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Stahlproduktion in Krefeld: ThyssenKrupp-Sparte Inoxum wird verkauft

Stahlproduktion in Krefeld : ThyssenKrupp-Sparte Inoxum wird verkauft

Der Thyssen-Krupp-Konzern verkauft seine Edelstahlsparte Inoxum an das finnische Unternehmen Outokumpu. Die Stahlproduktion in Krefeld wird 2013 zwar beendet, der Standort Krefeld wird jedoch in der Kaltwalzphase gestärkt und sogar ausgebaut.

Dies ist das wichtigste Ergebnis des neuen Kompromisses; in langen Verhandlungen haben sich das ThyssenKrupp-Management, Outokumpu und die Arbeitnehmerseite am Dienstagmorgen um 4 Uhr auf einen Kompromiss geeinigt. Dies geht aus einem Schreiben hervor, das Dienstagmorgen die IG Metall versendete.

Die Finnen geben demnach eine Standortgarantie für beide Werke in Bochum und Krefeld bis 2015. Betriebsbedingte Kündigungen sind an allen Produktionsstandorten für vier Jahre ausgeschlossen. Dienstag um 17 Uhr muss der Aufsichtsrat der ThyssenKrupp AG seine Zustimmung erteilen. Eine Kampfabstimmung nach dem neuen Kompromiss ist verhindert. Die Arbeitnehmer wollen zustimmen.

Schmerzhaft ist für die Krefelder Belegschaft des Nirosta-Werkes, dass die "Flüssigphase" der Stahlproduktion eingestellt wird. 500 Arbeitsplätze hängen an der Produktion. Die Produktion im Stahlwerk Krefeld wird am 31. Dezember 2013 beendet. Der Kaltwalzwerkstandort Krefeld bleibt erhalten und wird weiter zum Forschungs- und Entwicklungszentrum ausgebaut.

Das betrifft auch die Weiterentwicklung der Bandgießtechnologie bis Ende 2013 am Standort. Die Verlegung des Werkes Düsseldorf-Benrath nach Krefeld soll weiterhin erfolgen, die durch Thyssen-Krupp versprochenen Investitionen von 244 Millionen Euro in den Standort Krefeld sollen umgesetzt werden.

In Bochum soll der Stahl weiterhin in der "Flüssigphase" produziert werden, mindestens bis 31. Dezember 2016. Ihre Wirtschaftlichkeit wird Ende 2015 überprüft. "Die Chance, sie über 2016 hinaus weiterzuentwickeln, besteht", schreiben die Arbeitnehmervertreter.

Die Transaktion bewertet Inoxum mit rund 2,7 Milliarden Euro. Doch soll der Essener Stahlkonzern nur einen Teil der Summe in Bar erhaltenThyssenKrupp beteiligt sich mit knapp 30 Prozent an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen mit Outokumpu. Die Arbeitnehmer hoffen, dass ThyssenKrupp damit in der Verantwortung bleibt. Überprüft werden muss noch, ob diese Beteiligung an Outokumpu kartellrechtlich abgesichert ist.

Bernd Kalwa, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates Inoxum GmbH, betont den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen für die Beschäftigten der Stainless: "Vier Jahre Schutz vor betriebsbedingter Kündigung ist ein Erfolg. Das ist eine 1a-Sicherung per Tarifvertrag.", sagte Bernd Kalwa.

Als herbe Enttäuschung für die Krefelder Belegschaft wertet er die Stahlwerksschließung. "Für die Kolleginnen und Kollegen ist diese Schließung des Stahlwerkes eine Zumutung. Das wird trotz der forcierten Fortführung der Bandgießtechnologie und der Investition in die Zukunft des Standortes Krefeld zum herben Einschnitt für den Standort."

Bertin Eichler, Vorstandsmitglied der IG Metall, sagte nach dem Kompromiss: "Wir haben kein Ergebnis erreicht, das zum Jubeln Anlass bietet. Für die Beschäftigten und ihre Familien konnten wir aber Arbeitsplätze, Einkommen und Perspektiven absichern."

Krefelds DGB-Chef Ralf Köpke glaubt, dass dies für Krefeld insgesamt ein akzeptabler Kompromiss ist: "Aber das die Stahlproduktion am Standort Krefeld endet, ist sehr schmerzhaft."

Am Vormittag nahm auch der Outokumpu-Konzern zur Einigung Stellung. Konzernsprecher Karin Tuutti bestätigte die Rahmendaten des Vertrages. Demnach sei in Deutschland eine Reduzierung der Inoxum-Belegschaft um insgesamt 850 Arbeitsplätze geplant. ThyssenKrupp wolle für 600 Mitarbeiter neue Jobs bei ThyssenKrupp anbieten. Weiter sagt Tuutti: "Die vorgesehene Einigung sieht vor, dass Inoxum für 2,7 Milliarden Euro gekauft wird." Eine Milliarden Euro zahlt Outokumpu an ThyssenKrupp, ThyssenKrupp erhält dafür Anteile in Höhe von 29,9 Prozent an Outokumpu

Hier geht es zur Bilderstrecke: Krefelder Stahlarbeiter demonstrieren in Bochum

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