Krefeld: Überraschungsfund: Mauer im Rheindeich

Krefeld: Überraschungsfund: Mauer im Rheindeich

Ein unerwarteter Fund brachte gestern die Experten der Rheindeichsanierung in Uerdingen zum Staunen: Unter einer Schicht aus Mutterboden und Rasen lag auf gut 100 Metern Länge eine nicht bekannte Fläche aus Ziegelmauerwerk.

Der Baggerfahrer des Deichbauspezialisten Amand aus Ratingen staunte nicht schlecht, als er gestern mit den Arbeiten am Hochwasserschutz in Uerdingen begann: Im Rheindeich unter einer Schicht aus Mutterboden und Rasen entdeckte er auf einer Länge von rund 100 Metern überraschend eine bislang nicht bekannte, vermutlich viele Jahrzehnte alte Wand aus Ziegelwerk. Eine Rampe führte dort offenbar früher von der Stromseite auf die Deichkrone.

Oberbauleiter Christian Kocks vom Tiefbauamt der Stadt Krefeld bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass dieses "Bauwerk" trotz diverser Probebohrungen im Vorfeld unentdeckt geblieben und auch aus alten Plänen und Unterlagen nicht bekannt gewesen sei. Der Experte ist von dem Fund durchaus beeindruckt, zeigt er doch, "dass unsere Vorfahren genau wussten, was sie tun".

Die Anordnung der Steine unterstreiche die reichhaltigen Erfahrungen der damaligen Bauherren. Die Steine seien nämlich so angeordnet, dass sie sich bei einem Rheinhochwasser dem Fluss nicht als Hindernis in den Weg stellen, das ausgespült werden könnte, sagte Kocks.

Probleme im Hinblick auf den Zeitplan oder auf den Kostenrahmen für die Sanierung des insgesamt 630 Meter langen Abschnitts sieht der Fachmann nicht auf die Stadt zukommen. Das Mauerwerk befinde sich in keinem Mörtelbett und sei in der Vergangenheit gleichsam als Pflasterfläche auf den Untergrund der Böschung gelegt worden.

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"Deshalb macht es keine große Mühe, die Steine zu entfernen", sagt Kocks. Ob die optimistische Prognose tatsächlich Bestand hat, ist noch nicht gesichert. Jürgen Hengst, planungspolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion, wurde gestern Morgen auf seinem Weg per Fahrrad zur Arbeit in ein Gymnasium in Meerbusch auf den Überraschungsfund aufmerksam. Der Ratsherr sprach von einer "ganz fachmännischen Abmauerung", die der Denkmalschutz zunächst einmal unter die Lupe nehmen sollte. Vorbehaltlich des Ergebnisses der Überprüfung durch die Denkmalexperten würde er sich zumindest eine fotodokumentarische Erfassung der womöglich uralten und sehr gut erhaltenen Steinwand wünschen.

Der Überraschungsfund zeigt zumindest, dass die Einschränkungen hinsichtlich der Zeitplanung, die Projektleiterin Petra Weber vom Tiefbauamt der Stadt Krefeld vorgestern äußerte, sehr berechtigt sind. Sie hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass eine solch umfangreiche Aufgabe wie die Sanierung des 630 Meter langen Rheindeiches für rund 3,2 Millionen Euro einige Überraschungen bereithalten könnte. Da unter anderem bis zu 10,70 Meter lange Spundbohlen aus Stahl ins Erdreich gepresst werden müssten, könnten sie noch auf bislang nicht bekannte Hindernisse treffen.

Nachdem die Firma Amand mit den Arbeiten begonnen hat, ist sehr gut zu sehen, warum die Sanierung überhaupt notwendig ist. Aus dem Deich ragen armdicke Wurzeln heraus. "Die Wurzeln, nicht dichte Bodenschichten, und ein zu steiler Aufbau machten den vorhandenen Hochwasserschutz im Zweifel anfällig", informierte Petra Weber. Deshalb werde nach langer und schwieriger Planung mit den Sanierungsarbeiten begonnen.

(RP)
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