1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Theater Krefeld zeigt Wagners "Walküre 1. Akt" ganz ohne Anfassen

Theater in Krefeld : Wagners Walküre – ganz ohne Anfassen

Das Theater zeigt den ersten Akt der Wagner-Oper – zugeschnitten auf die Corona-Vorgaben. Die Partitur ist kammermusikalisch konzentriert, die Geschichte auf die Ehekrise fokussiert. Am Sonntag ist Premiere.

Sie ist der Anfang vom Untergang: „Die Walküre“ hat Richard Wagner auf den ersten Tag seines „Rings des Nibelungen“, seines „Bühnenfestspiels für drei Tage und einen Vorabend“, gesetzt – nach dem „Rheingold“ im Vorspiel und vor das Heldenabenteuer „Siegfried“ und den Untergang in „Götterdämmerung“. Ein Vierteljahrhundert hat der Komponist an seinem Monumental-Opus gearbeitet: Wer den gesamten „Ring“ sehen will, braucht Sitzfleisch für mindestens 16 Stunden. Dass es auch kürzer geht, hat Loriot mit „Der Ring an 1 Abend“ bewiesen.

Jetzt tritt das Theater an, um zu zeigen, dass der große Wagner noch kleiner geht. „Walküre 1. Akt“ dauert eine Stunde und hat am Sonntag, 4. Oktober, um 18 Uhr Premiere.

Dorothea Herbert (links) und Markus Petsch singen Sieglinde und Siegmund.  Foto: Matthias Stutte

Die kammermusikalische Version für zwei Klaviere, ein Cello und Schlagwerk ist schon so, als hätte der Maestro einen Geniestreich für Corona-Zeiten geschaffen. Auch die Personnage: drei Personen. An Siegmund, Sieglinde und Hunding lässt sich die ganze  Verstrickung zur großen Tragödie erzählen. „Der erste Akt ist wie eine in sich geschlossene Oper. Aber mit einem für Wagner ungewöhnlichen happy End“, sagt Operndirektor Andreas Wendholz.

Eitel Glück ist es allerdings nicht, eher ein Ehedrama: Sieglinde ist entführt und mit Hunding verheiratet worden, den sie nicht liebt. Als Siegmund auftaucht, bringt er die kriselnde Ehe zum endgültigen Scheitern. Denn Siegmund gelingt es, das in eine Esche gerammte Schwert herauszuziehen, was nur einem Auserwählten  gelingen kann. Nun ist Sieglinde und Siegmund klar, dass sie zusammengehören. Sie sinken sich in die Arme und zeugen Siegfried. Aber: Sieglinde und Siegmund sind Zwillinge.

Der erste Akt steckt voller lodernden Verlangens – und ist doch Corona-tauglich, meint Regisseur Ulrich Proschka. Denn es geht um unterdrückte Gefühle. „Ich habe gezählt: 70-mal schreibt Wagner im Text vom Blick oder vom  Auge – entweder als Regieanweisung oder es wird von sehen und schauen gesungen. Bei einem gut 60-minütigen Stück also jede Minute mindestens einmal. Es muss Wagner wichtig gewesen sein, dieses Geflecht unausgesprochener Beziehungen einzubringen“, sagt er. Intensität könne sich auch ausdrücken, wenn sich Liebende nicht sofort umklammern. Das Corona geschuldete Kontaktverbot hat er zur Grundlage genommen. Es entspreche der Begegnung mit dem Fremden, aber auch der Beziehung Sieglindes zu ihrem ungeliebten Ehemann, dem sie nicht nahe kommen will.

Matthias Wippich singt die Partie des Hunding. Die Sieglinde ist mit Eva Maria Günschmann und Dorothea Herbert doppelt besetzt, die Rolle des Siegmund ebenfalls. Dafür sind zwei Gäste verpflichtet: Tobias Haaks und Markus Petsch, die eigentlich für die „Salome“ besetzt waren, die im Ersatzspielplan des Theaters nicht auf die Bühne kommen kann.

Udo Hesse hat dem Werk aus den 1850er Jahren eine gegenwärtige Ausstattung gegeben.