Krefeld: Symphoniker treffen Klang des Novembers

Krefeld: Symphoniker treffen Klang des Novembers

Mit dem Deutschen Requiem von Brahms begeisterten die Bayer Symphoniker und ihre Gäste.

Großen Anklang fand das Herbstkonzert der Bayer-Symphoniker - das Seidenweberhaus war nahezu ausverkauft. Angekündigt war das Deutsche Requiem von Johannes Brahms, ein epochales Werk, das in diesem Jahr auffallend oft aufgeführt wird und so recht in den November, den Monat des Totengedenkens, passt.

Doch zunächst erklang - und das keineswegs als unbedeutendes Vorspiel - die Sinfonie Nr.8 h-Moll, die so genannte "Unvollendete", von Franz Schubert. Musikwissenschaftler sind sich nicht einig, ob dieser Begriff zutreffend ist, denn die beiden Sätze wirken nicht so, als hätte der Komponist eine Komplettierung angestrebt. Zumal wenn das eingängige Tongemälde mit einer solchen instrumentalen Kompetenz und solcher Ausdruckskraft vermittelt wird, wie es die Bayer-Symphoniker unter der engagierten, die kompositorischen Tiefen einfühlsam ausleuchtenden Stabführung ihres Künstlerischen Leiters Thomas Schlerka vermochten.

Eine großartige Leistung für ein Liebhaber-Orchester, von dem manche Kritiker meinen, es gehöre zu den Besten in Deutschland.

Das voll ausgebaute Symphonieorchester mit rund 80 aktiven Mitgliedern bewährte sich ebenso in sorgfältig angepasster und klanggesättigter Begleitfunktion beim Hauptwerk des Konzertes, dem Deutschen Requiem. Hier übernahm Pavel Brochin den Dirigentenstab. Brochin ist der Leiter der beiden an der Aufführung beteiligten Chöre, des Audienda-Chores Krefeld und des Kammerchores Oberpleis. Diese Chorgemeinschaft bestand aus etwa 80 Sängerinnen und Sängern, wobei - wie fast überall - die Damen gravierend in der Überzahl waren.

  • Stadt Kempen : Sänger proben fürs Brahms-Requiem

Dennoch wirkte der Gesamtklang beachtlich homogen, lediglich bei Soloeinsätzen erschienen die Männerstimmen nicht recht tragfähig. Brochin verfolgte einen eher durchsichtigen, weniger dramatischen Interpretationsansatz, und ließ seinen Chor auffallend oft non-legato singen. Das hatte allerdings zur Folge, dass die dramatische Wucht, die zu großen Teilen diesem faszinierenden Opus innewohnt, nicht genug zur Geltung kam.

Großartig - auch im Zusammengehen mit den aufmerksam mitgehenden Instrumentalisten - gelang der abschließende Chor "Selig sind die Toten". Hier, wie auch in den voraufgegangenen Chorsätzen, setzten namentlich die strahlkräftigen und bewundernswert höhensicheren Soprane Glanzlichter.

Charlotte Schäfer (Sopran) sang mit Ausdruckskraft und müheloser Höhensicherheit ihr tröstliches Solo "Ihr habt nun Traurigkeit", und Rafael Bruck fesselte in seinen solistischen Passagen rückhaltlos mit Wärme, Intensität und wohlig sich entfaltendem baritonalem Glanz.

Das Publikum zeigte sich begeistert und dankte ausdauernd.

(RP)