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Krefeld: Theater setzt auf Stadionstimmung

Krefeld : Theater setzt auf Stadionstimmung

Das Theaterparkett wird zur Südkurve: Das ist die Erfahrung von Regisseur Tobias Wessler. Er ist fest überzeugt, dass die Revue "Wir sind Borussia" auch in Krefeld brummt.

Rainer Bonhof ist glühender Günter-Netzer-Fan. Und damit steht er nicht allein. Wenn Bruno Winzen mit der ewigen Kicker-Mähne im grauen Anzug den Ausnahmefußballer mimt, dann hört er oft das Kompliment: "Genau so war er, unser Jünter". Mit der Revue "Wir sind Borussia" werden Erinnerungen an die glorreichen Zeiten der Fohlenelf widerbelebt und die Liebe zum Fußball gefeiert. Am Samstag ist Premiere im Theater.

"Uns ist es ganz wichtig, dass wir niemanden karikieren. Wir haben eine theatralische Liebeserklärung an die Borussia im Sinn gehabt. Und so ist es auch verstanden worden", sagt Tobias Wessler, der gemeinsam mit Martin Maier-Bode eine Uraufführung auf die Bühne gebracht hat, die in Mönchengladbach Tabellenführer war. Fast 100-prozentige Auslastung hatte das Stück dort, etliche Zusatzvorstellungen wurden angesetzt. Im Februar, wenn es in Krefeld abgespielt ist, geht es im Rheydter Haus in die Verlängerung.

Den Erfolg erklärt sich Wessler damit, dass die Zuschauer im Theater Stadiongefühl erleben. Bei den ersten Vorstellungen waren die schwarz-weiß-grünen Devotionalen im Zuschauerraum nur sparsam eingesetzt. Zuletzt habe das Parkett einem vereinsfarbenen Meer geglichen: "Trikots und Schals sind ausgesprochen erwünscht", sagt er. "Es ist ein Stück, das erreicht, was heute sehr selten ist: ein generationenübergreifendes Vergnügen. Da sitzen Großeltern, Eltern und Kinder."

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Und dabei müsse niemand Borussen- oder Fußballfan sein. "Wir bieten keine kritische Auseinandersetzung, aber wir vermitteln auch keinem ein komisches Gefühl - ob Fan oder nicht", sagt Wessler. Selbst Ultras hätten ihm das nach den Vorstellungen bestätigt. Wenn die "Düpp-Düpp"-Torhymne angestimmt wird, sind alle gleich - ob im Parkett oder auf der Bühne. Maier-Bode ist sich sicher: "Wer in den 70er Jahren in dieser Region Kind war, ist an der Borussia nicht vorbei gekommen." Und dieses Gefühl trage den Abend. Eine warmherzige Geschichte von treuen Fans und die Ur-Rivalität mit Köln bieten den Handlungsrahmen für den Abend, der mit Livemusik von Willi Haselbek und seiner Band sowie flotten Showtänzerinnen Stimmung machen soll. "Fußball ist in Deutschland Kulturgut. Er spricht alle Bevölkerungsschichten an und verbindet sie", betont Wesseling. Und wenn die Revue eine Botschaft habe, dann die, dass Rivalität auf dem Fußballfeld die Liebe zum eigenen Verein eigentlich erst richtig schön macht.

Deshalb sei die Borussia auch in Krefeld die richtige Mannschaft. "Sie hat auch hier viele Fans. Hätte der Uerdinger FC damals solche Erfolge gehabt...", meint Wessler. Aber das sei letztlich egal. Denn Gladbach und Krefeld seien mittelgroße Städte, die beide ähnliche Probleme hätten, weil sie im Schatten von Düsseldorf oft übergangen würden. Krefeld komme im Übrigen auch im Stück vor. Und dass Fan-Liebe ein besonderes und inniges Gefühl ist, habe sich bei den Proben gezeigt: Ein Schauspieler habe die Borussia-Passagen in den Fan-Gesängen immer weggenuschelt, solange er nicht auf der Bühne stand. Ein anderer trage auch bei den Vorstellungen ein Amulett mit dem Logo seines Herzensvereins - natürlich unsichtbar unterm Trikot. Fußballliebe brennt eben heiß.

"Wir sind Borussia", Premiere Samstag, 23. September, 19.30 Uhr, Theater Krefeld. Kartentelefon 02151 805125. Bei der Premiere ist Stadionsprecher Thorsten Knippertz dabei.

(RP)