1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Tim Linde stürmt mit Tauf-Lied in die Charts

Hamburg : Krefelder stürmt mit Tauf-Lied in die Charts

Tim Linde wollte eigentlich nur seiner kleinen Tochter eine Freude machen. Jetzt startet er überraschend eine Zweitkarriere als Musiker. "Wasser unterm Kiel" heißt sein Lied, das nun in den Charts ist.

So richtig glauben kann Tim Linde das alles immer noch nicht, das hört man ihm an. Mit jedem Satz scheint er sich vergewissern zu wollen, dass seine Geschichte wahr ist - die Geschichte eines Vaters, der mit einem Tauf-Lied für seine kleine Tochter unerwartet einen Plattenvertrag bekommt und mit dem Titel sofort in den Hitlisten landet. Aber sie ist wahr. Bei den WDR 4-Hörer-Charts steht Linde bereits auf Platz eins, bei Media Control startete er auf Platz 73. Entsprechend groß ist der Rummel um seine Person. "Momentan fühle ich mich jeden Abend wie nach dem Schleudergang in der Geschirrspülmaschine", sagt der 37-Jährige. Wer nicht glauben will, muss fühlen.

Den Anfang nahm Lindes wundersame Musikkarriere bei der Taufe seiner kleinen Tochter. Ein Lied sollte her, etwas Unprätentiöses, das aber zugleich Rüstzeug fürs Leben transportiert. Die Idee lieferte Lindes von Schiffstaufen begeisterter Sohn, als er fragte, ob sie der Schwester auch Wasser unterm Kiel wünschten. "Wasser unterm Kiel" heißt das eingängige Lied nun, und es orientiert sich textlich an den zehn Geboten. (Hier geht's zum Lied bei Youtube). "Allerdings wollte ich meine weltliche Sicht der Dinge vermitteln", sagt Linde, der aus Krefeld stammt, aber mit seiner Familie in Hamburg lebt. An einer Stelle heißt es etwa: "Mach dich vor keinem Menschen klein, du bist gemacht, um frei zu sein", an einer anderen "Dein Wort soll stehen wie in Stein, kein Mensch soll jemals sicher sein vor deiner Ehrlichkeit".

Tim Linde und einige Freunde tragen den selbst geschriebenen Song während der Tauffeier für seine kleine Tochter in einer Hamburger Kirche vor. Foto: TL

Gedacht war das Lied nur für einen kleinen Kreis. Linde, zuletzt musikalisch aktiv während seiner Schulzeit, spielte bei der Taufe Gitarre und Mundharmonika, Freunde und der Pastor begleiteten ihn. Um den Gästen eine Freude zu machen, brannte Linde den Song auf eine CD und verschenkte sie. "Ein paar Wochen später klingelte das Telefon, und ein Mann namens René Münzer meldete sich: Ob ich Interesse hätte, das Lied zu veröffentlichen", erzählt Linde. Münzer ist Musikproduzent, hat etwa mit der Band Orange Blue gearbeitet und der Sängerin Schné. Linde fiel aus allen Wolken. "So läuft das doch heutzutage nicht mehr in der Musikindustrie", sagt er fast entsetzt. "Wenn ein Song veröffentlicht wird, ist das ein Resultat von Marktstudien und nicht ein Zufallsfund."

Münzer jedoch glaubte an das Lied, ließ es mit professioneller Unterstützung neu einspielen und ein Video dazu drehen. Seit ein paar Tagen ist die Single auf dem Markt, ein Album soll folgen, wahrscheinlich im Herbst. Es soll Lieder enthalten, die Linde zwar im Laufe seines Lebens geschrieben hat, aber nie mit der Absicht, sie zu veröffentlichen. "Ich will mich aber nicht unter Druck setzen", sagt Linde. Für ihn ist es wichtig, Familie, Beruf und das neue Musikerleben harmonisch zu verbinden. Linde betreibt gemeinsam mit einem Geschäftspartner eine Industriemedienagentur in Hamburg, dazu hat er ein Haus gekauft, das noch umgebaut werden muss. Der 37-Jährige muss sich also um etliche Baustellen gleichzeitig kümmern. "Der Zeitpunkt für die Platten-Veröffentlichung hätte ungünstiger nicht sein können."

Die Familie aber steht hinter ihm, sonst hätte er den Schritt auch nicht gewagt. Seinen Job wird er ebenfalls nicht vernachlässigen, das wäre aus seiner Sicht grob fahrlässig. "Ich kann doch gar nicht einschätzen, wie es musikalisch weitergeht", sagt er. Immerhin hat Linde aber einen Plan, wie er mit etwaigen Auftritten umgehen will. "Wenn mich jemand sehen will, dann mache ich das."

(RP)