Krefeld: Verfahren gegen Sektenarzt Hopp nimmt neue Hürde

Krefeld: Verfahren gegen Sektenarzt Hopp nimmt neue Hürde

Das Verfahren gegen den in Krefeld lebenden Arzt der früheren chilenischen Foltersekte Colonia Dignidad, Hartmut Hopp (70), hat eine weitere Hürde genommen. Die baldige Inhaftierung des Mannes, von Medien gestern berichteten, ist dennoch nicht zu erwarten. Es stehen noch mehrere Entscheidungen von Justiz und Politik aus. Hartmut Hopp ist in Chile zu fünf Jahren Haft wegen Beihilfe zum Kindesmissbrauch verurteilt, flüchtete aber 2011 nach Deutschland. Die Chilenen verlangten danach seine Auslieferung; da Deutschland mit Chile aber keine derartigen Abkommen hat, darf Hopp hier bleiben. Die Chilenen willigten dann ein, dass Hopp in Deutschland der Prozess gemacht wird. Wie Axel Stahl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Krefeld, auf Anfrage bestätigte, hat die chilenische Regierung inzwischen ein umfassendes Antwortschreiben an das Bundesjustizministerium gesendet. Auf Basis dieser Antworten könnte nun das chilenische Urteil in Deutschland im Rahmen eines Exequaturverfahrens vollstreckt werden. Die Staatsanwaltschaft will dies prüfen und den Fall dem Landgericht vorlegen.

Sollte das Gericht zu der Entscheidung kommen, dass das Urteil vollstreckt werden kann, muss die Bundesregierung in einem Bewilligungsverfahren entscheiden, ob Hopp inhaftiert wird. Hopp hält sich nach Kenntnisstand der Staatsanwaltschaft immer noch in Krefeld auf. Eine Fluchtgefahr sieht die Staatsanwaltschaft nicht. Außerhalb von Deutschland genieße er nicht mehr den Schutz eines Deutschen bei Zugriff der chilenischen Justiz.

(sep)
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