Krefeld: Trauer um Krefelds Kunst-Pfarrer Maßen

Krefeld : Trauer um Krefelds Kunst-Pfarrer Maßen

Karl Josef Maßen hat die Pax-Christi-Gemeinde aufgebaut und ihr eine überregional bedeutsame Kunstsammlung beschert.

Wie der Himmel aussieht, weiß keiner, sagte Karl Josef Maßen einmal vor dem "Tor zur Ewigkeit" von Klaus Rinke. Die blank polierte schwarze Granitplatte, die wie ein Eingang in die Backsteinwand von Pax Christi eingelassen ist, spiegelt denjenigen, der vor ihr steht. Statt einer Antwort, ob und wie es dahinter weitergeht, reflektiert sie, was diesseits der Schwelle ist. Jede Frage wird auf einen selbst zurückgeworfen. Fragen nach dem Leben, dem Tod, dem Sinn, dem Glauben . . ..

Über diese Fragen, die gute Kunst und kritischer Glaube gemeinsam aufwerfen, ließ es sich stundenlang mit Karl Josef Maßen diskutieren. Am Ende war man immer klüger und bereichert, aber niemals belehrt. Denn Maßen war kein dogmatischer Erklärer, er war ein Anstifter zum unbequemen Denken, zum Selber-Herausfinden und Immer-Wieder-In-Frage-Stellen. Am Sonntag ist er nach langer schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren gestorben. Am Osterdienstag wird um 11 Uhr in Pax Christi eine Messe für ihn gehalten, die Beisetzung ist um 13 Uhr in der Priestergruft auf dem Oppumer Friedhof. Maßen wurde am 11. Juni 1932 in Wegberg-Klinkum geboren. Sein Priesterleben verbrachte er in Krefeld, nur von 1957 bis 1963 war er Militärpfarrer in Düsseldorf. Als Kaplan wirkte Maßen an Herz Jesu Bockum und an St. Anna. 1972 kam er in den Seelsorgebezirk Glockenspitz. Hier fand er seine Lebensaufgabe. Er gründete die Gemeinde Pax Christi. Anfangs hielt er die Gottesdienste noch in der Musikschule. Beim Bau der Kirche an der Glockenspitz brachte er seine Ideen in die Pläne des Architekten Heinz Döhmen mit ein. 1979 wurde die Backsteinkirche geweiht.

Nur wer Fragen stellt, kann zum Glauben finden: Davon war Maßen zutiefst überzeugt. Deshalb hielt er zeitgenössische Kunst für Diskussionsbefeuerer. Seit den 1960er Jahren sammelte er privat. Nun sollte Kunst auch zur Kirche gehören. 1980 kam das Bronzekreuz von Ewald Mataré nach Pax Christi. Im selben Jahr Ulrich Rückriems Altar sowie ein Kreuz-Bild von Norbert Prangenberg und Günther Ueckers Nagelboot "Chichicastenango". Mit Werken von Beuys bis Rabinowitsch wuchs die Sammlung zu einem bedeutenden Konvolut, das über die Landesgrenzen hinweg Anerkennung fand. Maßen füllte kein Museum, er trug mit Scharfsinn Positionen zusammen, in denen Künstler die existenziellen Fragen nach dem Woher, Wie und Wohin stellen. Denen, die moderne Kunst als Unfug ablehnten, um die Kirche sich schon gar nicht kümmern solle - und das waren nicht wenige -, ebnete er einen Zugang in Führungen und Begegnungen mit den Künstlern, mit Musikern und Literaten, die sich auf die Bilder und Skulpturen in Pax Christi bezogen. Ruhig, aber stetig. So schrumpfte die Ablehnung. Die Sammlung wuchs auf mehr als 30 Werke. Einige sind Dauerleihgaben, doch den Großteil hat die Gemeinde erworben.

Pax Christi war Maßens Herzensheimat. Auch im Ruhestand wirkte er hier weiter bis 2012, zog dann im Zuge der Gemeindefusionen nach St. Nikolaus (Uerdingen) und engagierte sich dort seelsorgerisch, bis seine Krankheit es nicht mehr zuließ. Als ihm 2012 das Bundesverdienstkreuz verliehen werden sollte, bat Maßen sich erst einmal Bedenkzeit aus. Sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, das war seine Sache nicht. Aber als Auszeichnung für die Kunstsammlung nahm er die Ehrung gerne entgegen.

Die Sammlung soll mit einer Dialogreihe weiterleben, sagt Pfarrer Hans Russmann. Weiter wachsen wird sie kaum. "Das müssen wir gut überlegen. Wir wollen den wenigen Restplatz für Gastkünstler frei halten", erklärt Pastoralreferent Theo Pannen. Maßens Lebenswerk ist vollendet, soll aber weiter strahlen.

(RP)
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