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Theater Krefeld im Corona-Modus: Wilhelm Tell begeistert das Publikum

Theater Krefeld : Theater im Corona-Modus – es geht

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen hat das Theater am Wochenende den Spielbetrieb gestartet. Das Publikum war zur Premiere noch verhalten. Von der Kopfkino-Version des „Wilhelm Tell“ waren viele überrascht, aber angetan.

„Das war unser erster Theaterabend seit Corona“, sagte ein Krefelder Ehepaar, „und die szenische Lesung von Wilhelm Tell hat uns sehr gut gefallen.“ Sie haben die Bühnenpremiere des Schillerschen Klassikers erlebt: „Die Konzentration auf das gesprochene Wort war ein Gewinn“, sagte der Ehemann, „das könnte öfter so sein.“

Am Wochenende hat das Theater seinen Corona-bedingt eingeschränkten Spielbetrieb aufgenommen. Das Theater in Krefeld hat 725 Sitzplätze. Davon können in diesen Zeiten knapp zehn Prozent besetzt werden, nämlich 70. Es ist eine besondere Atmosphäre. Und das Publikum ist zum Auftakt noch verhalten. Anders als spätere Vorstellungen ist diese nicht ausgebucht.

Die elf Schauspieler auf der großen Bühne haben das Publikum gekonnt in den Bann des Dramas gezogen. Sie saßen in einem Halbkreis an jeweils einem eigenen Tisch und waren so alle den Zuschauern zugewandt. Anders als beim Streaming im Mai, wo sie sich in einer Runde begegneten. Der Film ermöglichte den Wechsel von Totale zur Nahaufnahme, das ging im Theater prima mit einem Opernglas.

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Um den Erzähler in der Mitte des Halbkreises (Bruno Winzen) herum saßen die anderen zehn schwarz gekleideten Schauspieler. Vor ihnen auf dem Tisch das Schild, das ihnen die jeweilige Rolle zuordnete. Winzen war als einziger barfuß und der kluge Theaterfreund erklärte die Hervorhebung folgendermaßen: „Der Erzähler ist keine dramatische Figur; auf dem Theaterzettel stünde er mit seinen szenischen Anweisungen gar nicht.“

Das Drumherum fand das Zuschauer-Ehepaar „etwas befremdlich“ – mit so wenigen Gleichgesinnten hat man noch nie Theater genossen. Das Verhältnis war etwa 1:4, denn elf Darstellern sahen 43 Zuschauer, ausschließlich im Parkett, zu. Eintritt gab’s nur mit Voranmeldung. So konnte das Theater die Gäste in Gruppen zu drei oder vier, in Paaren oder auf Einzelplätze in angemessenem Abstand verteilen.

Einlass war eine halbe Stunde vor Beginn, so dass alle in Ruhe zu ihren Plätzen geleitet wurden. Die Wege hin und her, hinauf und hinab waren genau zu beachten. Gleich im Entree Desinfektionsspender, rechts und links ein Tresen. Jeder trug sich in die Liste zur Nachverfolgung ein, und jeder bekam einen eigenen gelb-weißen Stift, der nach Benutzung in eine Extrakiste wanderte. Das Theater bot übrigens auch Masken für den Notfall an (4 Euro, aus der eigenen Schneiderei), denn Betreten ohne war nicht drin. So ein bißchen wie in den 50ern, wenn einer versehentlich die Krawatte vergessen hatte.

Die Freundinnen Kordula Belfqih und Martine Damou waren hingerissen: „Das hatte ich nicht erwartet“, sagte Kordula Belfqih, „es war großartig.“ Sie hatte sich eine Aufführung des Klassikers „verstaubter“ vorgestellt. Angetan haben es ihr die Schauspieler: „Sie konnten so viel auswendig!“ Martine Damou hätte diesem „großartigen und spannenden“ Tell mehr Zuspruch gegönnt: „Es hätten gerne mehr Zuschauer sein können.“

Das war auch die Ansicht von Ehepaar Eichel, das die Aufführung bei einem Glas Wein ausklingen ließ. „Es war sehr gut, sehr intensiv“, sagt Sven Eichel. Er kennt seinen Schiller, die eingefügten, veränderten Textpassagen hat er deutlich bemerkt: „Der Sprachduktus war schlüssig, doch der neue Text ist mir immer aufgefallen.“ Sein Fazit: „Sehr positiv!“ Der Applaus für den Tell war groß, wenn man bedenkt, wie wenige ihn zustande brachten. Auf dem Spielplan für Juni hat dieses Stück die Markierung „Kopfkino“ erhalten – genau das ist mit „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller vortrefflich gelungen.

Die Aufzeichnung vom Mai ist abzurufen auf dem Youtube-Kanal des Theaters https://www.youtube.com/watch?v=2KTkY7rxrlQ