19-Jähriger in Neuseeland vermisst: "Ungewissheit und Hilflosigkeit" bei Krefelder Familie

19-Jähriger in Neuseeland vermisst : "Ungewissheit und Hilflosigkeit" bei Krefelder Familie

Seit dem 25. Februar wird der 19-jährige Christian Prehn in den neuseeländischen Alpen vermisst. Am Dienstag konnte wegen schlechten Wetters erneut nicht nach ihm gesucht werden. Seine Familie ist in großer Sorge.

Die neuseeländische Polizei sucht nach einem 19 Jahre alten Mann aus Krefeld. Christian Prehn werde seit dem 25. Februar in den neuseeländischen Alpen vermisst, teilten die dortigen Behörden am Montag mit. Prehn hält sich seit Oktober 2013 mit einem einjährigen Touristenvisum in Neuseeland auf, er befand sich vor seinem Verschwinden auf einer Wanderung im Nelson Lakes National Park.

Seit dem 25. Februar gilt der 19-Jährige als vermisst

Am Freitag wurden die in Bockum an der Wilhelmshofallee lebenden Eltern von Prehn darüber informiert, dass ihr Sohn als verschwunden gilt. Sein Rucksack mit dem Logo der Krefeld Pinguine war gefunden worden. Die Polizei setzt wegen des Schneefalls (am Montag waren dort etwa acht Zentimeter Neuschnee gefallen) und der schlechten Wetterbedingungen mit eisigem Wind neben drei Boden-Suchtrupps auch Hubschrauber und Polizeihunde ein. Aufgrund der Witterung wurde die Suche am Montag aber erst einmal einstellt. Auch am Dienstag war das Wetter zu schlecht (Neuseeland ist uns zwölf Stunden voraus).

In der Gegend um "Travers Saddle", wo er vermutet wird, herrschen Dienstagnacht (Ortsnacht) Temperaturen von bis zu minus sieben Grad und Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern.

Christian Prehn als Saxofonspieler — auf einem Bild von 2011. Foto: Theater

So bald wie möglich soll die Suche fortgesetzt werden. Nähere Informationen erhofft man sich von einer Deutschen, die mit ihm zuletzt gemeinsam eine Wanderhütte in den Bergen geteilt haben soll, teilten die Behörden mit.

Polizei geht davon aus, dass Prehn vom Weg abkam

Die Neuseeländischen Alpen im Süden des Landes sind ein 360 Kilometer langes Faltengebirge mit einer Kernhöhe von 1500 Metern. Mehrere 3000er-Berge gibt es dort, von denen der höchste Berg der Mount Cook mit 3724 Metern ist. Ähnlich wie die europäischen Alpen sind sie teilweise vergletschert, mit Wäldern überzogen. In Neuseeland ist gerade Herbst.

Bei der Familie in Krefeld — Christian Prehn hat einen Bruder — ist die Sorge groß. "Freitag kam die erste Nachricht von der Polizei, seitdem sind wir in ständigem Kontakt", sagte Vater Jens Prehn am Montag unserer Zeitung. Die Polizei, so berichtet Vater Prehn, gehe davon aus, dass der Sohn den Rucksack abgestellt und dann wohl aus irgendeinem Grund vom Weg abgekommen ist. Dafür spricht, dass sich in seinem Rucksack Lebensmittelvorräte befunden haben sollen — eine Kamera, die Prehn bei sich geführt haben soll, war bei den Fundstücken nicht dabei. "Es fehlt jede Spur", sagt der Vater. "Wir haben über den Facebook-Account bereits Kontakt zu vielen Leuten aufgenommen, mit denen Christian gewandert ist. Mitwanderer haben es auch schon auf Yahoo gepostet. Da ist eine Welle der Hilfsbereitschaft."

2013 am Gymnasium Fabritianum Abitur gemacht

Ungewissheit und Hilflosigkeit verspüre er, sagt der Vater. Die Familie beratschlage derzeit, ob es sinnvoll ist, dass einer runter fliegt. Der Police Officer aus Neuseeland habe schon angefragt, ob einer der Familienangehörigen nach Neuseeland fliegen wolle. Am 22. Februar hatte die Familie zuletzt zu Christian Prehn Kontakt per Telefon. "Er sagte, dass er sich sehr wohl fühle." Es habe auch keine Anzeichen gegeben, dass der Sohn aussteigen wolle, sagte der Vater. Der Sohn habe bereits Zukunftspläne für die Zeit nach dem Neuseeland-Trip gefasst. "Er wollte eine Lehre zum Schiffsmechaniker machen und dann Nautik studieren."

Christian Prehn besuchte bis zum Abitur 2013 in Uerdingen das Gymnasium Fabritianum und spielte Saxofon in der Gruppe Multiphonic der Krefelder Musikschule, ist auch Preisträger von "Jugend musiziert". Jetzt will er ein Jahr in Neuseeland trampen. Er hatte sich laut Vater ein Auto dort gekauft, war immer wieder mit dem Auto unterwegs und wollte einzelne Fußmärsche einstreuen.

(RP)
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