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Krefeld: US-Firma kauft Testlabor - eine Erfolgstory

Krefeld : US-Firma kauft Testlabor - eine Erfolgstory

Als Bayer im Jahr 2009 sein Thermoplastic Test Center (TTC) in Uerdingen veräußerte, waren die Mitarbeiter äußerst skeptisch. Ohne den Verkauf gäbe es die Tätigkeit am Standort Chempark heute nicht mehr, sagt Thorsten Niklas, Betriebsleiter der Underwriters Laboratories, wie das Unternehmen heute heißt.

Die guten Eigenschaften von Verkäufer und Käufer vereint Underwriters Laboratories (UL) in seinem Testlabor (Thermoplastics Testing Center) im Chempark Uerdingen. Das Fachwissen von Bayer Material Science über Kunststoffe und die Fähigkeit des US-Riesen Underwriters Laboratories zur Zertifizierung ergänzten sich perfekt, erklärte UL-Geschäftsführer Thorsten Niklas.

Mit 65 Fachkräften habe sich der Betrieb 2009 auch für den Markt geöffnet. "Wir haben nicht mehr nur für Bayer, sondern für die ganze Branche getestet und die Sicherheit der Produkte mit unserem UL-Zeichen zertifiziert", berichtete Niklas. Inzwischen beschäftigt UL gut 100 Mitarbeiter. Der Umsatz sei über die rund sieben Jahre im gleichen Maße gewachsen.

Thomas Niklas, Geschäftsführer Underwriters Laboratories in Uerdingen. Foto: Lammertz Thomas

Underwriters Laboratories beschäftigt weltweit etwa 12.000 Mitarbeiter und ist an 143 Standort rund um den Globus präsent. "Wir fühlen uns hier als echtes Krefelder Unternehmen", gibt Niklas die Gefühlslage wieder.

In den Laboren in Uerdingen werden Kunststoffe nach Kundenwünschen hergestellt. Aus dem Granulat werden zunächst genormte Testkörper. Mit deren Hilfe untersuchen die Experten die Eigenschaften des Materials. Wie ist es um die Farbechtheit bestellt? Wie zäh ist es? Entstehen beim Zerbersten scharfkantige Flächen? Wie sieht es um die Brennbarkeit aus?

Auf dem Foto wird die Brennbarkeit eines Kunststoffmusters getestet und die Zeit gemessen, bis es Feuer fängt. Foto: Lammertz Thomas

Beim Jahresmediengespräch im Uerdinger Chempark stellte Geschäftsführer Thorsten Niklas sein Unternehmen vor. Das UL-Prüfzeichen sei eines der bekanntesten Zertifizierungszeichen der Welt und vermutlich in jedem Krefelder Haushalt zu finden. Jährlich erscheine das Prüfzeichen auf über 22 Milliarden verschiedenen Produkten aus den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen, unter anderem auf Haushaltsgeräten, wie elektrischen Zahnbürsten, Laptops, Bügeleisen, Staubsaugern und modernen Freizeitartikeln wie Hoverboards.

Das Thermoplastics Testing Center in Krefeld sei ein weltweit führender Anbieter für Prüfung und Zertifizierung von innovativen Kunststoffen. Das akkreditierte Prüflabor bietet 500, größtenteils voll automatisierte Prüfungen von einfachen und Hochleistungskunststoffen an. Dabei ist die Brandprüfung eins der Kerngeschäfte. Deshalb werden im Testlabor Kunststoffe, aus denen zum Beispiel Gehäusen von Monitoren, Fernsehern oder Laptops hergestellt werden, in Brand gesetzt, um das Brandverhalten zu bewerten. Ziel dabei ist es, Wohn- und Arbeitsumgebungen sicherer zu machen.

Das Standbild zeigt den Moment, in dem das Kunststoffmuster den Zugkräften nachgibt und zerbirst. Foto: Lammertz Thomas

In den vergangenen Jahren wurde das Prüfspektrum des Testlabors am Rhein deutlich erweitert. Schwerpunkt sei dabei die Automobilindustrie. Für deren spezifische Anforderungen seien am Standort mehr als eine Million Euro investiert worden, informierte Niklas. Dabei gehe es im Besonderen um die Prüfung von Kunststoffen im Automobilbereich, welche später im Fahrzeuginnenraum oder unter der Motorhaube zu finden sind.

(sti)