Umweltschutz Landwirte und Naturschützer: Gemeinsam für den Kiebitz

Krefeld · Zum Schutz des Kiebitzes arbeiten Landwirte und Naturschützer Hand in Hand. Der Aufwand lohnt sich, Bruterfolge sind feststellbar.

 Im Jahr 2002 gab es noch 70 bekannte Brutpaare in Krefeld.

Im Jahr 2002 gab es noch 70 bekannte Brutpaare in Krefeld.

Foto: Veronika Huisman-Fiegen

Toni Geurden steht an seinem Feld und blickt auf die Reihe von Furchen und Wällen, in denen er Kartoffeln gepflanzt hat. Es ist eigentlich ein normaler Acker, wie es so viele am Niederrhein gibt. Eigentlich. An fünf Stellen ragen rote Stangen aus der ansonsten kahlen Fläche. „Dort sind Kiebitz-Gelege“, erläutert der Landwirt. Die Vögel machte er aus, als er mit den Vorbereitungen begann. „Die Nester selbst sind kaum zu sehen. Darum habe ich Herrn Schages kontaktiert“, sagt Geurden.

Jochen Schages von der Biologischen Station arbeitet am Schutz der immer weiter in Bedrängnis geratenden Watvögel. „In den 90er Jahren hatten wir noch rund um Krefeld Brutpaare. Heute beschränkt sich das auf nur zwei Stellen: Am Elfrather See und an der Kempener Platte“, erzählt der Experte. Gemeinsam mit Naturschutzwächterin Veronika Huisman-Fiegen beobachtete er das Feld und machte fünf Gelege aus. „Die haben wir markiert. Zur Bearbeitung des Feldes haben wir dann das ganze Gelege nebst Boden mit einer Schaufel aufgenommen und nachher wieder zurückgesetzt“, erzählt Geurden. „Das macht dem Kiebitz gar nichts. Die Nester müssen nur wieder dicht neben der ursprünglichen Stelle wieder zur Ruhe kommen“, erläutert Schages.

Die Stangen markieren nun die Nistplätze. „Natürlich ist das zusätzlicher Aufwand. Aber das ist es uns wert. Bei vielen Menschen haben wir Landwirte ja einen schlechten Ruf. Dabei leben wir ganz unmittelbar von und mit der Natur und haben ein elementares Interesse daran, dass sie erhalten wird“, betont Geurden. Er betreibt diesen Aufwand bereits seit einigen Jahren. Die Kiebitze kommen stets wieder in dieses Gebiet zurück. „Sie lernen auch. Wenn sie an einer Stelle erfolgreich gebrütet haben, dann wählen sie diesen Ort gern wieder aus“, erzählt Schages.

Vier Eier legen die Tiere normalerweise bei der ersten Brut. „Wird das Gelege zerstört, nisten sie bis zu dreimal neu. Dann sind es aber meist nur noch zwei bis drei Eier“, sagt Huisman-Fiegen. Nach der Brutzeit schlüpfen die Küken und machen sich mit der Mutter auf den Weg. „Wie Enten oder Hühner sind Kiebitze Nestflüchter. Sie fressen Insekten oder Körner und haben einen großen Aktionsradius“, weiß Schages zu berichten und Huisman-Fiegen fügt hinzu: „Da kommt es dann auch mal zu dramatischen Szenen, wenn sie die Straßen überqueren und riesige Autos auf die winzigen Küken zufahren. Sie tun sich auch schwer damit, kleine Grünstreifen zu überqueren. Bisher ist aber immer alles gutgegangen.“

Kiebitze sind Watvögel und brüten eigentlich auf Feuchtwiesen. Diese gingen aber in der immer intensiveren Landnutzung stetig zurück, so dass der Kiebitz Felder für sich entdeckte. „Sie lieben weite, gut einsehbare Flächen mit wenig Bewuchs. Felder sind ideal. Bedroht werden sie, neben dem Menschen, vor allem durch Füchse und Feinde aus der Luft wie Krähen. Gegen die verteidigen die Elterntiere sich gemeinsam. Darum ist es vorteilhaft, wenn viele Gelege dicht beieinander sind“, sagt Schages.

„Die Premiumlage für Kiebitze ist deshalb die Insel im Elfrather See. Füchse kommen nicht dort hin und gegen Flugfeinde verteidigen sie sich gemeinsam mit den dort ebenfalls brütenden Gänsen und anderen Vögeln. Aber mehr als vier Brutpaare passen dort leider nicht hin“, sagt Huismann-Fiegen. Darum sei es umso wichtiger, andere Gebiete so attraktiv wie möglich zu gestalten. Davon profitiert nicht nur der Kiebitz, sondern auch andere Arten wie die Feldlerche.

Geurden ist nicht der einzige Landwirt, dessen Felder bebrütet werden. Der Nachbar lässt das seine zunächst brach liegen. „Dafür gibt es dann Zuschüsse. Die Felder dürfen erst im Juni bewirtschaftet werden“, erzählt Schages. „Das geht aber nicht immer. Hier wird Gemüse angebaut. Das geht auch später. Wenn ich erst im Juni beginnen würde, wäre das ganze Jahr verloren. Und das auf einem großen Teil meiner Flächen. Das geht einfach nicht“, erläutert Geurden.

 2015 ging die Zahl auf 18 Paare zurück.

2015 ging die Zahl auf 18 Paare zurück.

Foto: Veronika Huisman-Fiegen
 Der Kiebitz ist in ganz Eurasien verbreitet. Seine Bestände gehen aber stark zurück.

Der Kiebitz ist in ganz Eurasien verbreitet. Seine Bestände gehen aber stark zurück.

Foto: NN

Beide Wege jedoch führen zum Ziel: Der Kiebitz fühlt sich wohl und brütet erfolgreich. Ziel ist, ihn weiter zu etablieren, damit er vielleicht in einigen Jahren wieder in ganz Krefeld verbreitet ist. Der Vogel des Jahres 1996 ist, so hoffen die Naturschützer, langsam wieder auf dem Vormarsch und mit ihm auch andere Arten wie etwa die Feldlerche, der Vogel des Jahres 2019.

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