Krefeld: Trauer um Hans-Jörg Böckeler

Krefeld: Trauer um Hans-Jörg Böckeler

Er war ein reich Begabter, schrieb Kirchenmusikgeschichte, war ein Wanderer zwischen den Konfessionen und ein Ruheloser im Reich der Musik. Jetzt ist Hans-Jörg Böckeler im Alter von 73 Jahren gestorben.

Freunde, Familie und Weggefährten wussten, dass er auf den Tod erkrankt war, und alle anderen mussten besorgt aufhorchen, als er Ende des Jahres 2017 sein Amt als Kantor der Friedenskirche niederlegte. Es war klar, dass einer wie er nur von Gevatter Tod von der geliebten Musik weggedrängt werden konnte. Nun ist Hans-Jörg Böckeler im Alter von 73 Jahren gestorben. Die Beerdigung ist am Freitag; um 10.30 Uhr beginnt der Trauergottesdienst in der Friedenskirche. Pfarrer Jörg Geyer wird ihn leiten.

Böckeler hat Kirchenmusikgeschichte geschrieben. Als er 1966 als junger katholischer Organist an die Dionysiuskirche kam, war das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) gerade beendet. Böckeler war zusammen mit Kaplan Wilhelm Willms vom Geist der Reformen ergriffen; beide schufen eine neue geistliche Musik, die Herzen und Seelen ganz neu öffnen sollte. Beide waren eine Art modernes sakrales Songwriter-Team. Von den "Gottesdiensten am Dienstagabend" bis zum österlichen "Anti-Tod-Festival" 1973 in der Fußgängerunterführung am Hauptbahnhof reichte die Palette der Ideen. Böckelers monumentalstes Stück ist das Rock-Oratorium "Credo", das nach zweijähriger Kompositionsarbeit 1991 uraufgeführt wurde. Der Text von Willms ging auf das sogenannte "Kevelaerer Kredo" zurück, das Willms 1976 zum Gedenken an 375 Jahre Wallfahrt in Kevelaer geschrieben hatte. Böckeler, 1944 in Bonn geboren, war ein Hochbegabter. Als Fünfjähriger bekam er Klavierunterricht bei seinem Vater, als Zwölfjähriger vertrat er den Organisten beim Gottesdienst. Eine Frühbegabtenprüfung eröffnete ihm das Studium am Robert Schumann Konservatorium in Düsseldorf. 1966 begann er mit nur 22 Jahren seine Laufbahn als voll ausgebildeter Kirchenmusiker.

Kirchenmusik war ihm nur ein Flügel in diesem wunderbaren großen Schloss der Musik. 1968 gründete er den Dionysius-Chor, und Böckeler wandte sich ebenso Gospels und Spirituals wie Liedern der Beatles oder von Les Humphries zu. Und natürlich studierte er auch Klassiker wie Mozart, Brahms, Haydn, Orff oder Rossini. Musik ist Musik ist Musik. Der eine Geist, der Erde und Himmel verbindet. Die Musik war ihm wesentliche Sprache in Glaubensdingen. 1996 konvertierte Böckeler, wurde evangelisch, vor allem aber wohl Freiberufler als Musiker. Ein Freigeist, ein Künstler. 2004 trat er eine Stelle als Kantor der Friedenskirche an - kein unproblematischer Sprung von der katholischen zur evangelischen Hauptkirche Krefelds. Doch er traf in Pfarrer Michael Windhövel auf einen Mann, der wie er ein Bewegter und Ruheloser war. Beiden waren Grenzen des Geistes, wie sie Konfessionen, Kirchenmauern und Genres manchmal darstellen, suspekt.

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2006 unterstrich Böckeler einmal mehr seine Klasse als Komponist: Als das Erzbistum Bamberg zu seiner 1000-Jahr-Feier 2006 einen Wettbewerb für neue Kirchenlieder ausschrieb, bewarb sich Böckeler mit Klaus Lüchtefeld, dessen Liedtexte er bereits häufig vertont hatte. Ihr Beitrag holte einen Sonderpreis: "Der Sternenmantel". Inspiriert war das Stück von dem berühmten Mantel, den Kaiser Heinrich II. im Jahr 1020 von einem apulischen Fürsten in Bamberg geschenkt bekommen hatte und der heute dort im Diözesanmueum zu sehen ist.

Im vergangenen Jahr hat Böckeler noch einmal das Credo aufgeführt, Partitur und Besetzung überarbeitet und die Musik mit einem ganzen Sinfonieorchester präsentiert. Mehrere Stunden am Pult stehen konnte er schon nicht mehr, seine Tochter Christiane übernahm diesen Part. Die Gesangssolisten waren wunderbarerweise die von der Uraufführung 1991: Inge Schumacher-Jäger (Sopran), Heike Müller-Böckeler (Alt), Michael Hanhardt (Rock-Tenor), Markus Wöckel (Bariton) und Jürgen Moll (Bass). Dazu sang ein gemischter Chor aus Dio-Chor, Kantorei der Friedenskirche, dem Jugendchor "Credo 2017" und Mitgliedern des Karmelchors Duisburg - die Reihe listet lauter Wirkungsstätten Böckelers auf.

So war es, als schloss sich in dem Jahr, in dem Böckeler auf fünf Jahrzehnte musikalisches Wirken in Krefeld zurückblicken konnte, mit der Credo-Aufführung ein Kreis. Einer, der die Musik geliebt hat, hat den Taktstock nun endgültig aus der Hand gelegt. All die Unruhe, all die Begeisterung, all der Schwung der Seele zwischen Himmel und Erde wird bleiben.

(RP)