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Krefeld: Verein plant Neubaugebiet in Citylage

Krefeld : Verein plant Neubaugebiet in Citylage

Der Verein "Nachhaltiges Wohnen" will am Alexanderplatz ein kleines Neubaugebiet errichten. Ausgewählt wurde eine Grünfläche hinter einem ehemaligen Supermarkt. Auch andere Wohnprojekte des Vereins laufen weiter.

Die Pläne des Krefelder Vereins "Nachhaltiges Wohnen" werden konkret. Der 2012 vom Oppumer Arzt Bernd Kaufmann initiierte Verein hat jetzt ein erstes Bauprojekt im Auge. Wie Vereinsmitglied Oliver Mussmann unserer Zeitung berichtete, wird angestrebt, neben dem Alexanderplatz in der südlichen Innenstadt eine Brachfläche hinter einem Gebäude zu entwickeln, das ab 1948 Kino, ab 1971 dann Supermarkt war und das seit zwölf Jahren leer steht. Das Gebäude, derzeit mit Plakaten der Initiative für das Samtweberviertel beklebt, soll abgerissen werden. 3000 Quadratmeter Fläche entstehen. Rund um die Grünfläche sollen dann 14 bis 18 Wohneinheiten mit 50 bis 130 qm Fläche vorhandene Baulücken füllen, in der Mitte eine große rund 1900 Quadratmeter große Grünfläche, die für alle als Garten dienen und auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein soll. "Meine Frau träumt davon, dass dort auch Hühner laufen", berichtet Mussmann.

Angestrebt werden soll der Kauf des Grundstücks, das derzeit einer Erbengemeinschaft gehört, bereits im September. Anfang 2015 schon soll der Baubeginn sein. Die Erbengemeinschaft habe Signale gegeben, das Bauprojekt positiv zu begleiten.

 Links sieht man den Eingang des ehemaligen Kinos/Supermarktes. Das Gebäude soll abgerissen werden, dort soll der Eingang zum neuen Platz entstehen, um den Wohnungen gebaut werden.
Links sieht man den Eingang des ehemaligen Kinos/Supermarktes. Das Gebäude soll abgerissen werden, dort soll der Eingang zum neuen Platz entstehen, um den Wohnungen gebaut werden. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
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Die Initiative "Nachhaltiges Wohnen" war 2012 von einigen Krefeldern gestartet worden, die es sich zum Ziel gesetzt haben, eine Fläche in Krefeld zu entwickeln, auf der eine neue Form des Zusammenlebens möglich ist, mit einer neuen Form der Nachbarschaft, gemeinsamem Kochen, gemeinsamem Kulturprogramm, mit Integration von Menschen mit Behinderung und sozial Schwachen. "Wir haben aber gemerkt, dass einige schneller bauen wollen als andere, einige sich Wohnen in der Innenstadt vorstellen können, während es andere nach draußen zieht", berichtet Bernd Kaufmann.

 Oliver Mussmann (vorne), Richard Grüll (Mitte) und Bernd Kaufmann in der Oppumer Arztpraxis.
Oliver Mussmann (vorne), Richard Grüll (Mitte) und Bernd Kaufmann in der Oppumer Arztpraxis. Foto: T. L.

Er selbst strebt weiter an, eine Art kleines Ökodorf in Krefeld zu errichten, unter dem Projektnamen "Natur pur", mit Streuobstwiese, Tieren auf dem Acker, Kinderspielplatz und viel Grün. Dafür hat er sich bereits eine Fläche in Traar/Verberg ausgeschaut. Diese ist im neuen Flächennutzungsplan schon als Wohnfläche ausgewiesen. Es dauere noch zwei bis fünf Jahre, sagt Kaufmann, der hofft, dass seine Initiative den Zuschlag für diese Fläche erhält.

So lange wollte Familienvater Oliver Mussmann (43) nicht mehr warten. Er startete deshalb sein eigenes Projekt unter dem Dach des Vereins. "Urban trifft Natur" ist der Name. "Die Häuser sollen nur kleine Gärten haben, für alle soll der große öffentliche Platz zur Verfügung stehen. Wir wollen kein Museumsviertel werden, sondern uns im Viertel auch sozial engagieren, Kulturveranstaltungen bieten." Vier Familien aus dem Verein wollen mitmachen, Mussmann sucht also noch weitere Interessenten, die dort bauen wollen. "Ideale Zielgruppe sind junge Familien, aber auch Mehr-Generationen-Wohnen ist möglich."

Eine weitere Gruppe um Mitglied Richard Grüll (65) hat sich entschieden, beim Wohnprojekt Samtweberviertel mitzumachen. "Die Ideen der Montag-Stiftung, die den Lewerentz-Block entwickeln will, greifen viel von dem auf, was wir auch im Verein vorhaben. Wir wollten keinen Alterswohnsitz, sondern irgendwo wohnen, wo Nachbarschaft gelebt wird", sagt Grüll, der betont, dass er mit seiner Frau Mitglied im Verein "Nachhaltiges Wohnen" bleiben will. Mit einem Einzug Anfang 2017 rechnet er.

Kaufmann und seine Mitstreiter hoffen, dass die Politik die Ziele positiv begleitet: "Im Süden, Mannheim, Freiburg, Karlsruhe, gibt es bereits viele solcher Projekte. In unserer Stadt aber sind wir noch nicht so weit", sagt Mussmann. Er wünsche sich noch mehr Unterstützung durch die Politik. Die Initiative hat dazu gelernt. Ursprünglich hieß sie "Ökodorf Krefeld", das habe aber auch Skepsis hervorgerufen. "Wir wollen weg vom Müsli-Image, aber eine ökologische Bauweise bleibt für uns weiter wichtig", sagt Richard Grüll. Immer wieder seien neue Interessenten zur derzeit 18-köpfigen Gruppe hinzugestoßen, andere wieder abgesprungen. "Aber im Kern haben wir uns gefunden."

(RP)