Super-Coup - Krefelder Kunstmuseen kaufen Sammlung von Sonia Delauny

Super-Coup in Krefeld : Kunstmuseen erwerben die größte Sammlung von Sonia Delaunay

Die Krefelder Kunstmuseen haben ein 650.000 Euro teures Konvolut mit Zeichnungen der französischen Künstlerin Sonia Delauny erworben. Es ist der größte Ankauf in der Nachkriegszeit für die Sammlung im Kaiser-Wilhelm-Museum.

Die Kunstmuseen Krefeld haben jetzt ihren größten Ankauf seit 1945 getätigt: Mit Unterstützung der öffentlichen und der privaten Hand gelangten 100 farbige Arbeiten der Künstlerin Sonia Delaunay an das Haus. Das Konvolut besteht aus Textilentwürfen, die Sonia Delaunay (1855-1979) in den 1920er bis 40er Jahren zeichnete. Auch ein Musterbuch mit Stoffen gehört zu der Neuerwerbung.

Am Ankaufspreis von 650.000 Euro beteiligte sich die Kulturstiftung der Länder mit 220.000 Euro, desgleichen das Land Nordrhein-Westfalen. Die Stadt Krefeld finanzierte 180.000 Euro, und die privaten Spender Jan Kleinewefers und Christoph Tölke gaben 30.000 Euro hinzu. Der Betrag der Stadt rechnet sich folgendermaßen: Der Ankaufsetat der Kunstmuseen umfasst jährlich 80.000 Euro – das schlägt bei knapp zwei Jahren mit 130.000 Euro zu Buche. Den Betrag von 50.000 Euro hat die Stadt zusätzlich gegeben.

Der Ankauf dieser beeindruckenden Sammlung mache ihn „stolz, glücklich und froh“, sagte denn auch Oberbürgermeister Frank Meyer. Das Kaiser-Wilhelm-Museum werde erfolgreich weiterentwickelt und zeige sich „im Spiegel seiner Geschichte“. Das Anknüpfen an die große textile Geschichte der Stadt mit der Schnittstelle zwischen Kunst und Kunsthandwerk sei nur möglich mit starken Partnern, bei denen Meyer sich ebenso wie Museumsleiterin Katia Baudin nachdrücklich und herzlich bedankte.

Sie haben den Ankauf ermöglicht: (v.l.) Sammlerin Francoise Knabe, Ministerin Isabelle Pfeiffer-Poensgen, Jan Kleinewefers, Christoph Toelke, Museumsleiterin Katia Baudin und Oberbürgermeister Frank Meyer. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Besonders die privaten Spender wurden hervorgehoben: „Das ist gelebtes bürgerschaftliches Engagement“. Dank ging auch an Gregor Micus, der als Kulturdezernent diesen Ankauf vorbereitet hatte. Denn vor zwei Jahren wandte sich die Sammlerin Françoise Knabe an das KWM; Katia Baudin war gerade vier Monate im Amt als Museumsdirektorin.

Françoise Knabe hatte die Sammlung 1993 bei Marie-Jacques Perrier, die sie von ihren Eltern geerbt hatte, angeschaut. „Ich war hingerissen“, sagte sie. Die Sammlerin wurde in Lyon geboren, wo sie auch studiert hat. Ihre großartige Sammlung hat sie Krefeld angeboten: „Krefeld und Lyon waren bei der Weltausstellung 1900 dabei – das fügte sich spontan“, sagte Françoise Knabe. „Sonia Delaunay bahnt den Weg für eine grundlegend neue Auseinandersetzung in der Kreation von Stoffen“, sagte sie. Sie habe  das Prinzip in ihrer Kunst entdeckt: Das Licht und die Bewegung der Farben, zitierte Françoise Knabe die Künstlerin.

Isabelle Pfeiffer-Poensgen, Kulturministerin des Landes NRW, erläuterte die Beweggründe für die Mitfinanzierung. „Die Künstlerin Sonia Delaunay ist bedeutend für die Moderne“, sagte sie. Wichtig sei bei der Bewahrung des wertvollen Erbes der Ort, an den eine Sammlung gelangt. „Diese Sammlung erlaubt zudem einen Blick darauf, dass es damals starke Künstlerinnen gab.“

Museumsdirektorin Katia Baudin sprach über die Verbindung von Kunst und Kunsthandwerk, die das KWM in Gründerzeiten prägte und nun wieder: „Diese Sammlung passt ausgezeichnet zu der Programmatik, die hier entwickelt wurde.“ Sie blickte auch in die Zukunft: „Einige Arbeiten aus dieser Sammlung werden in unterschiedlichen Zusammenhängen gezeigt.“ Es sind dies die „Bauhaus-Sammlung“ und eine „Avantgarde-Ausstellung“. Zudem werden die Entwürfe der Sonia Delaunay auch Ausgangspunkt für ein internationales und interdisziplinäres Forschungsprojekt sein. Denn viele Stücke des Konvoluts sind der Öffentlichkeit und den Fachleuten gar nicht bekannt.

Sonia Delaunays Entwürfe zeigen einen breiten Fächer von gegenständlicher bis zu abstrakter Gestaltung. Da krabbeln dunkle Insekten über hellen Grund, da blühen Glockenblumen oder Wiesenkräuter. Oder farbige Kreise wandern über ein Blatt, daneben schneiden buntstiftfarbene Linien quer über eine schwarze Fläche, rote und weiße Fäden kringeln sich über ein Papier. Diese fast 100 Jahre alten Entwürfe besitzen immer noch eine beeindruckende Strahlkraft.

Unternehmer Jan Kleinewefers, der mit dazu beigetragen hat, dass diese Stücke jetzt nach Krefeld gekommen sind, nannte den Ankauf „einen Paukenschlag“. „Die Renaissance von Krefeld geht voran“, sagte er, „wenn man immer dranbleibt, dann geht es.“

Der Gedanke, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammengehören, werde wieder herausgestrichen.

Auch Christoph Tölke, der zweite private Spender, weiß um die Schwierigkeiten, die das Durchsetzen eines solchen Projektes mit sich bringt: „Man muss hartnäckig bleiben“, sagte er. „Ich sehe es als Ermutigung und freue mich, dass ich etwas dazu beitragen konnte.“

Mehr von RP ONLINE