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Flachsmarkt in Krefeld: Über 300 Handwerker kommen zum Flachsmarkt

Flachsmarkt in Krefeld : Über 300 Handwerker kommen zum Flachsmarkt

Am Pfingstwochenende lockt der Flachsmarkt in Krefeld mit altem Handwerk und Ritterspielen rund um die Burg nach Linn.

Handwerker, Ritter und Musikanten verwandeln am Pfingstwochenende die Linner Altstadt rund um die Burg in einen mittelalterlichen Markplatz. Los geht es am Samstag, 18. Mai. Der 38. Flachsmarkt bietet Vorführungen von 300 Handwerkern und ein umfangreiches Rahmenprogramm. Das Besondere beim Flachsmarkt: Unter den Handwerkern findet man viele fast ausgestorbene Berufe. Vor allem Kinder und Jugendliche haben die Möglichkeit, die Arbeitsweise aus längst vergangenen Tagen zu erleben. Rund um die Burg Linn sind natürlich Flachsspinner zu finden, aber auch Handweber, Lehmbauer, Sattler, Seiler, Rüstungsschmiede und Kettenhemdmacher. Die Linner Schützen haben schon längst mit den Vorbereitungen für ihre Seifensiederei begonnen.

In Zeiten von Computer und Digitaldruck ist der Beruf des Schriftsetzers verloren gegangen. Zum ersten Mal auf dem Flachsmarkt dabei sind Willi Beck und Werner Hiebel aus Bayern, die demonstrieren, wie der Buchdruck zu Gutenbergs Zeiten funktionierte. Als überall in den Druckereien der Bleisatz aussortiert wurde, haben sie vieles gerettet. Sie stimmen absolut der Erkenntnis des Schriftstellers Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) zu, der schrieb; "Denn mehr als das Blei in den Gewehrläufen hat das Blei in den Setzkästen die Welt verändert."

Wenn die Zeit stehengeblieben ist, setzt sie Martin Stadermann wieder in Bewegung. Der 54-jährige Uhrmachermeister ist geprüfter Restaurator von Uhren. Auch er ist erstmals in Linn dabei. Besucher können ihre stehengebliebene Uhr mitbringen — allerdings nur, wenn es nicht um einen Batteriewechsel geht. Und wenn die Kinder ungeduldig werden, weil die Reparatur zu lange dauern, können sie zum Spieleerfinder Steffen Mühlhauser gehen. Vielleicht bleiben sie aber mit offenem Mund staunend vor den Midwinterhornmachern aus den Niederlanden stehen. Früher nutzte man das Horn, das einen nicht gerade schönen Ton erzeugt, um sich im Nebel auf den Grachten gegenseitig zu warnen. Um den Bonbonmacher Hartmut Gerhards werden sie sowieso keinen Bogen machen — eher um den Barbier Aart van Egteren. Auch die Großen werden staunen, wie der Täschner Bernd Goebel aus Berlin gewebtes Rosshaar verarbeitet. Es wird aus dem Pferdeschweif ausgekämmt. Theo Beckers führt vor, wie anstrengend es früher war, Butter zu machen, beklagt sich aber nicht. Überhaupt sind alle Handwerker voll von ihrer Mission überzeugt und freuen sich, ihre Kunst zu beweisen, etwa Armbänder aus Perlen zu weben, Windspiele zu bauen, historische Kuchenblechformen herzustellen, Zigarren zu drehen, Krawatten zu nähen, Laternen zu machen, zu klöppeln oder eine Drehleier zu bauen.

Langweilig wird es überhaupt nicht, eher langwierig. Denn das Angebot ist groß und überall verteilt. Schon vor der Burg geht es los, am Andreasmarkt, weiter in der Museumsscheune, im Hof und auf der Wiese des Museums (das übrigens dann geschlossen hat); es folgen die Vorburg, die Burgküche, Burghof, Rittersaal, kleiner und großer Lindenberg, die Vogel- und Ritterwiese, da braucht man viel Übersicht.

Die Arbeitsgemeinschaft Flachsmarkt hat wieder ein enormes Angebot zusammengeführt und ein attraktives Programm geplant. Die Ritter zeigen ihr Können beim Ringstechen, Helmschlagen und der Sauhatz. Auch der Falkner aus der Eifel kommt wieder mit seinen Greifvögeln zum Flachsmarkt. Und da so viel Laufen und Schauen hungrig und durstig machen, gibt es eine Vielzahl von Buden, die Essen und Getränke anbieten. — Die Eintrittspreise sind gleich geblieben. Kinder unter sechs zahlen nichts, bis 16 2 Euro, Erwachsene 8 Euro. Geöffnet ist am 18. und 19. Mai von 10 bis 19 Uhr sowie am 20. Mai von 10 bis 18 Uhr. Hin kommt man am besten mit der Straßenbahn.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mittelalterliches Flair auf dem Flachsmarkt 2012

(RP)