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Krefeld: Tierquälerei: Die Angst kommt zurück

Krefeld : Tierquälerei: Die Angst kommt zurück

Zwei Personen, die in Krefeld der Tierquälerei verdächtigt werden, sind wieder auf freiem Fuß. Die Tierhalter sind in großer Sorge. Die Pferdebesitzer am Niederrhein organisieren wieder Wachen und überlegen, wie sie ihre Tiere schützen können .

Für wenige Tage sah es so aus, als könnten die Pferdebesitzer in Krefeld und den Nachbarorten wieder in Ruhe schlafen. Die Polizei hatte Ende vergangener Woche einen Krefelder festgenommen, der im Verdacht stand, in den vergangenen Wochen in Krefeld und Moers ein Schaf und ein Pony getötet und drei weitere Tiere durch Messerstiche schwer verletzt zu haben. Jetzt hat die Polizei zwar ein erstes Geständnis eines anderen mutmaßlichen Täters — aber beide möglichen Tierquäler sind auf freiem Fuß (siehe Bericht Seite A 8). Die Sorge bei den Tierhaltern wächst wieder. Seit Mittwoch organisieren Pferdebesitzer am Niederrhein wieder Wachen und überlegen, wie sie ihre Tiere schützen können. Die Polizei hält die Gefahr einer erneuten Tat aber für wenig wahrscheinlich.

Die neue Entwicklung überraschte auch Staatsanwaltschaft und Polizei. Der erste Tatverdächtige (Krefelder, Mitte 30) ist mangels akuter Beweise wieder zwei. Im Zuge dieser Ermittlungen gab es Hinweise auf einen zweiten Täter, zu dessen Geschlecht die Polizei keine Angaben macht. Dieser ist teilgeständig, zeigte der Polizei den Schafkopf; offenbar hat er den Schafbock getötet. Details gab die Polizei nicht preis; weder zum neuen Tatverdächtigen noch zum Fundort des Kopfes.

"Mein Mann wird heute und morgen Nacht wieder bei den Tieren schlafen", kündigt Ute Hinkelmanns aus Moers-Kapellen an. Ihr Shetlandpony Amy war von dem oder den Unbekannten mit mehreren Stichen schwer verletzt worden. Die Tat geschah an einem Mittwochabend. Der Täter schlug bislang nur mittwochs oder donnerstags zu. "Die Wunden sind gut verheilt", sagt Ute Hinkelmanns. Sie hat kein Verständnis dafür, dass man die Verdächtigen aus der Haft entlassen hat. "Leute, die so etwas tun, können doch nicht richtig im Kopf sein", sagt sie.

Wilfried Albishausen, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter in NRW, weiß jedoch aus eigener Erfahrung, wie schwierig es mitunter ist, selbst Serientäter in Untersuchungshaft zu nehmen. "Wenn nicht bereits eine Vorstrafe von mehr als einem Jahr vorliegt und auch keine Flucht- oder Verdunkelungsgefahr vorliegt, verhängen Haftrichter in Deutschland nur selten eine Untersuchungshaft." Und für die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt müssten erhebliche psychische Störungen vorliegen. Albishausen kann die Unruhe der Bürger verstehen: "Bei solchen Tätern liegt oft auch ein Potenzial vor, Gewalt gegen Menschen auszuüben."

Auf dem Gelände des Krefelder Kinderbauernhofes Mallewupp war am 24. Mai entdeckt worden, dass ein Schafsbock geköpft worden war. Unter den Auswirkungen dieser grässlichen Tat leiden dort alle bis heute. Leiterin Silvia Schiratti hat sich inzwischen mit der Polizei abgesprochen. Sie wollte sich nicht mehr "in Schrift und Bild" zu den Vorgängen äußern. Hans Korfmacher, auf dessen Weide in Traar das Pony Sindbad getötet wurde, hat keine Angst, dass sich der Vorfall jetzt wiederhole. Er hat die Tiere sogar wieder auf die Weide gelassen. Aber ein "blödes Gefühl" kann er trotzdem nicht abstreiten.

Franz-Josef Berg vom Windbergshof und Paternhof in Hüls hat mit der Gefahr einer Wiederholung "schon ein Problem". Seine Tiere bleiben über Nacht alle im Stall; sie draußen auf der Weide zu lassen, ist ihm "zu heikel". Der oder die Täter hätten sich ja immer ein Tier ausgesucht, das unbewacht war. "Wir lassen unseren Hund auf dem Hof herumlaufen." Und draußen sei kein Tier unbewacht. Viele Hülser sehen sich außerdem räumlich "ein bisschen" entfernt von den Tatorten.

Rolf-Peter Fuß, Geschäftsführer der Reiterlichen Vereinigung, hält nichts von Stallwachen, besonders nicht, wenn Jugendliche beteiligt sind. Er empfiehlt stattdessen, die Ställe abzuschließen.

Das findet der Moerser Dieter Huppers (78) jedoch nicht praktikabel. "Bei dieser Hitze muss man Fenster und Türen im Stall aufhalten. Das bringt also gar nichts." Er hat 30 Pferde auf Weiden im Krefeld-Moerser Grenzgebiet stehen. Nach den Attacken auf die Pferde hatte er sie auf weiter entfernt gelegene Koppeln gebracht, sie nach der Festnahme aber wieder zurückgebracht. Jetzt will er sie erneut in Sicherheit bringen. "Ich habe sogar schon darüber nachgedacht, zur Abschreckung einen Hochsitz auf der Weide aufzustellen", sagt Huppers. "Im Grund haben wir doch jetzt wieder die gleiche Situation wie vor der Festnahme."

(RP)