1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld: Verdis 40-Millionen-Angebot

Krefeld : Verdis 40-Millionen-Angebot

Die Gewerkschaft will sich fürs finanziell angeschlagene Klinikum engagieren. Die Mitarbeiter sollen von 2008 bis 2012 auf 40 Millionen Euro verzichten. Voraussetzung: Das Klinikum bleibt in kommunaler Hand.

Von 10 Uhr morgens bis 21 Uhr am Abend haben sie verhandelt, dann stand das Eckpunktepapier zum so genannten Zukunftssicherungsvertrag. Die Gewerkschaft Verdi macht der Stadt Krefeld als Betreiberin des hoch defizitären Klinikums ein weit reichendes Angebot. "Die Mitarbeiter des Klinikums bieten darin an, von 2008 bis 2012 auf 40 Millionen Euro zu verzichten", erklärte die Vorsitzende des Verdi-Bezirks Linker Niederrhein, Mechthild Schratz. Wie genau die Summe zusammengespart werden soll — beispielsweise durch Verzicht aufs Weihnachtsgeld oder übertarifliche Zulagen —, geht aus dem Papier nicht hervor. "Das wäre dann in den Tarifverhandlungen selbst zu klären", erläutert Schratz. Sie sieht das mit dem kommunalen Arbeitgeberverband ausgehandelte Papier als "eine enorme Vorleistung".

"Gilt auch für Chefärzte"

Eine Vorleistung, für die die Gewerkschaft Gegenleistungen verlangt. Zum Beispiel, dass auch sämtliche Chefärzte den Verzicht auf Sonderleistungen mitmachen. Und dass eine Job-Garantie gegeben wird. Die wohl wichtigste Bedingung: "Dieses Eckpunktepapier gilt nur, wenn ein kommunaler Träger das Klinikum betreibt", erklärt Schratz. Mit den Kliniken der Stadt Köln ist ein kommunaler Träger im Rennen — neben den privaten Klinikbetreibern Sana und Helios.

In der Krefelder Politik stieß das ungewöhnliche Angebot auf ein geteiltes Echo. "Ich erwarte jetzt von der Stadtspitze und der politischen Mehrheit, dass sie auf das Angebot der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eingehen", sagte Mechthild Staudenmeier, stellvertretende Vorsitzende des Klinikum-Aufsichtsrats (Bündnis90/Grüne). Zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag entstünden damit Einsparungen für das Klinikum von jährlich über zehn Millionen Euro. Staudenmeier: "Mit ihrem Einverständnis zu schmerzhaften Einbußen haben die Beschäftigten eindrucksvoll gezeigt, wie sehr ihnen die Zukunft ihres Klinikums und ihrer Arbeitsplätze am Herzen liegen."

CDU/FDP: ZurückhaltendeReaktion

Reservierter reagierte das Aufsichtsratsmitglied Hans-Jürgen Brockers (CDU): "Auch wenn von Verdi für nächstes Jahr die Einsparungen in Aussicht gestellt werden — das Defizit ist ja dieses Jahr schon da." Der FDP-Vorsitzende Joachim C. Heitmann erklärte: "Allein mit den behaupteten 40 Millionen wird man es nicht reißen können." Im Grunde sei die entscheidende Frage, ob die Verdi-Offerte rechtlich als Bestandteil des Angebots der Städtischen Kliniken Köln zu betrachten sei. "Zudem: Verdi vertritt mit seiner Position nicht alle Beschäftigten."

(RP)