Soiree in der Fabrik Heeder Theatermacher aus Kamerun inszeniert Stück über die Kolonialgeschichte

Krefeld · Wer die Uraufführung von „Manoka Express“ sieht, erfährt nicht nur, wo die Insel liegt, sondern auch viel über deutsche Kolonialisten. Eine Soiree mit Probenbesuch bietet einen Vorgeschmack.

 Eine Szene aus der Uraufführung „Manoka Express“ mit der Wasserfrau (Eva Spott, rechts) und dem Mädchen (Katharina Kurschat)

Eine Szene aus der Uraufführung „Manoka Express“ mit der Wasserfrau (Eva Spott, rechts) und dem Mädchen (Katharina Kurschat)

Foto: Matthias Stutte

Im Mündungsgebiet des Wouri liegt die Insel Moulandé. So hieß sie zumindest, bis eine deutsche Ordensschwester in das Gebiet an der Atlantikküste Kameruns kam. Sie lebte dort mit den Einheimischen und hat einiges bewirkt. Denn nach ihrem Tod wurde sie dort auch beerdigt und die Insel im Gedenken an jene Schwester Monika in „Manoka“ umbenannt.

So weit die Geschichte, die auch Basis ist für die nächste Produktion der Reihe „Außereuropäisches Theater“. Am Sonntag, 28. April, hat „Manoka Express“ Premiere in der Fabrik Heeder. Schon vorab gibt Regisseur Martin Ambara Interessierten die Gelegenheit, mehr über die Produktion zu erfahren bei einer Soiree am Dienstag, 23. April, ab 17.30 Uhr im Foyer der Fabrik Heeder, Virchowstraße 130.

Martin Ambara kommt aus Kamerun. „Manoka Express“ ist ein Kapitel Geschichtsaufarbeitung. Denn vielen auch in seiner Heimat ist die leidvolle Geschichte von Manoka unbekannt. Vor dem Ersten Weltkrieg war Deutsch-Ostafrika sogenanntes Schutzgebiet - kurz: deutsche Kolonie. Manoka hat eine blutige Vergangenheit.

Ambara nimmt das Publikum „mit auf eine Reise an die Atlantikküste Kameruns. Unterhalb von Douala, ins Mündungsgebiet des Flusses Wouri und zur Insel Manoka, wo nicht nur eine aus dem Uferschlamm ragende Turmruine aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg von den Spuren der Kolonialherren des Deutschen Kaiserreichs zeugt“; so malerisch kündigt sich die Produktion auf der Homepage des Theaters an.

Martin Ambaras Stück „Manoka Express“ rast „durch die Zeiten und durch die verschiedensten Überlieferungen, die schroff gefügt und zu einem mitreißenden, rauschhaften Wort-Strom verbunden werden“. Bedeutet: Der Theatermacher hat sein Stück in Kamerun entwickelt, Einflüsse aus der Tradition seiner Heimat spielen hinein, zum Beispiel Gesänge zur Mvett, einer kamrunischen Zither. Kulturelle Quellen treffen auf biblische Geschichten; die koloniale und postkoloniale Zeit stößt an die Gegenwart.

Wie kann ein deutsches Ensemble so etwas spielen? Das ist die reizvolle Grundidee der Reihe „Außereuropäisches Theater“, die Matthias Gehrt, der damalige Schauspieldirektor, vor mehr als einem Jahrzehnt am Gemeinschaftstheater etabliert hat. Martin Ambara und Dramaturg Martin Vöhringer geben in der Soiree vielleicht eine Antwort. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, eine Probe zu besuchen.

Soiree: Dienstag, 23. April, 17.30 Uhr; Premiere: Sonntag, 28. April, 20 Uhr, jeweils in der Fabrik Heeder, Virchowstraße 130. Kartentelefon 02151 805125.

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