Theater Krefeld: Mozarts Zauberflöte als Star Wars Inszenierung

Spielzeitstart im Theater Krefeld : Mozartoper mit Yoda und Jedirittern

Fulminanter Spielzeitstart: Elf Minuten lang applaudierte das Premierenpublikum. Kobie van Rensburgs Idee, die „Zauberflöte“ mit Star-Wars-Elementen und High Tech zu inszenieren, ist grandios. Mozart wäre Fan gewesen.

Die Bühne strahlt in universumsblauem Licht. Zwischen Sternen und Asteroiden läuft der Vorspann: „...vor langer Zeit, in einer vielleicht nicht ganz so weit entfernten Galaxis...“. Dann: ein Raumschiff. Auf dem Bordcomputer blinkt das Alarmzeichen „Danger“. Prinzessin Pamina ist in Panik. Fremde Mächte versuchen, die Tochter der sternflammenden Königin in ihre Gewalt zu bringen. Aus einem anderen Teil der Galaxis nähert sich Prinz Tamino in einem schnittigen Orbit-Flitzer - der rettende Held im Krieg zwischen den Sternen. Doch noch sind beide Lichtjahre voneinander entfernt.

Der Abend beginnt wie im Kino. Schon in den ersten Sekunden blitzt und knallt es, fliegen dem Zuschauer Meteoritenbrocken und Laserblitze entgegen. Es ist viel los auf der XXL-Leinwand, die den kompletten hinteren Teil der Bühne einnimmt. Aber auch im Orchestergraben geht es rund: Die Ouvertüre zur „Zauberflöte“ funkelt und strahlt. Der perfekte Soundtrack zum Science-Fiction-Blockbuster. Kobie van Rensburg hat eine kühne Idee umgesetzt. Er hat Mozarts berühmteste Oper mit Elementen aus Star Wars und anderen Weltraumrennern bebildert, verwegen Blue-Screen-Technik und Theatermittel gemischt und ein ebenso verblüffendes wie fantastisches Fantasieopus geschaffen.

Die Welt der Geheimbünde, die Musik aus dem 18. Jahrhundert und die Hollywoodfilme funktionieren zusammen grandios. Nur ist vor van Rensburg keiner darauf gekommen. Dabei fliegt seit 1977 die Arie der Königin der Nacht auf goldener Schallplatte mit zwei Nasa-Weltraumsonden durchs All, die in andere Sonnensysteme vorstoßen sollen. Mozarts Koloraturen, gesungen von Edda Moser, könnten die ersten Klänge sein, die Außerirdische vom blauen Planeten vernehmen.

Die 1791 uraufgeführte Zauberflöte lässt sich außerdem leicht als Sternenkriegergeschichte lesen mit Mondkriegern und dunklen Mächten, mit Prüfungen für den Helden, mit Zauberwesen und geheimnisvollen Stimmen. So staunt und amüsiert sich das Publikum, wenn Vogelfänger Papageno mit R2D2 aufläuft, wenn die niedlichen Ewoks oder die piepsstimmigen Schrottsammler auftauchen, wenn Yoda grüßt oder die Krieger, die im Film immer nur bis aufs Äußerste kämpfen, plötzlich tanzen. Die Königin der Nacht sucht ihre in Sarastros Reich gefangene Tochter in der Gestalt von Darth Vader auf und spricht: „Ich bin’s deine Mutter“, und die Priester haben die markanten Vulkanier-Spitzohren.

Wer bei den ersten Bildern noch Hochverrat an der ehrwürdigen Klassik vermutete, ist schnell versöhnt. Van Rensburg bringt Hochkaräter zusammen, die als Paar doppelte Zugkraft entwickeln. Er karikiert nicht, macht sich niemals lustig. Aber seine Fantasie ist überbordend. Das Auge hat viel zu tun. Denn diese Zauberflöte spielt auf drei Ebenen. Auf der Bühne agieren die Sänger. Drei Videokameras filmen sie und übertragen die Szene auf die Großleinwand über der Bühnenhandlung. Was auf der Bühne blau ist, erkennt die Kamera nicht. So lassen sich die Personen in fantastische animierte Landschaften projizieren. Oben Film und unten seine Entstehung sind zeitgleich zu erleben. Optische Entschleunigung gibt es, sobald sich ein Gazeschleier vor der Bühne senkt. Dahinter spielt die Geschichte mit den klassischen Theatermitteln ohne Animation.

Auch das Ohr hat zu tun. Diego Martin-Etxebarria führt die Niederrheinischen Sinfoniker so sicher wie Obi-Wan Kenobi. Er zieht das Tempo leicht an, lässt die Musik pointierter, manchmal schärfer klingen. Das Orchester entwickelt einen sehr modernen Ton, luftig und strahlend und perfekt im Dienste der Sänger. Das Ensemble besticht stimmlich und schauspielerisch. David Esteban gibt ein gepflegtes Debüt als neuer Tenor am Gemeinschaftstheater. Er verleiht dem Tamino eine weiche, bewegliche Stimme, die er in den dramatischen Passagen strahlen lässt. Als Gast glitzert und glänzt Judith Spiesser in der Rolle der Königin der Nacht mit eisgekühlten Koloraturen. Sophie Witte hat als Pamina in der Klage-Arie ihren anrührensten Moment. Als Sarastro füllt Matthias Wippich den Raum mit einem Bass, der tiefste Gefilde auslotet. Rafael Buck ist eine Idealbesetzung für den Papageno. Den Vogelmenschen mit der Irokesenfrisur lässt er zwischen Sonnyboy und Möchtegern-Held mit so viel Charme pendeln, dass nicht nur Papagena (Gabriela Kuhn) entzückt ist. Mozart hätte seinen Spaß gehabt.

Elf Minuten lang applaudierte das Publikum, dann gingen die Ovationen in rhythmisches Klatschen über.

Weitere Termine: 2., 5., 7. Oktober, 18. November und wieder ab Januar.
Dauer: 2 Std. 45 Minuten, eine Pause

Karten: Telefon 02151 805125

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