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Unwetter NRW: Krefeld erlebt Überflutungen von Straßen und Keller durch Starkregen

Starkregen und Überflutungen : Schon wieder „Land unter“ in Krefeld

Der anhaltende, teils sehr starke Regen hat in Krefeld diesmal nur wenig Schaden angerichtet. Andere waren schlimmer dran: Die Krefelder Feuerwehr half den Kollegen in Mettmann mit 120 Leuten.

Auch wenn die Regenfälle in Krefeld nicht so stark waren wie beim jüngsten Starkregen, kam es auch am Mittwoch zu einzelnen Überflutungen von Straßen und Kellern. Bis zum Nachmittag, als der Regen nachließ, wurde die Feuerwehr im Krefelder Stadtgebiet zu elf Einsätze aufgrund vollgelaufener Keller gerufen. Zu den größten Herausforderungen gehörte eine Tiefgarage an der Sprödentalstraße, die aufgrund ihrer Größe Einsatzschwerpunkt war, teile die Weht mit.

 Das Wasser lief in einem Haus an der Sprödentalstraße wie ein Bach die Kellertreppe hinab.
Das Wasser lief in einem Haus an der Sprödentalstraße wie ein Bach die Kellertreppe hinab. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Andernorts aber ging sprichwörtlich die Welt unter. So erging schon am Mittwochmorgen gegen 10.30 Uhr von der landesweiten Alarmierungsstelle gemäß Landeskonzept NRW ein Hilferuf auch nach Krefeld mit der Bitte um überregionale Unterstützung. Die Einsatzkräfte aus Krefeld wurden als Teil einer überregionalen Bereitschaft mit Kräften aus Viersen und Mönchengladbach gemeinsam gegen 16.30 Uhr in den Kreis Mettmann entsendet. Dort ist aktuell insbesondere die Stadt Erkrath von starken Regenfällen extrem betroffen. Insgesamt machten sich 25 Einsatzfahrzeuge mit 120 Feuerwehreinsatzkräften unter Führung der Feuerwehr Krefeld im Verband auf den Weg in den Kreis Mettmann. Der Einsatz war zunächst auf zumindest acht Stunden ausgelegt. „Die gesamte Einsatzdauer hängt allerdings maßgeblich von der Intensität der zu erwartenden Regenfällen ab“, erklärte ein Sprecher der Feuerwehr.

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Parallel dazu waren alle Einheiten der Freiwilligen Feuerwehren im Krefelder Stadtgebiet in Alarmbereitschaft versetzt. Die Gerätehäuser waren vorsorglich von de freiwilligen Kräften besetzt, um sofort ausrücken zu können.

 Auch die Fahrbahn der St.-Anton-Straße stand unter Wasser.
Auch die Fahrbahn der St.-Anton-Straße stand unter Wasser. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Dass Krefeld glimpflich davonkommen würde, war den Fachleuten im Kommunalbetrieb Krefeld früh klar. Landregen wie der von Mittwoch sei gut für das Kanalsystem und die Regenrückhaltebecken zu verkraften, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Das Problem bei Starkregen sei ohnehin nur zum Teil die Aufnahmekapazität von Kanälen und Becken. „Bei den Wassermassen, die beim jüngsten Starkregen ’runtergekommen sind, fließt das Wasser über alle Kanalöffnungen rasend schnell hinweg und kommt gar nicht erst in den Kanal; so werden dann Straßen überflutet“, erläutert er, „da können Kanäle und Rückhaltebecken, so groß sein, wie sie wollen.“ Daher seien größere Kanäle oder Regenrückhaltebecken nicht automatisch die Lösung gegen Überflutungen. 

Zeitgleich zum gestrigen Regentag lieferte das Thema Starkregen und Überflutung politischen Diskussionsstoff. Die Krefelder Verwaltung laufe mit Teilen der Politik oftmals dem Zeitgeist hinterher, meinte die FDP. „Themen kommen erst auf die Agenda, wenn sie gleichsam in Mode sind“, kritisierte Joachim C. Heitmann, Fraktionsvorsitzender der FDP-Fraktion im Rat der Stadt Krefeld. Bestes Beispiel für seine These lieferten die aktuellen Starkregen und die Äußerungen aus Rat und Kommunalbetrieb Krefeld.

 Feuerwehreinsatz: Ein Keller an der Sprödentalstraße ist vollgelaufen.
Feuerwehreinsatz: Ein Keller an der Sprödentalstraße ist vollgelaufen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die FDP hingegen habe bereits im April 2015 einen Antrag gestellt, die Verwaltung möge eine Handlungsstrategie zum Umgang mit Starkregen entwickeln. Anlass war, dass sich bereits damals – auch in Krefeld – Starkregenereignisses mit schweren Überschwemmungen und Sachschaden häuften. Die FDP-Fraktion regte deshalb eine „Implementierung einer nachhaltigen Niederschlagswasserbewirtschaftung im Bebauungsplanverfahren“ an. Weiterhin sprach sie sich damals für die Erweiterung der technischen Einrichtungen des städtischen Abwasserbetriebes und der Feuerwehr zur Katastrophenabwehr sowie Informationen für Betroffene aus.

„Die weitere Behandlung dieses Antrages ist ein schönes Beispiel dafür, wie Themen in Krefeld behandelt werden, die noch nicht politisch in Mode sind“, sagte Heitmann am Mittwoch. Vom damaligen Ausschuss für Umwelt, Energie, Ver- und Entsorgung und Landwirtschaft sei der Antrag in den damaligen Entwässerungsausschuss gewandert, der nach Gründung des Kommunalbetriebs Krefeld (KBK) in dessen Verwaltungsrat aufgegangen sei. „Seitdem wechseln sich Hitzeperioden mit hohen Temperaturen ab mit Perioden mit hohem Niederschlag. „Zurzeit laufen in Krefeld wieder Keller und Grundstücke mit Wasser voll. Wir regen deshalb noch einmal an, sich bei der Aufstellung neuer Bebauungspläne mit diesem Thema zu befassen“, so die FDP.