Unsere Bundestagskandidaten: Ulle Schauws - Politik gegen die Stromlinie

Unsere Bundestagskandidaten: Ulle Schauws - Politik gegen die Stromlinie

Die Krefelder Grüne hat gute Chancen, in den Bundestag einzuziehen. Kraft schöpft sie im eigenen Garten.

Ihr Garten ist einer Grünen würdig: Ulle Schauws, mit Listenplatz 13 versehene, aussichtsreiche Bundestagskandidatin der Grünen im Wahlkreis Krefeld-Nord, hat ihn gemeinsam mit ihrer Partnerin Marita Baums nach Kauf des Hauses an der Tenderingstraße im Nordwestbezirk von einem Wohnzimmer — in einen leicht verwildert anmutenden Garten umgestaltet. Hier wachsen in wucherndem Grün alle Arten heimischer Blumen von Lichtnelken bis zu Distelgewächsen. "Im privaten Umfeld mag ich nichts Perfektionistisches", sagt die 1966 in Hüls geborene Bauerntochter.

Auch ihr beruflicher Werdegang ist nach dem Studium der Medienwissenschaften und einer Zusatzausbildung in Film- und Medienmanagement nicht stromlinienförmig verlaufen: Nach fünfjähriger Tätigkeit in der Film- und Fernseh-Produktion in einer freien Firma (unter anderem für die Actionserie "Alarm für Cobra 11") war sie — unterbrochen von Arbeitslosigkeit — für einen Bildungsträger in Bonn tätig. Anschließend arbeitete sie im SOS-Kinderdorf Niederrhein in der Arbeitsvermittlung von Hartz IV-Empfängern, wo sie auch ein Berufsorientierungsprojekt für Förderschüler aufbaute. "Einen meiner Lieblingsjobs habe ich anderthalb Jahre beim CD-Laden Symphon an der Petersstraße gemacht", sagt Ulle Schauws. Vor vier Jahren wurde sie als Fraktionsgeschäftsführerin von den Krefelder Grünen eingestellt, denen sie 2002 beigetreten war. Für die reisefreudige 47-Jährige, die auch längerfristig in Neuseeland, Australien und Südkorea unterwegs war, ist ihr achtmonatiger Aufenthalt im Rahmen ihres Studiums in Glasgow sehr prägend gewesen. "Das war ein völlig anderes Leben in einer Umgebung, die nicht gerade von Reichtum geprägt war; ich habe selten so offene, hilfsbereite Menschen getroffen wie dort", sagt die Politikerin, die dort in einer internationalen Wohngemeinschaft gelebt und auch bei Frauenprojekten im sozialen und kulturellen Bereich mitgearbeitet hat. In der Frauenpolitik ist Ulle Schauws schon seit ihrem 18. Lebensjahr aktiv: auf lokaler Ebene in der Krefelder Frauenberatungsstelle und auf Bundesebene als Mitglied des Landesvorstands NRW heute auch im Bundesfrauenrat.

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In dieser Eigenschaft ist sie schon oft in Berlin gewesen, wo sie sehr wahrscheinlich auch nach der Wahl als Bundestagsabgeordnete arbeiten wird: "Die Chancen sind recht gut, denn mein Listenplatz zieht schon bei neun Prozent der Zweitstimmen. Es wäre das erste Mal, dass ein Mitglied der Grünen vom linken Niederrhein in den Bundestag einzöge", sagt Ulle Schauws mit einiger Vorfreude. Als aussichtsreiche Kandidatin hat die Bundestagsfraktion sie auch schon zweimal nach Berlin eingeladen, um sie auf den möglichen Alltag im Parlament vorzubereiten. Neben gutem Essen, das sie vor allem bei ihren vielen Reisen nach Frankreich kennen und schätzen gelernt hat, mag die Katzenfreundin — drei Exemplare gehören zum Haushalt — die Musik. Vielseitig, wie sie ist, nennt sie Rhythm and Blues, Jazz und Klassik — in dieser Reihenfolge. "Als Kind habe ich Klavier ge- und inzwischen verlernt. Später habe ich Schlagzeugunterricht genommen; jetzt steht das Teil im Keller, weil ich aus Zeitmangel nicht mehr zum Spielen komme."

(RP)
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