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Krefeld: Uecker-Boot ist zurück in Pax Christi

Krefeld : Uecker-Boot ist zurück in Pax Christi

Bei der großen Uecker-Ausstellung in der Düsseldorfer K 20 war eine Leihgabe aus Krefeld ein Blickfang: Der Künstler hatte darauf bestanden, dass "Chichicastenango" - eine Dauerleihgabe für Pax Christi - in der Werkschau zu sehen sein sollte. Jetzt hat das Nagelboot seinen leicht veränderten Platz in der Krefelder Kirche wieder eingenommen. Mancher Betrachter denkt bei dem Werk auch an die Flüchtlinge im Mittelmeer.

Ein Vierteljahr lang war das "Nagelboot" von Günther Uecker der erste große Blickfang für die Besucher der großen Uecker-Werkschau im Düsseldorfer K 20, jetzt kehrte es in seinen Heimathafen zurück, denn als ständige Leihgabe des Künstlers hat es seinen festen Platz in der Oppumer Pax-Christi-Kirche.

 Günther Uecker in der großen Ausstellung in Düsseldorf. Das Krefelder Boot hatte er sich als unverzichtbares Exponat für die K 20 gewünscht.
Günther Uecker in der großen Ausstellung in Düsseldorf. Das Krefelder Boot hatte er sich als unverzichtbares Exponat für die K 20 gewünscht. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Superpünktlich ein paar Minuten vor zehn Uhr fährt der LKW der Kunstspedition Hasenkamp rückwärts auf den kleinen Vorplatz der Kirche, voll beladen mit Exponaten aus der Uecker-Ausstellung, die nun "nach Hause" zurückkehren: ins Folkwang-Museum in Essen und ins Van Abbemuseum in Eindhoven oder eben nach Krefeld. Vier im Transport von Kunstwerken versierte Männer sind an Bord, einer davon war auch bei der Abholung schon dabei gewesen.

Als Erste finden die Mastbalken, die an der Wand hinter dem Boot auf dem Fußboden liegen, den Weg zurück an ihren Platz, und Küsterin Hildegard Homenda weiß ganz exakt, in welcher Position sie dort immer gelegen hatten. Das Boot selbst, dick eingeschlagen in Luftpolsterfolie, wird von einer großen Palette auf mehrere kleine Rollbretter gezogen, mit der Hebebühne abgesenkt und mit dem Bug nach Steuerbord an seinen Standort zurückgestellt - ein bisschen dichter an die Wand als früher, damit kein Besucher mehr auf die Idee kommt, hinter das Boot laufen zu wollen. Denn dort hängt ja das weiße Segeltuch, das als wichtiges, Bedeutung tragendes Element zu dem Kunstwerk gehört und dennoch nicht mit auf die Reise gegangen war. Es hatte sich in Düsseldorf raumplanerisch nicht unterbringen lassen.

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Glücklich fotografiert Gottfried Straßburger die wieder vollständige Installation fürs Gemeindearchiv, und Pfarrer Theo Pannen quittiert den ordnungsgemäßen Rückerhalt inklusive eines Beutelchens mit zwei sogenannten Ersatznägeln, die sich bei der Abholung zum Erstaunen aller Beteiligten lose unter dem Boot liegend gefunden hatten und mit in Düsseldorf waren.

"Chichicastenango" ist der korrekte Titel dieser Arbeit. Uecker hatte sie für den Berliner Katholikentag 1980 geschaffen und damit auf die Massaker der Diktatoren Ríos Montt und Mejía Víctores hingewiesen, denen die indigenen Völker Guatemalas damals ausgeliefert waren. Die Unmöglichkeit, den Mörderbanden zu entkommen, drückte er in dem durch die Nagelung unbrauchbar gemachten Boot aus und spannte darüber "das weiße Segel der Barmherzigkeit".

Pannen empfindet es als eines der aktuellsten Werke in der Kunstsammlung seiner Kirche, denn manch ein Betrachter denke hier auch an die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer.

(RP)