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Verein in Krefeld bemängelt, Naturschutzprojekte bleiben auf der Strecke

Brief an Krefelder Oberbürgermeister : Verein bemängelt, Naturschutzprojekte bleiben auf der Strecke

In einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Frank Meyer schlägt der Naturschutzbund Alarm und listet zahlreiche Vorhaben auf, die nach Engpässen in der Verwaltung nicht realisiert wurden.

Der Naturschutzbund Krefeld und Viersen schlägt Alarm: Der 9000 Mitglieder starke Verein sieht die Zusammenarbeit mit der Stadt Krefeld ernsthaft gefährdet. In einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Frank Meyer appellieren die Leiter  Michael Müller und Klaus Kosmol an den Verwaltungschef, den Fachbereich Umwelt- und Verbraucherschutz personell so auszustatten, dass die jahrzehntelange erfolgreiche Zusammenarbeit weitergeführt werden könne. Nach dem Eindruck der Naturschützer sei in der Verwaltung eine „klaffende Lücke“ entstanden. Vieles bleibe auf der Strecke oder verzögere sich in unzumutbarer Weise. Die Bediensteten arbeiteten am „Kapazitätslimit“, würden aber durch Strukturänderungen gebremst. Der stoppe offensichtlich auch jede Art von Eigeninitiative. der Naturschutzbund bitte dringlich um eine politische Entscheidung, die die aktuell missliche Lage positiv verändere.

Exemplarisch führen die Naturschützer eine Reihe von Beispielen auf, die geeignet erscheinen, die aufgetretenen Mängel  zu belegen. So hätten zum Beispiel im vergangenen Jahr die jungen Wanderfalken mangels Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde nicht beringt werden können. Ferner sei im vorletzten Jahr vom Dezernenten und vom Fachbereichsleiter nach Beschluss im Umweltausschuss die Anlage von zehn öffentlichen Blühflächen zugesagt (ursprünglich hatte der Nabu 50 und mehr vorgeschlagen). In diesem Jahr sei die Zahl auf drei reduziert worden. „Keine von diesen wurde bisher realisiert“, erklären Müller und Kosmol. Im vergangenen Sommer bewilligte Mittel für den Ausbau eines Fledermausbunkers hätten wegen einer Verzögerung der Auftragsvergabe auf einen späteren Zeitpunkt  übertragen werden müssen.

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Die Greifvogelpflegerin warte seit Monaten auf die Genehmigung ihrer Auswilderungsvolieren, um die aus Altersgründen vom Vorgänger aufgegebene Arbeit im Greifvogelschutz fortzusetzen.

Die Mängelliste des Naturschutzbundes ist noch länger: So habe die Landesentwicklungsgesellschaft LEG 2015 das Abschalten der Pumpen am Rislerdyk angekündigt. Bezüglich der Auswirkungen auf die Naturschutzgebiete „Niepkuhlen“ und „Riethbenden“ gebe es bis heute kein Konzept. Der Krefelder Nabu vermisse zum anderen die Fortführung der vor der Umstrukturierung vom Fachbereich ausgeübten Praxis, eigenständig initiierte Naturschutzmaßnahmen durchzuführen. Dazu zählten die Aufwertung der Flächen am Egelsberg, die teilweise Renaturierung des Flöthbaches, die Schaffung zahlreicher Kleingewässer und einiges mehr.

Der Krefelder Entomologische Verein habe in Krefelder Naturschutzgebieten einen dramatischen Insektenschwund aufgedeckt und damit weltweite Aufmerksamkeit gefunden. Nach Auffassung des Nabu ergeben sich auf diesem Gebiet besondere Herausforderungen für den Krefelder Naturschutz, darunter Maßnahmen zum Eindämmen der nachteiligen Einflüsse intensiver Landwirtschaft auf die Naturschutzgebiete sowie die Entwicklung von insektenfreundlichen Blüh- und Grünflächen innerhalb und außerhalb des Siedlungsbereichs. Dies sei im Umweltausschuss und bei runden Tischen zwar breit diskutiert worden, danach seitens der Stadtverwaltung aber nicht weiter verfolgt.

Krefeld sei darüber hinaus seit langem Mitglied im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“. Ein entsprechendes Biodiversitätskonzept stehe bislang aus und die Verwaltung sehe sich nicht im Stande, ein solches zu entwickeln, kritisieren die Naturschützer.