Theater Krefeld zeigt die Revue "Let's Stop Brexit" von Ulrich Proschka

Theater in Krefeld : Theater zeigt Anti-Brexit-Revue

Zwei Abgeordnete des britischen Unterhauses wollen den Brexit verhindern. Dazu entwickeln sie irrwitzige Pläne: Ulrich Proschka hat fürs Theater aus dieser Idee eine Musik-Revue entwickelt: „Let’s Stop Brexit!“. Am 27. November ist Premiere. Karten gibt es nur noch für wenige Vorstellungen.

London. Es ist die Zeit, in der Theresa May Premierministerin war und May noch für „Maybe“ stand. Der Brexit ist eine drohende Gewitterwolke über dem Unterhaus. Ein Thema, das eigentlich auch fürs Theater in der Luft lag, fand Operndirektor Andreas Wendholz. Als bekennender England-Fan hatte er die komischen Opern des britischen Duos Gilbert und Sullivan im Kopf, die seit dem 19. Jahrhundert Publikumsrenner sind. Ulrich Proschka vertiefte sich in deren Repertoires, wählte zwei Dutzend Songs aus – und „Let’s Stop Brexit! Keep Calm an Drink Tea“ stand.

Soweit die Lage im Sommer 2018. Im September hatte das Stück Premiere in Mönchengladbach. Da  hatte Proschka den Schluss bereits einmal verändert. Am Mittwoch, 27. November, hat die Revue Premiere auf der Krefelder Bühne – und wieder hat Proschka das Ende der aktuellen Situation angepasst. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so kommen würde. Aus der Utopie ist ein Historiendrama geworden. Es war ein ständiges Bangen vom ersten Probentag an“, erzählt er. In  Gladbach ist das Stück ein Publikumsrenner gewesen. In Krefeld sind bereits so viele Karten verkauft, dass die Generalprobe am Dienstag, 26. November, eine öffentliche Vor-Aufführung ist (zu reduziertem Eintrittspreis).

Der legendäre Schuhschrank von Theresa May spielt im Stück natürlich auch eine Rolle. Foto: Matthias Stutte

Die Geschichte ist eine „My Fair Lady“-Variante: Zwei Abgeordnete des britischen Unterhauses, Henry Crowfield (nach Kräh-feld benannt), und Matthew Plainbrooke (= Glad-bach) wollen den Brexit verhindern. Es ist der Tag vor der endgültigen Entscheidung, die Wahlanalysen deuten auf eine Patt-Situation hin. Mays Rede im Parlament wird die Entscheidung bringen. Die Lady hat eine eiserne Meinung, wie Britannien wieder zu strahlender Größe kommen soll. Deshalb brauchen die Herren einen Plan. In einem Pub entdecken sie eine Kellnerin, die May frappierend ähnlich sieht. Die Sache ist klar: Premierministerin entführen, Kellnerin auf Spitzenpolitikerin trimmen (wie einst Blumenmädchen Eliza gsellschaftsfähig gemacht wurde) und eine vorgefertigte Rede gegen den Brexit verlesen lassen.

Das Unternehmen ist mit allerlei Verwechslung, Komik und vor allem mit viel Musik versehen. Proschka hat Musiknummern aus „HMS Pinafore“, „The Pirates of Penzance“, „Princess Ida“ und weiteren Gilbert-und-Sulivan-Opern neu zusammengestellt. Martin Brenne hat sie musikalisch neu arrangiert. Ein zehnköpfiges Orchester wird sie unter der Leitung von Yorgos Ziavras umsetzen.

Das Besondere an der Revue: Es ist eine sogenannte On-Stage-Produktion, das bedeutet, dass die Zuschauer mit den Akteuren auf der Bühne sitzen, mitten im Geschehen. „Sie haben sogar die Wahl, ob sie bei den Konservativen oder bei der Labour Party sitzen wollen“, sagt Wendholz. Christine Knoll wird die Bühne in das House of Commons verwandeln, mit dem markanten riesigen, beladenen Tisch in der Mitte. Es wird eine Reihe von sehr britischen Details geben, wie die Schwertlinie, die Redner im Parlament nicht übertreten dürfen. Und natürlich auch einen überdimensionalen Schuhschrank, den Mays persönliche Assistentin Mabel pflegt. Die wird gespielt von Gabriela Kuhn. Debra Hays schlüpft in die Schuhe von Theresa May, die Minister sind Markus Heinrich und Matthias Wippich.

Wenn die letzte Vorstellung am 28. Dezember abgespielt ist, kann Proschka aufatmen. Dann muss sein „Brexit“-Beitrag nicht mehr nachgebessert werden. Der historische Rückdreh in die May-Ära gehe als Bühnenstück auf, findet er. „Katastrophal wäre es gewesen, wenn sie einfach sang- und klanglos abgetreten wäre.“

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