Tötungsdelikt in Krefeld: Ex-Freund gesteht, 69-jährigen Rentner erstochen zu haben

Tötungsdelikt in Krefeld : Ex-Freund gesteht, 69-jährigen Rentner erstochen zu haben

Schneller Fahndungserfolg: Ein 60-Jähriger gesteht, den Senior getötet zu haben. Der Täter brauchte Geld für Frauen. Das Opfer verblutete in seiner Wohnung.

Der 69-jährige Rentner, der am Montag von Nachbarn tot in seiner Oppumer Wohnung aufgefunden war, ist von einem Ex-Freund am Sonntagabend mit einem rund 30 Zentimeter langen Haushaltsmesser getötet worden. Zuvor war es zu einem Streit um Geld gekommen. „Der Täter sprach von einem Blackout und hat eingeräumt, mehrfach auf sein Opfer eingestochen zu haben“, sagt Gerd Hoppmann, Leiter der Mordkommission. Das Messer und  600 Euro, die das Opfer am Freitag von einer Bank  abgehoben hatte, bleiben verschwunden. Hoppmann: „Er will nach der Tat zum Rhein gefahren sein und das Messer in den Fluss geworfen haben.“ Die Staatsanwaltschaft hat  Haftbefehl wegen Totschlags beantragt. „Die Untersuchungen werden fortgesetzt. Eine Anklage wegen Mordes ist nicht ausgeschlossen“, sagt Staatsanwältin Anna Stelmaszczyk.

Erst war es jahrelange Freundschaft, dann kam es zum Streit, am Ende musste ein Mensch sterben - so fasste Hoppmann, die Ereignisse rund um das Geschehen an der Werkstättenstraße in Oppum zusammen. Ursache der Auseinandersetzungen zwischen den beiden Männern waren kostenintensive Frauengeschichten des 60-Jährigen. „Er ist hoch verschuldet, hat sich überall Geld geliehen“, erklärt der Chef der Mordkommission.

Zu einer ersten Auseinandersetzung sei es bereits am 17. Dezember 2018 gekommen. In deren Folge wurde der 69-Jährige unter anderem mit einem Oberschenkelhals- und einem Nasenbeinbruch ins Krankenhaus eingeliefert. „Er erklärte dort allerdings, dass er über eine Mülltonne gefallen sei“, sagt Hoppmann. Tatsache ist: Schon damals hatte der 69-Jährige dem Ex-Freund vorgeworfen, ihm 500 Euro gestohlen zu haben.

Polizeisprecherin Karin Kretzer, Gerd Hoppmann, Leiter der Mordkommission, und Staatsanwältin Anna Stelmaszczyk bei der Pressekonferenz. Foto: Joachim Nießen

Nach Aussage des Tatverdächtigen war das auch der Grund, warum er ihn am Sonntag erneut in der Wohnung aufgesucht habe. „Er gab in der Vernehmung an, dass er noch einmal ein Gespräch suchen wollte“, beschreibt Hoppmann die Situation. Während der allein lebende Rentner und Vater eines Sohnes dabei war, sein Abendessen zuzubereiten, sei es zu der Auseinandersetzung gekommen, die tödlich endete. Mit dem etwa 30 Zentimeter langen Küchenmesser, das auf dem Wohnzimmertisch gelegen haben soll, habe der 60-Jährige immer wieder auf das am Boden liegende gehbehinderte Opfer eingestochen. Die Obduktion ergab eine Vielzahl tiefer Stiche ans Hals und Kopf sowie im Oberkörper. „Wir haben Abwehrverletzungen an Armen und Händen des Toten feststellen können“, ergänzt der Ermittler.  Der Angreifer gab an, über den 69-Jährigen eine Decke gelegt zu haben, die er auf dem Sofa gefunden hatte. Die Mediziner sind überzeugt, dass das Opfer zu diesem Zeitpunkt noch gelebt hat. Der Rentner sei nicht schnell verblutet: „Wir können für ihn nur hoffen, dass er bereits bewusstlos war.“ Er habe sein eigenes Blut eingeatmet und sei daran erstickt.

Bereits wenige Stunden, nachdem Nachbarn den Toten bei einem Blick durchs Fenster der Erdgeschosswohnung entdeckt hatten, wurde der 60-Jährige ein erstes Mal befragt. Konkrete Hinweise habe es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben. Erst zwei Zeuginnen, die den „nervös wirkenden“ Beschuldigten zur Tatzeit in der Nähe des Tatorts gesehen hatten, brachten die Fahnder schließlich auf die entscheidende Spur. In der folgenden Vernehmung räumte der Ex-Freund das Geschehen ein. Zusätzlich belastete ihn eine tiefe Schnittverletzung am linken Daumen. „Anfangs erklärte er, dass er sich diese beim Spülen an einem zerbrochenen Glas zugefügt habe“, sagt der Kripo-Kommissar. „Das konnte durch die  Experten schnell widerlegt werden.“

Am Freitag erfolgte eine Video-Tatrekonstruktion mit dem Beschuldigten am Tatort. „Die Ergebnisse fließen in die weiteren Ermittlungen ein“, sagt Staatsanwältin Stelmaszczyk. Der 60-Jährige bestreitet indes vehement, die verschwundenen 600 Euro des Opfers an sich genommen zu haben. Sollten die Ermittler diese doch noch bei ihm finden, ist eine Anklage wegen Mordes nicht ausgeschlossen.

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