Krefeld: Uerdingens alter Deich birgt Risiken

Krefeld : Uerdingens alter Deich birgt Risiken

Der Uerdinger Deich genügt nicht mehr aktuellen Ansprüchen an den Hochwasserschutz. Hohlräume durch abgestorbene Wurzeln im Deich sind möglich. Die Stadt sieht sich dennoch gewappnet.

Das steigende Hochwasser des Rheins versetzt auch die Krefelder Stadtverwaltung in Alarmbereitschaft. Der Uerdingen Deich gilt als dringend sanierungsbedürftig — die Erneuerung war zuletzt mehrfach verschoben worden. Im Jahr 2014 soll sie nun erfolgen. Die Stadt muss jetzt hoffen, dass der alte Deich im letzten Jahr seines Bestehens den nahenden Wassermassen standhält. Stadtsprecher Manuel Kölker erklärte am Montag, dass Schäden im Deich durch Wühltierbefall und abgestorbenes Wurzelwerk möglich sind. Außerdem genüge der Deich nicht mehr aktuellen Ansprüchen, weil die wasserseitige Böschung zu steil ist.

Zuletzt war der Deich routinemäßig vor wenigen Wochen durch die Bezirksregierung im Rahmen der Deichschau geprüft worden. Wenn das Wasser jetzt längere Zeit hoch stünde, würde wieder "eine intensive Prüfung des Deichkörpers erforderlich", sagte Kölker.

Die Gefahren für Krefeld sind groß: Ein extremes Hochwasser könnte Krefeld stärker belasten als lange Zeit vermutet. Gellep-Stratum, Linn und Uerdingen wären bei jetzigen Deichschutz komplett überflutet, sogar Bockum würde das Hochwasser erreichen. Ohne Deich würden 23 Quadratkilometer Stadtgebiet überflutet, das sind 16 Prozent des Stadtgebiets. Das Schadenspotenzial liegt bei 2,2 Milliarden Euro. Diese Erkenntnis resultiert aus einer Untersuchung der Bezirksregierung Düsseldorf, deren Analyse schließlich zur Entscheidung eines Neubaus des Rheindeiches führte.

Derzeit ist die Höhe des Uerdinger Deichs für ein statistisch vorkommendes 500-jährliches Hochwasser ausreichend. Durch die anstehende Sanierung des Deichs wird die Krone um das gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsmaß von einem Meter erhöht. Die Deichkrone beträgt zurzeit 32,20 Meter über Normalnull (NN), bzw. 12,76 Meter am Krefelder Pegel gemessen. Das Hochwasser würde den Deichfuß bei 28,37 Meter über Normalnull bzw. bei einem Krefelder Pegel von 8,93 Meter erreichen. Die Prognosen für den Niederrhein lassen einen Pegelstand zwischen 8,50 und 9 Metern erwarten, gestern waren es 7,51 Meter. Um bis zu 1,80 Meter kann der Pegel des Rheins pro Stunde steigen.

Die Vorkehrungen im Katastrophenfall seien abgestimmt und durchgespielt, teilte die Stadt mit. Bis zum Katastrophenfall bzw. einer Großschadenslage sind Vorkehrungen zur Sicherung durchzuführen, zum Beispiel die Inbetriebnahme von Pumpwerken und das Schließen des Rheintors — die erneute Schließung behält sich die Stadt noch vor. Weiter seien Kontrollen und vorbereitende Maßnahmen durchzuführen wie Sandsackfüllen und eine entsprechende Material- und Personalplanung", so Stadtsprecher Kölker. Zusätzlich laufe bei anlaufender Hochwasserwelle der Informationsaustausch zwischen dem Fachbereich Tiefbau und der Feuerwehr an.

(RP/ac)
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