu teuer sei, finden die Linken. Das soll sich ändern, unter anderem mit einem 15 Euro teuren Sozialticket und vielfältigerer Taktung.

Das Sozialticket ist auch für die SPD wichtig (zu einem anderen Preis). Der begonnene Umbau des ÖPNV-Knotenpunkts Ostwall findet keine Zustimmung: Er sei schlecht vorbereitet und falsch geplant.

Die Möglichkeiten des ÖPNV zu nutzen und unter dem Aspekt des demografischen Wandels auch zu verändern, findet die Zustimmung aller. CDU, SPD und FDP bringen ihr Interesse an einer Anbindung von Flughafen und Messe in Düsseldorf ins Spiel. Dort wird eine Rheinquerung für die Linie 081 geplant. Übers Stadtgebiet Meerbusch ließen sich Flughafen und Messe mit der U 76 anbinden. Überhaupt spielt Meerbusch in einigen Fragen eine zentrale Rolle. Die UWG befürwortet Ringbuslinien in Krefeld.

CDU und SPD bringen erneut eine Südanbindung für den Krefelder Hafen ins Gespräch. In der Vergangenheit fühlten sich die Nachbarn brüskiert, weil in Krefeld Lösungen auf Meerbuscher Stadtgebiet entwickelt wurden, ohne mit den Nachbarn in einen Dialog zu treten.

An einem Strang ziehen Krefeld und Meerbusch, wenn es darum geht, eine Betriebsausweitung des Düsseldorfer Flughafens, eine etwaige Aushöhlung der Nachtflugbeschränkungen - sprich zusätzlichen Fluglärm generell - zu verhindern.

Konflikte könnten hingegen beim Bemühen entstehen, den Eisernen Rhein (Schienenverbindung zu den Nordseehäfen) von der historischen Trasse mitten durch Krefeld zu verlegen. Bei der Suchen nach Alternativen bringen SPD, CDU, FDP, UWG aus Krefeld immer wieder Strecken entlang der A 52 oder der A 44 ins Spiel. Alle Alternativen bedeuten Mehrbelastungen für die Anlieger in Meerbusch.

Lärmschutz für die Bürger in Krefeld haben sich SPD, CDU und FDP im Zusammenhang mit dem sechsspurigen Ausbau der Bundesautobahn 57 auf die Fahnen geschrieben. Vor allem die Menschen in Oppum, Bockum, Gartenstadt und Elfrath würden profitieren.

Die SPD vertritt in ihrer Verkehrspolitik die Absicht, die Vernetzung mit der Region voranzutreiben. Dazu zählt neben besagter Anbindung zu Messe und Flughafen in der Landeshauptstadt der Anschluss an das Fahrrad-Autobahn-Netz Nordrhein-Westfalen. Die SPD fordert eine moderne Art der Mobilität.

Die CDU unterscheidet nach den Kriterien dauerhafte, kurz- oder mittelfristige und strategische Aufgaben und setzt ihre Aussagen stets unter den Finanzierungsvorbehalt in Zeiten des Nothaushalts. Vor allem die regional anzustimmenden Projekte seien strategische Ziele. Grundsätzlich will die CDU die Teilnehmer am Verkehr nicht reglementieren. "Daher werfen wir dem Individualverkehr mit dem Pkw keine Stöcke zwischen die Reifen."

Die FDP betont die generelle Notwendigkeit der Kommunalpolitik, bei der Verkehrspolitik über die Stadtgrenzen hinaus planen zu müssen.

Die UWG kritisiert eingefahrene Strukturen in der Politik und den fehlenden Mut für zukunftsweisende Projekte. "Das ist jetzt einmalig am Ostwall geschehen, aber nur weil der Druck aus Wirtschaft und Einzelhandel nichts mehr entgegengesetzt werden konnte."

Die Grünen wollen die Energie- und Klimawende auch im Verkehr durchsetzen, indem sie Lärm und Schmutz des motorisierten Verkehrs eindämmen und den Umweltverbund Bahn-, Bus-, Car-Sharing, Rad- und Fußverkehr attraktiver machen.

Die Linke will eine Fahrpreisexplosion im Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) stoppen und das Schokoticket für Schüler verbilligen. Vor allem in den Abend- und Nachtstunden soll es mehr Linien geben, die auch häufiger in kürzeren Abständen verkehren. Übers Stadtgebiet hinaus soll Krefeld bedarfsgerecht in den deutschen Fernverkehr einbezogen werden.

(RP)
Mehr von RP ONLINE