Krefeld: Tschüss Romanze, hallo Realität

Krefeld : Tschüss Romanze, hallo Realität

Tanz, erweitert um Filmzitate und live eingesprochenen Text: Mit diesem Modell hat die KimchiBrot Connection das Thema Beziehungen auf die Bühne gebracht und das Tanzfestival "First & Further Steps" in der Fabrik Heeder eröffnet.

Tanz, erweitert um Filmzitate und live eingesprochenen Text: Mit diesem Modell hat die KimchiBrot Connection das Thema Beziehungen auf die Bühne gebracht und das Tanzfestival "First & Further Steps" in der Fabrik Heeder eröffnet.

Wie steht es um die Liebe im 21. Jahrhundert? Wie lebt es sich in Zwei-, Drei- oder gar Vielsamkeit? Den Beziehungsmodellen sind scheinbar keine Grenzen gesetzt. Doch wie viel Offenheit und Experimentierfreudigkeit verträgt die Liebe? Diesen Fragen sind KimchiBrot Connection aus Köln, bestehend aus Elisabeth Hofmann, Constantin Hochkeppel und Laura N. Junghanns, in ihrem Stück Living happily ever after zum Auftakt des Tanzfestivals First & Further Steps in der Fabrik Heeder nachgegangen.

Ihre Performance zeichnet sich durch ihre Ausbildung in Physical Theatre aus, sie ist unterhaltsam und geht dennoch unter die Haut. Das Künstlerkollektiv stellt die These auf, dass moderne Beziehungsvorstellungen immer noch stark von Hollywoodromanzen geprägt sind, und entlarvt auf der Grundlage von Interviews zum Beziehungsleben Eifersucht als das große wütende Monster unter den vielen Emotionen, die im Spiel sind, wenn es um zwischenmenschliche Liebe geht.

Im Traum sind sie sich schon einmal begegnet, die bezaubernde Cinderella und der schöne Prinz, erst noch schüchtern, dann gemeinsam singend, lachend und tanzen, finden die beiden Märchenfiguren zusammen, besiegeln ihr Glück mit dem Bund fürs Leben, gründen eine Familie, werden zusammen alt und wenn sie nicht gestorben wären ...

Dass die Realität anders als aussieht als in blankpolierten Disneyfilmen und seichten Hollywoodromanzen aus der Kategorie "Was Frauen schauen" erzählen die Performerin Sophie Killer (Zweitbesetzung für Elisabeth Hofmann) und der Performer Constantin Hochkeppel an diesem Abend von der ersten bis zur letzten Minute. Der Zuschauer hört gleich zu Beginn aus dem Off von den Schwierigkeiten einer Liebesbeziehung, in der das Ideal "bedingungsloser Liebe" in direkter Nachbarschaft von "bescheidener Liebe" und dem Modell einer "offenen Beziehung" steht.

Beziehungen, so die Stimmen der Befragten, sind ein vielschichtiges Geflecht mit ganz eigener Sprache und Dynamik. Wie durch einen Dschungel aus Möglichkeiten kämpfen sich die beiden Performer hindurch, das lange Prinzessinnenkleid und die viel zu enge Prinzenrobe lassen sie hinter sich und kommen in der Realität an. Ihre Körper sind nun mit leichter Nachtwäsche bekleidet. Erst jetzt berühren sich ihre Körper, Schulter an Schulter, Kopf an Kopf.

Dass Sophie Killer fast einen Kopf größer ist als ihr männlicher Tanzpartner, nehmen sie mit Humor. Zärtlich versucht Killer sich Hochkeppels Größe anzupassen. Ein schönes Bild für die vielen Anläufe, Anstrengungen und Verrenkungen, die es manchmal braucht, um zusammenzufinden und zusammenzubleiben. Es folgt eine weitere starke Szene in der sich die Tänzer immer wieder aufeinander zu bewegen, sich abklopfen, an Armen und Beinen festhalten und wegstoßen.

Über die Tanzszenen werden immer wieder Tonspuren aus Filmzitaten und Interviewfragmenten gelegt, die an einer Stelle darin gipfelt, dass es unzählige Male "I love you" aus den Boxen hallt. Wie oft darf das Liebesbekenntnis ausgesprochen werden? Oder sagt man das heute gar nicht mehr? Das erzählerische Element wird an diesem Abend großgeschrieben, was im zeitgenössischen Tanz immer noch selten passiert.

Es ist spannend zu sehen, wie die Compagnie ihr Recherchematerial aus biografischen Erfahrungen und Filmzitaten mit Tanz, Improvisation und live eingesprochenem Text zusammenfügt und so zu ihrer Handschrift findet.

Herausragend ist auch das pantomimische Spiel von Killer und Hochkeppel. Ein Partnerschaftsvertrag soll die Regularien einer offenen Beziehung festschreiben, während beide den sperrigen Text ins Mikrofon sprechen, finden Schlagwörter wie Ehe oder Intimkontakt ihre Entsprechung in der passenden Geste, wieder macht sich ein breites Grinsen auf den Gesichtern der Zuschauer breit, die an diesem Abend durch eine mutige Kontaktaufnahme von Hochkeppel, ebenfalls Teil des Stücks wurden.

Mit langanhaltendem Applaus bedankt sich das Publikum bei den Künstlern.

(RP)
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