1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Trendwende in Krefeld – neues Interesse an Denkmälern

Millioneninvestitionen : Trendwende – neues Interesse an Denkmälern

Denkmäler. Einige begeistern sich dafür, anderen sind sie ein Dorn im Auge. Das Casino am Rheinufer ist beseitigt, das Stadthaus und das Stadtbad verkommen, weiteren wie das Silogebäude Roters und Buddenberg droht der Abriss. Doch es gibt auch Gegenbeispiele: In die Alte Reichsbank und den Leutefeldhof in Uerdingen wird kräftig investiert. Die Renaissance AG kaufte gerade ein historische Perle in Elberfeld.

Es tut sich was in Uerdingen: Die dort ansässige Renaissance Immobilen und Beteiligungs AG hat eines der bedeutendsten Kulturgüter Wuppertals gekauft – den rund 400 Jahre alten Teschemacher-Hof in Elberfeld. An die Popularität der weltbekannten Schwebebahn reicht das Denkmal zwar nicht heran, gleichwohl schrieb es in bescheidenem Rahmen Geschichte: In dem imposanten Domizil lebte und arbeitete nämlich der Orgelbauer Jakob Engelbert Teschemacher, dessen Treffen mit Deutschlands berühmtesten Dichter Johann Wolfgang von Goethe am 22. Juli 1774 überliefert ist.

Mehr als ein Million Euro sollen in das denkmalgeschützte Objekt fließen, um es als Wohnensemble und Kulturstandort herzurichten. Im kommenden Frühjahr wollen die Krefelder mit Umbau und fachgerechter Sanierung beginnen.

Noch in diesem Jahr plant die IC Immobilen Competence GmbH aus dem benachbarten Willich den Startschuss für ihre Vorhaben – in Uerdingen. Sie haben die beiden Denkmäler Alte Reichsbank an der Niederstraße und Leutefeldhof am Marktplatz erworben und bereits mit der Vermarktung begonnen.

Doch zunächst einmal zurück zum Teschemacher Hof in Uellendahl-Katernberg im Wuppertaler Stadtteil Elberfeld. Die Abstimmung mit der Denkmalbehörde im Bergischen läuft. „Dieser Gebäudekomplex ist ein regelrechtes Wahrzeichen. Das Haus ist eines der ältesten Fachwerkbauten des Stadtteils. Dieser historische Ort muss einfach erhalten bleiben. Als Eigentümer hat man dafür eine ganz klare Verpflichtung. Die Anlage löste in unserem gesamten Team direkt Faszination und Begeisterung aus und schnell war uns klar, dass man dem Gebäude neues Leben einhauchen will“, erklärte Renaissance-Vorstand Christian Baierl.

Das kleine Glöckchen im Glockenturm auf dem Dachfirst sei bis heute erhalten, jahrhundertelang habe es das neue Jahr eingeläutet. Seit mehr als 50 Jahren sei es verstummt. Die alte Tradition solle wiederbelebt werden. Auf dem Türmchen zeige bis heute der historische Engel mit der Posaune die Windrichtung an. Bis 1911 sei der Fachwerkbau im Besitz der Familie Teschemacher gewesen, dann von der Stadt Elberfeld gekauft.

Der alteingesessenen und bedeutenden Familie Teschemacher gehörten 13 Elberfelder Bürgermeister des 17. und 18. Jahrhunderts an. Das bekannteste Mitglied der Familie war der Orgelbauer Jakob Engelbert Teschemacher (1711 bis 1782). Er war ein wahrer Meister seines Fachs. Noch heute sind seine Heim- sowie Kirchenorgeln gesuchte und geschätzte Stücke. Bevor er seine erste Kirchenorgel um 1760 während der unruhigen Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) baute, hatte er bereits mindestens 20 Jahre früher Hausorgeln hergestellt. Ein schönes Beispiel eines solchen Hausorgeltyps ist in der Uellendahler Philippuskirche zu bewundern. Sie wurde um 1770 gebaut und besitzt zwei durchgehende und vier halbe Register, mit denen der Klang der Orgelpfeifen verändert wird. Sie wurde 1860 vom Kommerzienrat Wilhelm Meckel gestiftet, geschenkt von Baronin Selma von der Heydt, sehr wahrscheinlich aus ihrem eigenem Besitz.

 Seine erste Kirchenorgel baute Jakob Engelbert Teschemacher mit knapp 50 im Jahr 1760 in seiner Werkstatt in seinem Elternhaus. Zu dieser Zeit gab es in den Kirchen noch keine Orgeln, Jakob Engelbert war sozusagen ein Wegbereiter der kirchlichen Orgelmusik. Denn damals hielten viele Menschen, auch seine Freunde und Verwandten, eine Orgel für ein „heidnisches“ Instrument, da sie glaubten, nur die menschliche Stimme sei dazu berufen, Gottes Lob in der Kirche zu verkünden. Doch das Instrument und auch seine Arbeit setzten sich durch. Schnell hatte er einen hervorragenden Ruf als Orgelbauer erlangt. Seine Instrumente hatten zudem einen bestimmten Klang, den ganz eigenen Teschemacher-Klang. 1766 baute er für 850 Reichsthaler eine Orgel für die lutherische Kirche in Düsseldorf.

Direkt vor der Haustür kann der Uerdinger den Fortgang der Arbeiten an zwei weiteren Denkmälern beobachten. Das Willicher Unternehmen Immobilien Competence hat den früheren Leutefeldhof (am Marktplatz 23) sowie die Alte Reichsbank (an der Niederstraße 26) gekauft. „Für beide Gebäude haben wir mit der Stadt und der Denkmalschutz-Behörde ein Umbau- und Nutzungskonzept erarbeitet. Für die Villa am Marktplatz haben wir bereits eine Baugenehmigung und möchten gerne im Herbst mit dem Umbau beginnen“, erklärt Volker Reinert, mit Christian Paschertz Geschäftsführer des Unternehmens.

Das im bürgerlichen Jugendstil gebaute Haus am Marktplatz – in der Denkmalliste als Leutefeldhof eingetragen – soll im Erdgeschoss zwei Bürobereiche erhalten, in den beiden oberen Etagen mit dem teilausgebauten Dachgeschoss sollen insgesamt sechs hochwertige Eigentumswohnungen errichtet werden. Das historische Treppenhaus und die historische Fassade bleiben erhalten. Das Treppenhaus in Marmor und das gedrechselte Treppengeländer wird aufgearbeitet. Im zweiten Geschoss und im Dachgeschoss entstehen Wohnungen mit Balkons und Terrassen, die mit Holzdielen belegt werden. Durch die Lage als Eckhaus am Marktplatz erhält das Gebäude von drei Seiten Licht. Die Villa umfasst rund 600 Quadratmeter Fläche.

An der Niederstraße steht das alte Reichsbank-Gebäude von 1904 im Fokus. Auch dort sollen hochwertige Büros und Praxen sowie Eigentumswohnungen mit Balkon oder Terrassen, Stellplätzen und einem Aufzug entstehen, sodass ein barrierefreier Zugang gewährleistet ist. Das Haus umfasst insgesamt rund 660 Quadratmeter Nutzfläche. Ein Bauantrag werde unter Berücksichtigung der denkmalrechtlichen Auflagen zeitnah erfolgen, kündigte Reinert an.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So schön sind die Denkmäler in Krefeld