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Film-Premiere in Krefeld: Tom Gerhardt überzeugt in Schluff-Film

Film-Premiere in Krefeld : Tom Gerhardt überzeugt in Schluff-Film

Auf der Suche nach der verschollenen Lok und der verlorenen goldenen Taschenuhr kommt nicht nur das "Rollende Denkmal" – der Schluff – zu cineastischen Ehren. Mit Hingabe inszenierte Michael Schürger die Schönheiten Krefelds.

Auf der Suche nach der verschollenen Lok und der verlorenen goldenen Taschenuhr kommt nicht nur das "Rollende Denkmal" — der Schluff — zu cineastischen Ehren. Mit Hingabe inszenierte Michael Schürger die Schönheiten Krefelds.

Groß war der Andrang am Sonntag im Cinemaxx zur Premiere des Films "Der Schluff und das Geheimnis der goldenen Taschenuhr", zumal zu viele Freikarten in Umlauf geraten waren. Doch rasch nahm die Schönheit der Dampflok die Zuschauer gefangen und führte mit märchenerzählerischer Bedächtigkeit in die Geschichte ein: Am letzten Sommerschultag verdonnert die gestrenge Lehrerin (Betti Ixkes) ihre Schüler zum obligatorischen Ferienerlebnisaufsatz. Und damit sie auch etwas zu erzählen hat, beschließt die Teenager-Clique um Sophie (Carla Dondera, Mirjam Jochim, Luam Kesette, Tibor Pasthy, Nils Blossey und Levin Roloff), die verschollene Lok "Schluff" zu finden und mit ihr die goldene Taschenuhr, die Sophies Opa vor 40 Jahren auf ihrem Führerstand verlor.

Die Recherchen führen die Kinder unter anderem in die Krefelder Mediothek und zu einem spleenigen Einsiedler (Rüdiger Höken) im Hülser Wald. Der kann ihnen erzählen, wie der Schluff außer Liniendienst gestellt wurde, durch die Hände dreier reicher Unternehmer ging (alle köstlich gespielt vom wandlungsfähigen Tom Gerhardt) und dann in der Obskurität verschwand. Dummerweise kommen die Teens der Bande des Gauners Wiesel in die Quere (Johannes Kockers, Miku, Erdogan Bolu). Kirchenmusiker Norbert Jachtmann sei stellvertretend für viele weitere Krefelder Gesichter genannt, die dem Zuschauer in diesem Streifen begegnen.

Gelungen ist die Geschichte nicht zuletzt wegen der vielen Details, für die der Regisseur Michael Schürger sich und dem Zuschauer Zeit gönnt. Mit Hingabe inszenierte er die Schönheiten Krefelds: die Alleen mit den Jugendstilfassaden, das Greiffenhorst-Schlösschen im grünen Park, die Burg und die mittelalterlichen Gassen und Höfe von Linn. Dazu unverhoffte, aber knackige Einschläge von Ironie wie der Satz: "Und Nappo gibt?s hier auch nich mehr", eine Mädchenfreundschaft als Nebengeschichte, mehrere Verbeugungen vor den tschechischen Märchenfilmen der 60er Jahre und geschickt ausgewählte Songs der Woodstock-Ära.

All das zusammen macht Schürgers im besten Sinne romantische Handschrift aus, mit der er nach "Far Rockaway" und New York nun seine Liebeserklärung an Krefeld gestaltete. Und die hebt sich wohltuend ab vom rasanten Schnellschnitt-Action-Kino des gegenwärtigen Mainstream. Das fanden auch die Zuschauer und applaudierten begeistert.

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