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Krefeld: Überzeugende Lobpreisung

Krefeld : Überzeugende Lobpreisung

Mehr als 500 Zuhörer erlebten in der St.-Josef-Kirche eine gelungene Aufführung der Johannespassion von Bach.Crescendo-Chor und das Orchester St. Josef hatten das Werk in nur drei Monaten eingeübt.

Unkenrufe, das Einstudieren der Johannespassion von Johann Sebastian Bach in nur drei Monaten könne nicht klappen, hatte es seit Weihnachten mehrfach gegeben. Am Karfreitag aber belehrten der Crescendochor und das Orchester St. Josef unter der Leitung von Heinz-Peter Kortmann die Skeptiker eines Besseren. Über 500 Gäste waren in die St. Josef-Kirche gekommen und erlebten eine ausgesprochen gelungene Aufführung.

Bereits im Intro schwang sich der um einige Stimmen größer gewordene Chor in Aufwärtsschleifen zu solch überzeugender Lobpreisung Jesu als Gottessohn und Weltherrscher, glänzte durch ausgefeilte Dynamik und präzises Spiel der Stimmgruppen, dass für Zweifel einfach kein Raum mehr blieb. Auch das 18-köpfige Orchester ließ nichts zu wünschen übrig. Wohldosiert stützte es die Rezitationen, kraftvoll die Chorpassagen, und besonders die ersten Violinen, die Flöten und die Celli begeisterten im Verlauf des Konzerts durch ihre fein abgestimmten Begleitungen der Arien.

Heinz-Peter Kortmann dirigierte die Seinen mit kontrolliertem Temperament, strahlte dabei gleichermaßen persönliche Souveränität und Vertrauen in sein Ensemble aus und setzte sich außerdem mehrfach ans Cembalo, um sich selbst an der Begleitung der Solisten zu beteiligen.

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Mit bewährtem Bass

Letztere waren mit sicherer Hand gewählt. Zwar wollten die tieferen Töne in der ersten Arie der Altistin Louise Rijs nicht recht durch den Raum tragen, doch das blieb schon die einzige Schwäche, die sie in ihrer zweiten Arie auch wieder gut machen konnte. Mit seinem bewährten Bass und strahlender Autorität gestaltete Eric Kirchhoff den auch im Leiden als königlich angelegten Jesus, und Amelie Dembski brillierte mit glockenreinem Sopran und klarer, schlanker Linienführung. Für heutige Ohren ungewohnt, jedoch absolut in die Bachsche Zeit passend und auch seiner Rollenverteilung entsprechend sang der renommierte Countertenor Mark Heines den Evangelistenpart und bestach förmlich mit der Qualität seiner Stimme. Zur großen Überraschung schließlich geriet die nicht gerade kleine Rolle des Pilatus. Sie wurde von dem eben erst achtzehnjährigen Justus Seeger gesungen. Der Vater singt im Crescendochor, die Mutter spielt im Orchester St. Josef, und der Sohn präsentierte einen Bariton, der zu großer Hoffnung Anlass gibt.

Bewunderungswürdige Details gab es etliche in dieser Aufführung. Zu ihnen gehörte die Sicherheit, mit der die Sänger die häufigen Reibungspunkte zwischen Textrhythmik und musikalischer Rhythmik meisterten, das wunderbare Ineinanderwirken von Bass und Chor in der Arie "Eilt, Ihr angefochtnen Seelen", die ergreifende Alt-Arie "Es ist vollbracht" und die tief beeindruckenden Schlusschoräle.

Das Publikum dankte mit minutenlangem Applaus im Stehen.

(RP)