Riesensolidaritätsaktion in Krefeld Kran-Führer erhalten Kündigung nach Unglücksfall

Krefeld · Zwei langjährige Mitarbeiter von Outokumpu Nirosta haben die fristlose Kündigung erhalten. Sie sollen die Schuld an einem Unglücksfall tragen, bei dem ein Kran einen hohen Sachschaden verursacht hat. Die beiden erfahren aus der Belegschaft eine Riesenwelle der Solidarität. Mehr als 300 Kollegen haben die Forderung, die Kündigungen zurückzunehmen, unterschrieben.

 Mehr als 300 Beschäftigten haben einen Appell an die Geschäftsführung von Outokumpu unterschrieben.

Mehr als 300 Beschäftigten haben einen Appell an die Geschäftsführung von Outokumpu unterschrieben.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Am Mittwoch, 6. Mai, will die Konzernleitung des finnischen Stahlproduzenten Outokumpu seine Geschäftszahlen für das erste Quartal dieses Jahres veröffentlichen. Das Interesse an der Entwicklung des Unternehmens in Krisenzeiten der Branche wird von der Belegschaft stets mit großem Interesse verfolgt. Im Moment rücken die Angaben über Umsätze und Auftragsvolumen in Krefeld etwas in den Hintergrund. Stattdessen beschäftigt die Mitarbeiter das Schicksal von zwei langjährigen Kollegen. Ihnen wurde fristlos gekündigt.

Sie sollen die Verantwortung für einen Unglücksfall tragen, bei dem mit einem 30-Tonnen-Lastkran ein hoher Sachschaden entstanden ist. Angeblich sei der Greifer des ferngesteuerten Lastkrans nicht nach oben gefahren gewesen, als der Kran an der Hallendecke entlang fuhr. Der Greifer habe mindestens zwei Maschinen stark beschädigt. Der Sachschaden solle sich auf mehrere Hunderttausend Euro belaufen, berichtete ein Mitarbeiter im Gespräch mit unserer Redaktion.

Einen offenen Brief an die Geschäftsführung von Outokumpu Nirosta haben nach Angaben auf einem Aushang der IG Metall mehr als 300 Kollegen unterschrieben. Sie seien solidarisch und drückten damit ihr Unverständnis aus, wie unverhältnismäßig sie die Kündigungen fänden, heißt es. Die Vertrauenskörperleitung habe die Unterschriftenliste entgegengenommen und an die Geschäftsführung überreicht.

 Der Lastkran auf dem Foto zeigt symbolisch ein Modell, mit dem sich der Unfall bei Outokumpu ereignet haben könnte.

Der Lastkran auf dem Foto zeigt symbolisch ein Modell, mit dem sich der Unfall bei Outokumpu ereignet haben könnte.

Foto: Gabriel, Werner (wga)/Gabriel, Werner

Auf Fragen unserer Redaktion hinsichtlich Schadenshöhe, Versicherungsumfang und Kündigungsgrund teilte eine Sprecherin am Donnerstag mit, dass es sich dabei „um eine interne Angelegenheit des Unternehmens handelt, die wir – wie generell alle internen Themen – nicht gegenüber Außenstehenden kommentieren“.

Der eindringliche Appell der Kollegen blieb im Ergebnis ungehört. Sie hatten unter anderem darauf aufmerksam gemacht, dass mit den Kündigungen auch die Kinder, Partner und zu pflegenden Eltern getroffen würden. „Sie sollten die sozialen Aspekte nicht aus den Augen lassen“, heißt es in dem Appell wörtlich. Beide seien „sehr zuverlässige und vertrauenswürdige Kollegen“ mit langjähriger Erfahrung als Materialbereitsteller und Kranführer sowie als vorgesetzter Koordinator im Verpackungssektor. Sie seien „stets pünktlich, vorbildlich und Teamplayer“, hätten sich nie etwas zu Schulden kommen lassen und seien auf allen Schichten gerne gesehen. Sie hätten darüber hinaus das Thema Arbeitssicherheit nie aus den Augen verloren. „Wir möchten Sie bitten, die Kündigungen zurückzunehmen. Jeder hat das Recht, ein zweite Chance zu erhalten.“

Das sieht die Geschäftsleitung offenbar anders. Der Grund könnte in der ersten Reaktion der beiden nach dem Kran-Unfall begründet liegen. In Anbetracht des Schadens sollen die beiden nach Ausflüchten im Sinne von „der Kran habe sich selbstständig gemacht“ gesucht haben. Das Unternehmen soll daraufhin einen Sachverständigen beauftragt haben, den Dingen auf den Grund zu gehen. Der habe die Schilderung der Betroffenen nicht bestätigen können, heißt es. Sie haben die Fernbedienung vermutlich versehentlich fehlgesteuert, glauben Kollegen.

In dem Appell an die Geschäftsführung heißt es dazu, die Kündigungen seien unverhältnismäßig. Vielmehr solle der Arbeitgeber „eine technische Maßnahme ergreifen, um solche Unglücke zu vermeiden“. Als Zeichen des Zusammenhalts bieten die Mitarbeiter der Schicht 4 in der Adjustage an, sich in irgendeiner Art an der Beseitigung des Schadens zu beteiligen.

Mitarbeiter von Outokumpu gehen davon aus, dass der Fall wohl vor dem Arbeitsgericht in Krefeld geklärt werden müsse. Dort hatte sich das Unternehmen zuletzt häufiger mit Beschäftigten auseinandergesetzt.