Krefeld: Stromleitung: Enteignungen drohen

Krefeld: Stromleitung: Enteignungen drohen

Der Stromnetzbetreiber Amprion hat noch nicht alle Flächen für den Bau der 380-Kilovolt-Leitung: Erst acht von 23 Fundamenten sind gelegt. Nächste Woche sollen die Masten gesetzt werden – ungeachtet der Krefelder Klage.

Der Stromnetzbetreiber Amprion hat noch nicht alle Flächen für den Bau der 380-Kilovolt-Leitung: Erst acht von 23 Fundamenten sind gelegt. Nächste Woche sollen die Masten gesetzt werden — ungeachtet der Krefelder Klage.

Für den Bau der 7,3 Kilometer Stromleitung durch den Krefelder Westen hat der Netzbetreiber Amprion immer noch nicht alle nötigen Flächen. Joelle Bouillon, Sprecherin von Amprion, bestätigte gestern auf Anfrage, dass man grundsätzlich dort baue, wo die Erlaubnis des Grundstückseigentümers vorliegt. In Einzelfällen werde der Bau auch "über Enteignungen erreicht", so die Sprecherin. Acht von 23 Fundamenten für die Strommasten sind bisher gegossen. Wie viele Flächen konkret fehlen, will Amprion nicht mitteilen. Für den "überwiegenden Teil der Strecke" gebe es ein Einvernehmen.

Alle Eigentümer würden entschädigt, so die Sprecherin, die auch über die Höhe der Entschädigung keine konkreten Angaben machen kann.

Schon ab nächster Woche wird das Unternehmen in Krefeld nun mit dem Aufstellen der Strommasten für die 380-Kilovolt-Leitung beginnen. Die ersten Masten werden zwischen A 44 und dem Edelstahlwerk aufgestellt. Bis November sollen alle Masten aufgestellt sein. Die Mastgründung am umstrittensten Punkt, dem Gelände des Kleingartenvereins Tackheide, soll im September 2013 erfolgen.

Amprion baut derzeit auf eigenes Risiko — nach aktueller Ratsbeschlusslage will Krefeld gegen die Stromleitung beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig klagen und den Bau in Erdkabelvariante durchsetzen. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht den Krefelder Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz, der alle Vorarbeiten gestoppt hätte, ablehnte, wird derzeit allerdings politisch diskutiert, die Klage im Hauptsacheverfahren fallen zu lassen. Bleibt es bei der Klage, dann riskiert Amprion den kompletten Abbau der Strommasten. Ein Erfolg vor Gericht gilt inzwischen als unwahrscheinlich, wie auch der durch die Stadtverwaltung beauftragte Anwalt Philipp Heinz einräumt.

Bisher haben sich nur die Krefelder Grünen nach der Ratssitzung öffentlich geäußert. Sie fordern, den nächsten Schritt im Rechtsstreit zu unternehmen — die Gerichte würden immer häufiger zu Gunsten der Bürger entscheiden.

Die Stromleitung von Fellerhöfe bis St. Tönis ist für Amprion ein wichtiger Teilabschnitt der Nord-Süd-Verbindung von Wesel bis Koblenz. Im Energieleitungsausbaugesetz von 2009 ist der vordringliche Bedarf der Leitung festgeschrieben. Amprion argumentiert bisher stets damit, dass man mit dem Ausbau nur einem Bundesgesetz folge und der Bau rechtens sei.

Trotz allen juristischen Streits: Störungen durch Bürger oder Initiativen habe es bisher nicht gegeben, sagte Amprion-Sprecherin Joelle Bouillon: "Die Arbeiten verliefen problemlos und gehen gut voran." Zehn Arbeiter waren in den vergangenen Wochen für das Gießen der Fundamente zuständig, zehn weitere sollen ab der kommenden Woche beim Mastbau helfen. Zwischen 75,6 und 71,5 Meter hoch sollen die Masten werden.

(RP/rl/top)
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