Krefeld: Symphonie-Orchester droht Auflösung

Krefeld: Symphonie-Orchester droht Auflösung

Die Bayer Symphoniker suchen dringend ein Quartier. Bis zum Jahresende kann das Orchester im ehemaligen BayTreff bleiben. Finden die Musiker keine adäquaten Proberäume, wäre es das Ende - ein riesiger Verlust für die Region.

Große musikalische Aufgaben liegen vor den Bayer Symphonikern: Beethovens Neunte wollen sie am 29. April im Seidenweberhaus und am 5. Mai in der Düsseldorfer Tonhalle aufführen - in der ganz großen Besetzung, die Gustav Mahler für romantisches Orchester bearbeitet hat. Doch in die "Ode an die Freude" mischen sich dunkle Töne. "Ende des Jahres stehen wir im Regen", sagt Klaus Elfes vom Vorstand der Bayer Symphoniker. Dann steht das Traditionsorchester auf der Straße. "Wir haben 40 Personen und Institutionen angeschrieben wegen neuer Proberäume. Einige Gespräche laufen noch, aber bisher haben wir nichts Adäquates gefunden. Wie es dann mit dem Orchester weitergeht, weiß niemand." Ohne Probenraum droht Auflösung oder Abwanderung - nach 85 Jahren.

Hintergrund: Auf dem ehemaligen Bayer-Gelände haben die Symphoniker in einer ehemaligen Schreinerei ihren Sitz. Der jetzige Eigentümer Covestro (ehemals Bayer Material Science) hatte, wie berichtet, allen dort ansässigen Vereinen zum 31. Dezember 2017 die Mietverträge gekündigt. Die Musiker haben einen Aufschub bis Jahresende erhalten. Dann müssen sie raus. "Es gibt noch Gespräche", sagt Elfes. Doch darauf bauen mag niemand im Ensemble.

Dabei ist die Halle optimal: Ein 500 Quadratmeter großer Raum mit Sheddach, einer Deckenhöhe von fünf Metern und Vorhängen, die Schall schlucken, hat für das 70 Mann starke Orchester die richtige Größe. Dort ist auch Platz, um Instrumente - wie das umfangreiche Schlagwerk mit allein fünf Pauken - zu lagern, das historische Archiv und die Notenbibliothek, die inzwischen mehr als 1000 Orchesterwerke umfasst, unterzubringen. "Es gibt keinen besseren Raum", sagt Thomas Schlerka, musikalischer Leiter der Symphoniker. Und weil das Orchester mit anderen Orchestern, Chören und künftig auch Ballett kooperiert, müssen schon mal 300 Probende Platz finden. "Pro Musiker braucht man etwa anderthalb Quadratmeter", rechnet Schlerka vor. Deshalb fielen viele Gemeinderäume und Kirchen durchs Raster. "Das sind Übergangslösungen, aber nichts Dauerhaftes." Eine Werks- oder Turnhalle sei ideal. "Aber wir proben freitags abends. In Schulen scheitert das an den Hausmeistern; bei anderen Räumlichkeiten an eigenen Veranstaltungen." Müsste das Orchester sich auflösen, wäre es ein tiefer Einschnitt in das Kulturleben der Region. "Wir sind das größte Laienorchester dieser Qualität am Niederrhein. 40 Prozent der Mitglieder kommen vom Bergischen Land bis Emmerich", betont Schlerka. Was einst als Werksorchester begann, hat Renommee. Hochkarätige Solisten wirken mit. Bayer weiß um diese Qualität: "Sie haben Covestro abgenötigt, etwa 25 Prozent der finanziellen Unterstützung zu tragen", sagt Elfes. "Aber wie lange noch?".

(RP)